Die Lebensmittelwirtschaft

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LobbyPlanet Berlin
Die Lebensmittelwirtschaft e.V.
Rechtsform eingetragener Verein
Tätigkeitsbereich Denkfabrik und Kommunikationsplattform der Lebensmittelbranche
Gründungsdatum 2012
Hauptsitz Berlin
Lobbybüro
Lobbybüro EU
Webadresse http://www.lebensmittelwirtschaft.org

Die Lebensmittelwirtschaft e.V. mit Sitz in Berlin ist eine Kommunikationsplattform und Denkfabrik mit dem Ziel, das Ansehen der Lebensmittelbranche in der Öffentlichkeit zu verbessern. Der Verein möchte selbst nicht als Lobbyorganisation bezeichnet werden, sondern legt Wert auf seine wissenschaftliche Expertise. Diese wird jedoch durch teilweise stark im Sinne der Lebensmittelindustrie uminterpretierte Studien-Ergebnisse untergraben.

Lobbystrategien und Einfluss

'Die Lebensmittelwirtschaft' will laut ihrem Geschäftsführer ausdrücklich kein klassischer Lobbyverband sein. [1] Doch als Dialog- und Kommunikationsplattform greift die Organisation in gesellschaftliche Debatten rund um die Lebensmittelwirtschaft ein: darunter politisch umstrittene Themen wie Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel, auf Kinder zugeschnittene Werbung oder Lebensmittelsicherheit. Die Arbeit am eigenen Image hat das Ziel, Forderungen nach weiteren gesetzlichen Auflagen für die Branche entgegenzuwirken und "Impulse für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik"[2] zu geben. Im Fokus stehen deshalb Multiplikatoren und Meinungsbildner, welche zu regelmäßigen Gesprächsrunden, einem jährlichen Symposium und Pressereisen eingeladen werden. [3]

Die Organisation betreibt jedoch auch die klassische Variante des Lobbyismus, also Gespräche mit Vertretern aus der Politik – so etwa beim gemeinsamen Gespräch der Lebensmittelbranche mit Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) im Juli 2014[4].

Da der Verein auch als ThinkTank funktionieren möchte, wird der Kontakt zu Wissenschaftler/innen in einem eigenen Beirat[5] mit eigenen Veranstaltungsformaten gepflegt[6]. Durch diese Kooperation soll zum einen eine positive Reputation in der Fachwelt erzeugt werden, und zum anderen in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, es handele sich bei dem Verein um eine Organisation, welche auf unzweifelhaft wissenschaftlicher Grundlage arbeitet und somit das Vertrauen der Verbraucher verdient.


Fallstudien und Kritik

2014: Fragwürdige Transparenzstudie

Im Herbst 2014 veröffentlichte die Lebensmittelwirtschaft eine Auftragsstudie zum Thema Transparenz und Verbraucher. Diese besagt, dass der Nutzen von zusätzlichen Produktinformationen begrenzt sei, da bereits vorhandene Informationen "kaum aktiv genutzt oder als relevant für Einkaufsentscheidungen wahrgenommen"[7] würden. In ihrer Pressemitteilung zur Studie schrieb 'Die Lebensmittelwirtschaft', dass „nur 23 Prozent der Verbraucher mehr Transparenz“ einfordern würden.

Bei genauer Betrachtung erscheint diese Interpretation schwer nachvollziehbar. Die Zahl bezieht sich auf eine Klassifizierung der Verbraucher/innen, nach der nur ein bestimmter Verbraucher-Typus aktiv mehr Transparenz einfordert[8]. Tatsächlich aber stimmen zwei weitere Gruppen mehrheitlich der Aussage zu, dass sie gerne mehr Informationen über Lebensmittel hätten[9]. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen spricht der Verein diesen Gruppen aber ab, Transparenz bei Lebensmitteln „aktiv“ einzufordern. Insgesamt beantworten 58 Prozent aller Befragten die Frage nach mehr Informationen positiv und nur knapp 8 Prozent negativ.

Auf Anfrage von LobbyControl, auf welcher Basis Die Lebensmittelwirschaft die Ergebnisse der Studie interpretiere, antwortete eine Mitarbeiterin des Vereins: "Die aktive Forderung nach mehr Transparenz ist nicht zu verwechseln mit dem Wunsch nach aktiv eingeforderten Informationen und Details". Das in der Studie abgefragte Merkmal "aktive Forderung nach mehr Transparenz" ist folglich bewusst so konstruiert, dass es auf ein Großteil der Studie nicht zutrifft.

