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Hans-Olaf Henkel

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Hans-Olaf Henkel (*14. März 1940 in Hamburg), ehem. Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), ehem. Stellv. Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), seit 06/2014 Mitglied des Europäischen Parlaments und darin Stellv. Vorsitzender im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie.

In den letzten Jahren hatte Henkel als ehemaliger Repräsentant der Wirtschaftslobby wiederholt den permanenten Euro-Rettungsschirm kritisiert und die Einführung eines Nord-Euro gefordert, woraufhin sich das politische und wirtschaftliche Establishment von ihm abwandte. Nach dem vergeblichen Versuch, mit prominenten Marktliberalen eine neue Partei zu gründen oder die FDP zu einem eurokritischen Kurs zu drängen, ist er 2012 Mitglied der Freien Wählern geworden und 2014 zur Alternative für Deutschland (AfD) gewechselt. Dort legte er nach einem Richtungsstreit das Amt als stellvertretender Sprecher das Bundesvorstands im April 2015 ab.[1] Er verließ die Partei schließlich, nachdem Frauke Petry als Vorsitzende gewählt wurde. Ihre Wahl wurde allgemein als Beleg für die Nähe der Partei zu rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Kräften gesehen.[2]

Henkel ist Mitglied der Intergroup Sky and Space, die EU-Parlamentarier mit Lobbyisten der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie zusammenbringt.

Karriere

  • seit 06/2014 Europaabgeordneter der Alternative für Deutschland (AfD), Stellv. Vorsitzender im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments
  • März 2014 - April 2015 Stellvertretender Sprecher Alternative für Deutschland (AfD)
  • Ende 2011 Eintritt in die Freien Wähler Bayern
  • 2001-2007 Kolumnist von "Bild" mit mehr als 100 Kommentaren[3]
  • 2001-2005 Präsident der Leibniz-Gesellschaft
  • 2001 Wirtschaftswissenschaftlicher Honorarprofessor der Universität Mannheim
  • 1995 Aufsichtsratsvorsitzender der IBM Deutschland GmbH
  • 1995-2000 Präsident des BDI
  • 1994 Chairman der IBM World Trade Europe/Middle East/Africa Corp.
  • 1993-1994 Präsident der IBM-Europazentrale in Paris
  • 1993 Aufspaltung der IBM Deutschland in fünf rechtlich selbständige Konzerntöchter
  • 1991 Verantwortung für die Vertriebsorganisation der IBM der osteuropäischen Länder
  • 1989 Vice-President der IBM Corporation
  • 1987 Geschäftsführer der IBM Deutschland
  • 1985 Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland
  • 1982 Vizepräsident der IBM Europa
  • 1962 Tätigkeit bei IBM (IBM Deutschland, Vertriebspositionen im asiatisch-pazifischen Raum, Münchner Manufacturing Industry Center für internationale Kunden, IBM Europa in Paris, Director of Operations für den Raum Afrika und Mittlerer Osten, Direktor der IBM-Zentrale in New York, General Manager für die Region der IBM EMEA (IBM World Trade Europe/Middle East/Africa Corp.) in Paris
  • 1960 Studium der Soziologie, Volks- und Betriebswirtschaft an der Hamburger Akademie für Gemeinwirtschaft

Quelle: [4]


Preise/Auszeichnungen

  • 2007 Auszeichung mit der "Hayek-Medaille" der Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft
  • 2006 "Deutscher Mittelstandspreis" des markt-intern-Verlages für sein Eintreten gegen die Zwangsmitgliedschaft mittelständischer Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern
  • 2003 "Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik" des neoliberalen Netzwerks Ludwig-Erhard-Stiftung
  • 2003 Internationaler Buchpreis Corine für das Buch "Die Ethik des Erfolgs"
  • 2001 Cicero-Rednerpreis ("bester Redner der Wirtschaft")
  • 2000 "Commandeur" der französischen Ehrenlegion
  • 1995 "Dinosaurier des Jahres", verliehen vom "NABU" (Naturschutzbund Deutschland) wegen Ablehnung der Ökosteuer
  • 1992 "Ökomanager des Jahres", ausgezeichnet vom "WWF" (Worldwide Fund of Nature) und dem Wirtschaftsmagazin "Capital"
  • 1992 Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft der Zeitschrift "Wirtschaftswoche"
  • 1992 Ehrendoktorwürde der TU Dresden

