Brunswick Group

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Brunswick Group
Branche PR, Finanz- und Unternehmenskommunikation
Hauptsitz London
Lobbybüro Deutschland Frankfurt, Berlin und München
Lobbybüro EU 27 Avenue des Arts, 1040 Brüssel
Webadresse www.brunswickgroup.com

Die Brunswick Group ist eine international tätige PR-Firma, die sich auf Krisen- und Finanzmanagment spezialisiert hat. Sie wurde 1987 in London gegründet.[1]

Struktur, Geschäftsfelder und Finanzen

Brunswick ist eine PR-Agentur mit ca. 850 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, davon sind über 130 Partner. In 14 Ländern gibt es 23 Büros. Vorsitzende und Gründer der Brunswick Group sind Sir Alan Parker, Andrew Fenwick und Louise Charlton.

Es gibt vier Tochterunternehmen, die sich auf einzelne Bereiche spezialisiert haben: Brunswick Arts, MerchantCantos, The Lincoln Centre, und Blaise Projects. Brunswick Arts konzentriert sich beispielsweise auf die Interessen von Kunst, Kultur und Wohlfahrtsorganisationen und MerchantCantos kümmert sich um kreative Kommunikationsstrategien seiner Kunden.[2]

Lobbyarbeit: Struktur und Strategien

Brunswick ist weltweit nahe an den größten politischen Zentren (Washington D.C., Brüssel, Berlin, London, Paris, Beijing, u.a.) angesiedelt. Von dort aus vertritt die Beratungsagentur die Interessen ihrer Klienten vor der Politik. In Deutschland gehören zu den Kunden beispielsweiße Großkonzerne wie Rolls Royce, EADS, Bayer und TÜV Rheinland.

Senior Advisor im Berliner Büro ist Carl Graf von Hohenthal, ein ehemaliger Journalist von Die Welt und FAZ. Hohenthal, der 2006 zur Brunswick Group wechselte, ist Mitglied des Strategischen Beirats der marktliberalen Interessensvertretung Die Familienunternehmer - ASU. Als Direktor des Büros arbeitet Dominik Cziesche, der 2012 bei der Brunswick Group anfing, nachdem er bei Spiegel und als Stabschef bei Frank-Walter Steinmeier gearbeitet hatte. Ebenfalls Direktor ist Dr. Joachim Peter, vormals Journalist bei DIE WELT sowie Führungskraft bei der Presseagentur dpad. Auch sein Lebenslauf zeigt eine enge Verbindung zur Politik, 2010 bis 2011 war er Leiter des von Karl-Theodor zu Guttenberg ins Leben gerufenen Referats "strategische Kommunikation" des Verteidigungsministeriums. Das Referat stand in der Kritik allein zur Imagepflege des Ministeriums geschaffen worden zu sein, als dieses wegen eines zweifelhaften Bombardements in Afganistan, bei dem 142 Zivilisten umkamen, sich vor einem Untersuchungsausschuss rechtfertigen musste[3]. Bei der Brunswick Group arbeitet Dr. Peter weiterhin im Bereich der Verteidigungspolitik. Dritte Direktorin in Berlin ist Maria Marques die Kunden aus dem Kunst- und Architekturbereich betreut. Ulrich Deupmann ist Partner und ebenfalls ehemaliger Journalist. Er arbeitete für die Süddeutsche Zeitung, Bild am Sonntag, Der Spiegel und die Berliner Zeitung, sowie 2006 als Redenschreiber des damaligen Außenministers und Vizekanzlers Frank-Walter Steinmeier. Zusammen mit vielen anderen Interessensvertretungen liegt das Berliner Büro von Brunswick weniger als 2 Kilometer vom Bundestag entfernt in der Nähe des Gendarmenmarkts.[4]