Selbst der Autor der Studie, der Agrarökonom Achim Spiller, fasst seine Forschungsergebnisse mit den Worten zusammen: „Die Ergebnisse zeigen, dass Konsumenten ein klares Bedürfnis nach Transparenz (insb. Informationen über Herkunft, Inhaltsstoffe, Zutaten) bei Lebensmitteln haben“[10]. Das eigentliche Ergebnis der Studie ist deutlich: Die Mehrheit der Befragten wollen mehr und besser nutzbare Informationen. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass die gesetzliche Kennzeichnung von Lebensmitteln verbessert werden muss. Doch das entspricht nicht den Interessen der Lebensmittelwirtschaft. Daher wurden die Ergebnisse der Studie für die Öffentlichkeitsarbeit in fragwürdiger Weise uminterpretiert. Eine Organisation, die selbst zu einer offenen und transparenten Kommunikation beitrahen will[11], untergräbt auf diese Weise ihre eigene Glaubwürdigkeit.

Kurzdarstellung und Geschichte

Die im Jahr 2012 gegründete Denkfabrik 'Die Lebensmittelwirtschaft' ist ein Zusammenschluss von Erzeugern, Lebensmittelherstellern und Lebensmittelhändlern[12]. Die Organisation soll dabei helfen, das Image der Branche wieder aufzubessern, nachdem es unter mehreren Lebensmittel-Skandalen (Gammel- und Pferdefleisch, Dioxin, EHEC etc.) beschädigt wurde.
Kritische Verbraucherorganisationen wie die Verbraucherzentralen mit ihrer Webseite Lebensmittelklarheit.de oder Foodwatch beeinflussen das öffentliche Bild der Lebensmittelindustrie zusätzlich negativ. Der Verein 'Die Lebensmittelwirtschaft' soll dazu ein kommunikatives Gegengewicht bilden, Medien und Multiplikatoren ansprechen und "die Wertschätzung der Branche in der Öffentlichkeit" stärken.[13][14]

Organisationsstruktur und Personal

Mitglieder

Der Verein wird von 8 Branchenverbänden aus den Bereichen Lebensmittelindustrie, Handel, Landwirtschaft und Handwerk getragen (Stand Juni 2015): [15]

Außerdem gehören 24 Unternehmen zu den förderden Mitgliedern, darunter Danone, Edeka, Lidl, Mondelez, Nestlé, Unilever und der Schlacht- und Fleischkonzern Tönnies. [16]

Personal

Geschäftsführer des Vereins ist Stephan Becker-Sonnenschein. Zuvor arbeitete er als Reputationsmanager für den Tabakkonzern Philip Morris, RWE, Telefonica und für Kraft Foods (heute: Mondelez). [17]

Im Berliner Büro arbeiten ingesamt 3 Mitarbeiter in Vollzeit und eine studentischen Hilfskraft.

Verbindungen

Über seine Mitgliedsverbände, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE), welche ein Büro in Brüssel unterhält [18], hat 'Die Lebensmittelwirtschaft' auch Kontakte bis in die europäischer Ebene.

Finanzen

Die Lebensmittelwirtschaft e.V. finanziert sich durch die Beiträge seiner ordentlichen und fördernden Mitglieder. [19] Der Verein verfügt über ein Gesamtbudget von einer Million Euro pro Jahr. [20]

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Quelle: Persönliches Gespräch mit LobbyControl
  2. Whitepaper zur Transparenzstudie Vgl. S.2), abgerufen am 23.07.2015.
  3. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Presse, abgerufen am 23.07.2015
  4. Presseportal vom 18.07.2014, abgerufen am 23.07.2015
  5. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Beirat, abgerufen am 16.06.2015
  6. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Think Tank, abgerufen am 23.07.2015
  7. Whitepaper zur Transparenzstudie Vgl. S.2), abgerufen am 23.07.2015.
  8. Whitepaper zur Transparenzstudie Vgl. S.5 (Typus: Anspruchsvoll-Detailorientierte, 23,4%), abgerufen am 23.07.2015
  9. Whitepaper zur Transparenzstudie, S.17+18, auch die Gruppen 'Verwirrung und Vertrauen' (17,2% ) sowie 'Vertrauen und Durchblick' (22,0%) antworten jeweils auf das Item 3 mit „bei Lebensmitteln hätte ich gern mehr Informationen, um mich gesund ernähren zu können.“ 17,2+22+23,4=62,6%, abgerufen am 23.07.2015
  10. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Transparenz und Verbraucherverhalten, abgerufen am 23.07.2015
  11. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Leitbild, abgerufen am 23.07.2015
  12. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Satzung, Präambel, abgerufen am 23.07.2015
  13. Vgl. Website Die Lebensmittelwirtschaft, Leitbild, abgerufen am 23.07.2015
  14. Vgl. PR News vom 31.10.2012, abgerufen am 23.07.2015
  15. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Mitglieder, abgerufen am 23.07.2015
  16. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Förderer, abgerufen am 23.07.2015
  17. politik&kommunikation vom 16.07.2013, abgerufen am 23.07.2015
  18. Webseite Europäische Bewegung Deutschland, Mitglieder, abgerufen am 23.07.2015
  19. Webseite Die Lebensmittelwirtschaft, Satzung, §4, abgerufen am 23.07.2015
  20. Laut Antwort auf Anfrage an Verband

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