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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich

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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
Hauptsitz Centralbahnplatz 2, 4051 Basel, Schweiz
Gründung 17.05.1930
Tätigkeitsbereich Bank der Zentralbanken und Koordination in internationalen Währungs- und Finanzfragen
Mitarbeiter 589[1]
Etat 285,1 Mio SFR (10/11)[1]
Webadresse www.bis.org


Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, engl. Bank for International Settlements - BIS) ist eine internationale Organisation und gilt als "Zentralbank der Zentralbanken".

Sie beherbergt mit dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht eine zentrale Institution zur Regulierung des Weltfinanzsystems. Hier wurden die Basler Verträge (Basel I, Basel II, Basel III) ausgehandelt, mit denen eine Neuordnung des globalen Finanzsystems versucht wurde.


Kurzdarstellung und Geschichte

Die BIZ wurde 1930 von einigen privaten Banken und den Zentralbanken mehrerer Länder gegründet und gilt als die älteste länderübergreifende Finanzorganisation der Welt. Der ursprüngliche Gründungszweck, die Sicherstellung der deutschen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg, entfiel schon ein Jahr später mit der Einstellung dieser Zahlungen infolge der Weltwirtschaftskrise.[2]


In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 galt die BIZ als sehr „nazifreundlich“, nicht zuletzt weil es eine einflussreiche „deutsche Gruppe“ innerhalb des Institution gab. Die BIZ übernahm 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs das österreichische Gold und war 1939 nach der deutschen Besetzung der Tschechiens auch bei der Überweisung eines Teils des tschechischen Goldes behilflich. Im Zweiten Weltkrieg wickelte die BIZ alle notwendigen Devisengeschäfte für das Deutsche Reich ab. Sie handelte sich deshalb später den Vorwurf ein, mit Raubgold (looted gold) der vom Deutschen Reich übernommenen Zentralbanken gehandelt zu haben. Die ab 1943 verstärkten Bestrebungen des US-Finanzministers Morgenthau und der norwegischen Exilregierung, die BIZ wegen ihrer Nazifreundlichkeit aufzulösen, blieben zunächst vergeblich. Erst im März 1945 wurden die Devisengeschäfte mit dem Deutschen Reich eingestellt.


Die BIZ erhielt den Status einer internationalen Organisation. Ihre Gebäude sind bis heute ebenso unantastbar wie ihre Einlagen und Guthaben, ihre Mitarbeiter genießen Steuerfreiheit und diplomatische Immunität. Das Europäische Währungsinstitut, der Vorgänger der Europäischen Zentralbank (EZB), wurde in den Räumlichkeiten der BIZ ausgebrütet und herangezogen, bevor es nach Frankfurt umzog.[3]


Struktur

Direktorium

Board of Directors
Christian Noyer (Vorsitzender) Chef der französischen Zentralbank
Ben Bernanke Federal Reserve System (Fed)[4], Washington, DC, Präsident
Mario Draghi Europäische Zentralbank (EZB), Präsident
Jens Weidmann Deutsche Bundesbank, Präsident
Andreas Dombret Deutsche Bundesbank, Mitglied des Vorstands

Mark Carney, Bank of England; Paul Tucker, London; Agustín Carstens, Mexico City; Luc Coene, Brüssel; Baron Guy Quaden, Brüssel; William C Dudley, New York; Stefan Ingves, Stockholm; Thomas Jordan, Zürich; Klaas Knot, Amsterdam; Haruhiko Kuroda, Tokio; Fabio Panetta, Rom; Ignazio Visco, Rom; Stephen S Poloz, Ottawa; Zhou Xiaochuan, Peking

(Stand: August 2013) Quelle: [5]


Stellvertretende Direktoren (Alternates)
Mathias Dewatripont oder Jan Smets Brüssel
Paul Fisher oder Michael Cross London
Anne Le Lorier oder Marc-Olivier Strauss-Kahn Paris
Joachim Nagel oder Karlheinz Bischofberger Frankfurt am Main
Janet L Yellen oder Steven B Kamin Washington, DC
Emerico Zautzik Rom

(Stand: August 2013) Quelle: [5]


Die Sekretariate folgender Gremien sind in der BIZ angesiedelt, ohne dass - nach Angaben der BIZ - direkte formelle Bindungen zur BIZ und die Zentralbanken ihrer Mitgliedsländer bestehen würden:[6]


Finanzen

Die BIZ finanziert sich selbst und ist nicht auf Zuwendungen von Regierungen angewiesen.
Sie kann mit nur 120 Kunden und 2 Zweigstellen ein Eigenkapital von 28 Milliarden Dollar und einen Jahresgewinn von 1,17 Milliarden Dollar vorweisen.[3]


Verbindungen und Netzwerke

Die BIZ organisiert in loser Folge Veranstaltungen mit der Per Jacobsson Foundation in der sich ihr Personal mit dem Personal des Internationalen Währungsfonds (IWF) überschneidet.


Fallstudien und Kritik

Die 18 Mitglieder des Direktoriums sind von niemandem gewählt und auch niemandem rechenschaftspflichtig.[3]


Seitenwechsel

Generaldirektoren zu Großbanken
Gleich zweimal hintereinander wechselten Generaldirektoren der BIZ zu Großbanken. Im Jahr 2003 wechselte Andrew Crockett zur Investmentbank JP Morgan Chase, 6 Wochen nach Auslaufen seiner Amtszeit. Sein Nachfolger Malcolm Knight ging wesentlich schneller durch die Drehtür: Am 6. Oktober 2008 tauchte er nach nur einer Woche in hochrangiger Position bei der Deutschen Bank auf. Dort war er für den Kontakt zu Notenbanken und Aufsichtsbehörden zuständig. Das Handelsblatt schrieb damals über den Vorgang:

"Die Kritik richtet sich vor allem an Jean-Pierre Roth, der als Präsident der Schweizerischen Nationalbank und Vorsitzender des Verwaltungsrats der BIZ eine Schlüsselrolle einnimmt. Er ist qua Amt Vorsitzender des „Nominierungskomitees“ und damit jenes Ausschusses, dessen Mitglieder einen Nachfolger für Knight finden müssen. Roth wäre auch zuständig für eine Anpassung der BIZ-Statuten."[7]

Weil sich die BIZ wegen dieser Seitenwechsels um ihren guten Ruf sorgte, wollte sie laut eines Artikels des Handelsblattes ihre Statuten ändern, um zukünftige Interessenkonflikte zu vermeiden. [7]


Zitate über die BIZ

Die BIZ ist für amerikanische Journalist Adam LeBor "eine undurchsichtige, elitäre und antidemokratische Institution"[3]


Weiterführende Informationen


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Annual Report of the BIS, abgerufen am 23.07.2010
  2. BIS History - Overview Webseite BIZ, abgerufen am 16.06.2010
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Einblicke in die geheimnisvollste Bank der Welt sueddeutsche.de vom 20. August 2013, abgerufen am 22.08.2013
  4. Die Fed, die amerikanische Zentralbank, stand dem Unternehmen lange skeptisch gegenüber. Sie trat der BIZ erst 1994 formell bei.
  5. 5,0 5,1 Board of Directors Webseite BIZ, abgerufen am 22.08.2013
  6. Other BIS-hosted organisations Webseite BIZ, abgerufen am 16.06.2010
  7. 7,0 7,1 Notenbanker verlangen den Schwur Handelsblatt vom 27.06.2008, abgerufen am 15.07.2010
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