Das Brüsseler Büro konzentriert sich auf "public and regulatory affairs", sowie Medienarbeit und Reputationsverbesserung. Es wirbt mit Sachkompetenz in den Abläufen der EU-Politik und bietet strategische Beratung, sowie Medienkontakte. Ihr "in-house research team" könne für Kunden die Meinungen der wichtigsten politischen und behördlichen Stakeholder ergründen, sowie zeitnah über Trends, die den Wirtschaftssektor des Kunden betreffen, informieren. Dabei arbeite es eng mit anderen Brunswick Büros weltweit zusammen. Als Tätigkeit gibt die Gruppe im Transparenz-Register an, Lobbyarbeit zu betreiben, um die Gesetzgebung zu beeinflussen. 15 Vertreter der Brunswick Group halten eine dauerhafte Zugangserlaubnis zu den Räumen des Europäischen Parlaments. Nach eigenen Angaben vertreten sie die Interessen ihrer Kunden zu einem enorm breiten Spektrum von Themen, darunter auch Energie, Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Steuern, Umwelt und Verkehr. Kunden sind unter anderen Amazon, Visa Inc., Microsoft, Bank of America. Ihr größter Auftraggeber ist der Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE), der auf den elektronischen Handel von Optionen und Futures auf Elektrizität, Energie- und Agrarrohstoffe sowie Emissionen spezialisiert ist. Sie sind Mitglied bei der britischen sowie der amerikanischen Handelskammer, der "American European Community Association" und dem "Centre for European Policy Studies". Mit ihrer Lobbyarbeit in Brüssel machte die Brunswick Group im Jahr 2012 über 2,5 Millionen Euro Umsatz, 2013 waren es über 1 Millionen.[5] Im November 2010, zweieinhalb Jahre nach der Schaffung eines freiwilligen Lobbyregisters durch die EU-Kommission, trug die Brunswick Group sich in dieses sogenannte Transparenzregister ein.

Im Brüsseler Büro sitzen fünf Partner bzw. Direktoren. Besonders viele Kontakte zur EU und gute Kenntnisse der politischen Strukturen hat John-Paul Dryden. Nachdem er 10 Jahre als Banker tätig war, saß er dem Sekretariat für Finanzdienstleistungen der UK in Brüssel vor und beriet aus dieser Position den britischen Finanzminister und die britische Botschaft. Er gestaltete den Aktionsplan für Finanzdienstleistungen der EU mit und arbeitete eng mit Vertretern anderer Mitgliedsstaaten und der Industrie zusammen. Als Manager der britischen Finanzaufsicht FSA schrieb er später an [Basel II] mit. Spätestens in der Finanzkrise zeigte sich, dass die darin festgelegten verringerten Eigenkapital-Anforderungen an Banken ein erhebliches Risiko bergen. 2004 bis 2007 war Dryden Ratsmitglied im Europaparlament und weiterhin Berater zu Finanzdienstleistungen. Als Ratsmitglied stand er nach eigenen Angaben in weitreichender Verbindung mit Wirtschaftsverbänden und Lobbyisten. Seine größten Klienten ei Brunswick sind bisher HSBC, Moody’s, Bank of America Merrill Lynch, Intercontinental Exchange, Peabody Energy, Newedge, BT, Visa, Edenred, Sodexo und Chèques Déjeuner, die er zu strategischem Engagement zur Beeinflussung der europäischen Gesetzgebung berät.[6]

Fallbeispiele

Brunswick steht der Labour Party in England sehr nahe und hat 1999 ca. 8.000 Euro für Karten für ein Abendessen ausgegeben und 2001 knapp 15.000 Euro für Parteispenden. Die Firma stellte auch einen Mitarbeiter um umsonst für die britische Regierung an dem "Financial Services and Markets Act" von 2000 mitzuarbeiten, aus dem die britische Finanzaufsicht "Financial Services Authority (FSA)" hervorging. Einige Mitarbeiter von Brunswick arbeiteten zeitweiße auch bei der FSA. Durch solche Verknüpfungen ist Brunswick für Klienten als Lobbyagentur besonders attraktiv. Ein Spezialgebiet der Brunswick Group ist das Krisenmanagment. So konnten sie beispielsweise BP nach der Deepwater Horizon-Katastrophe auf ihre Klientenliste setzen. Auch für die Bergbauindustrie in Südafrika starteten sie eine Imagekampagne.[7]

Siehe auch

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Website der Firma Brunswick gesehen am 13.03.2014
  2. https://www.brunswickgroup.com/about-us/the-group/
  3. Verteidigungsministerium streicht strategische Kommunikation, PR-Report 21. Dezember 2011, gesehen am 22.04.2015
  4. Seite des Berliner Brunswick Büros gesehen am 22.04.2015
  5. Eintrag Brunswick Group LLP im Transparenz-Register der EU gesehen am 23 und 29.04.2015
  6. LinkedIn Profil von John-Paul Dryden gesehen am 23.04.2015
  7. sourcewatch.de Parteispenden; vom 24.11.2013 gesehen am 24.04.2015

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