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Credit Default Swap

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(CDS), deutsch Kreditausfall-Wechsel. Dabei handelt es sich um ein Finanz-Derivat, durch das Ausfallrisiken von Schuldnern (Dritten) gehandelt werden können. Die beiden Vertragspartner werden bei einem solchen Swap Sicherungsgeber und Sicherungsnehmer genannt. Der Sicherungsnehmer entrichtet eine einmalige, ggf. auch regelmäßige Zahlung (Prämie) und erhält im Gegenzug vom Sicherungsgeber eine Ausgleichszahlung, falls der Ausfall des Schuldners eintritt. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Kreditversicherung muss der Sicherungsnehmer jedoch nicht selbst vom Ausfall des Schuldners betroffen sein. Dieser Unterschied macht es möglich, mit geringem eigenen Risiko auf den Schuldausfall ganzer Volkswirtschaften zu wetten, wie es im Falle Griechenlands geschah.

Begriffserklärung

Credit Default Swaps dienen als Versicherung für Anleihen. Dabei übernimmt in der Regel eine Bank, den Part des Versicherers. Der Versicherer (d.h. die Bank) verpflichtet sich zu zahlen, wenn eine Anleihe ausfällt. Die Investoren die die CDS gekauft haben, verkaufen die CDS im Insolvenzfall teurer an die Wertpaperbesitzer. Die Wertpapierbesitzer geben dann dem Versicherer (d.h. der Bank) die Wertpapiere und (neuerworbenen) CDS der Zahlungsunfähig gewordenen Firma (bzw des Staates) und bekommen dafür die Versicherungssumme. Die Bank, die als Versicherer fungiert, hofft im anschließenden Insolvenzverfahrens, ein Teil des Geldes wiederzubekommen. Das Problem an den CDS ist, das sie außerbörslich gehandelt werden und somit keiner Kontrolle unterliegen. Zudem werden die CDS von den Investoren auch für gezielte Spekulationen auf die Bonität von Unternehmen (bzw Staaten) genutzt.[1]

naked CDS

Der Mechanismus, ohne eigene Betroffenheit Ausfallversicherungen abzuschließen, wird auch "naked CDS" (nackter Kreditausfall-Wechsel) genannt.

Kritik

Richard Portes von der London School of Economics verglich Credit Default Swaps einmal mit einer Lebensversicherung auf das Leben eines anderen: "Ich schließe eine Lebensversicherung auf ihr Leben ab, dann gehen wir zusammen die Straße entlang und ich stolpere aus Versehen und schubse Sie vor einen Bus."[2]

Der Fall Griechenland

"Der gesunde Menschenverstand gebietet es, dass eine Person nicht eine Feuerversicherung auf das Haus des Nachbarn abschließen, dieses dann in Brand stecken und dann die Versicherungssumme kassieren kann. Doch genau das ist es, was auf dem CDS-Markt stattfindet."[3], bemerkte der griechische Minsterpräsident Papandreou. Sein Land ist seit einiger Zeit besonders unter Feuer von Spekulanten, die mittels CDS auf einen Kreditausfall Griechenlands wetten.

Finanzlobby verhindert Regulierung von CDS

Die enge Kooperation der Kommission mit der Finanzlobby trug dazu bei, dass sich CDS unter den unter dem Eindruck des Höhepunktes der Finanzkrise im Herbst 2008 zu regulierenden "toxischen Derivaten" in Gutachten zunächst nicht wieder fanden.
Nachdem aber offensichtlich wurde, wie groß die Gefahren durch eine fortschreitende Finanz- und Wirtschaftskrise Griechenlands und die Spekulation auf andere finanzschwache Staaten (Portugal, Spanien, Irland) für die Europäische Union als Ganzes sein können, begann auch die Europäische Kommission, sich eingehend mit dem möglichen Verbot von "nackten" Credit Default Swaps zu befassen.

Dies geschah im Zuge von "Regulierungsbemühungen" unter dem damaligen Kommissar für den Binnenmarkt Charlie McCreevy.
Die von McCreevy ins Leben gerufene "Working Party on Derivatives" setzte sich neben den betreffenden Behörden der EU ausnahmslos aus Vertretern der Finanzindustrie zusammen. Die von der Working Party empfohlene und versprochene Selbstregulierung sollte von einer Expertengruppe überprüft werden, die ein Jahr später gegründet wurde. Die Expertengruppe setzte sich jedoch selber fast ausnahmslos aus Finanzlobbyisten zusammen: Neben 10 Vertretern der EU und ihrer Mitgliedstaaten fanden sich dort 34 Vertreter der Finanzindustrie, davon ganze 25, die selber enge Verbindungen zum Swap- und Derivathandel haben. Folgerichtig verschwand das Verbot von bestimmten Finanzinstrumenten wie naked Credit Default Swaps völlig von der Agenda. [4]


Weiterführende Informationen


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Einzelnachweise

  1. "Urknall" auf dem Derivatemarkt FTD vom 18.06.2009
  2. Credit Default Swaps are "Demonstrably Dangerous" Bloomberg. Interview mit Richard Portes vom 10.3.2010. Zugriff am 21.6.2010
  3. Rede des griechischen Minsiterpräsidenten Papandreou vom 8.März 2010. Abgerufen am 14.Juli 2010
  4. Corporate Europe Observatory (2010) "Financial Warmongers Set EU Agenda". Abgerufen am 14.Juli 2010