Verbindung zu wirtschaftsnahen Netzwerken und Unternehmen

  • Netzwerke
  • Nach eigenen Angaben hat Henkel mit seinem Antritt als Parteimitglied der AfD sämtliche Ämter und Aufsichtsratsmandate bei Unternehmen niedergelegt.[5] U. a. war er bei der bei den folgenden Unternehmen als Aufsichtsrat, Verwaltungsrat, Beirat oder Berater aktiv: Allianz, Bayer AG, Daimler Luft- und Raumfahrt Holding AG, Continental AG, Heliad Equity Partners GmbH & Co. KGaA, IKB-Bank, Bank of America/Merrill Lynch, Ringier AG, Deutsche Stiftung Eigentum und SMS. Nach Henkels Erklärung der finanziellen Interessen beim Europäischen Parlament ist er jedoch weiterhin Mitglied des Verwaltungsrats von UsedSoft und Mitglied des Beirats von SMS.[6]

Wirken

Nach seiner jahrzehntelangen Tätigkeit bei IBM, seiner Zeit als Präsident des BDI und danach der Leibniz-Gesellschaft wirkte Henkel als Honorarprofessor an der Universität Mannheim (Vorlesung "Management in einer globalisierten Welt"), Buchautor, Berater der Bank of America, Mitglied von Gremien neoliberaler Netzwerke und Denkfabriken, Mitglied von Aufsichtsräten/Beiräten/Verwaltungsräten, Kolumnist (u. a. "Handelsblatt" und "Welt online") sowie Interviewpartner und Gast in politischen Talkshows. So lange Henkel sich darauf beschränkte, die bis zur Finanzkrise dominierenden wirtschaftsliberalen Thesen von Privatisierung, Deregulierung und der alle Probleme lösenden Kraft der Märkte zu verbreiten, war er bei vielen Medien und Verbänden ein gefragter Kommentator. So war Henkel von 2001 bist 2007 bei "Bild" mit mehr als hundert Kommentaren präsent; seine Bücher wurden gelobt und Auszüge vorab gedruckt.[7] Er wurde von "Bild" als "Wirtschafts-Papst" und "wortgewaltiger Vorkämpfer für die Marktwirtschaft" bezeichnet. Als Henkel jedoch die Euro-Rettungsaktionen immer schriller kritisierte, einen Nord-Euro forderte, die FDP unterwandern wollte, Kanzlerin und CDU massiv angriff und sich als Kopf einer eurokritischen Partei (bevorzugt mit den Lobbyisten Friedrich Merz, Wolfgang Clement und dem Rechtspopulisten Thilo Sarrazin) anbot, wandten sich große Teile des politischen und wirtschaftlichen Establishments von ihm ab. Insbesondere Henkels Forderung, die nördlichen Euro-Länder sollten aus dem Euro-Verbund austreten und eine neue härtere Euro-Währung gründen, wurde von den Wirtschaftsverbänden abgelehnt. Der BDI, der sich als Repräsentant der exportorientierten Industrie stets für den Euro stark gemacht hatte (auch mit Henkel als Präsident), wies auch den Vorschlag Henkels, Griechenland solle die Währungsunion verlassen, zurück. Der BDI-Präsident Hans-Peter Keitel erklärte, die Währungsunion sei auch ein politisches Projekt, deshalb wäre ein Austritt keine Lösung,[8] Die Familienunternehmer - ASU kritisiert zwar scharf die konkreten Euro-Rettungsmaßnahmen, stellt den Euro jedoch - im Gegensatz zu Henkel - nicht grundsätzlich in Frage. Auch die fest in der Wirtschaftslobby verankerten Merz und Clement ließen Henkel abblitzen. Merz schrieb an Henkel: "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meinen Namen im Zusammenhang mit der Neugründung einer Partei möglichst nicht weiter nennen würden".[9] Sarrazin, der Henkels Anti-Euro-Buch "Rettet unser Geld" auf dem Klappentext empfiehlt, engagierte sich ebenfalls nicht für die Gründung einer neuen Partei.[10] Für "Bild" ist "Henkel" neuerdings ein "Trittbrettfahrer" und "Wendehals"[11].

Nach dem fehlgeschlagenen Versuch einer Parteigründung ist Henkel am 19. Dezember 2012 den Freien Wählern beigetreten, die den Euro ebenfalls kritisch sehen. Als Forum zur Verbreitung seiner Thesen nutzt Henkel außerdem verstärkt das marktfundamentalistische und gleichzeitig erzkonservative Netzwerk Zivile Koalition, dessen Vorstand, Beatrix und Sven von Storch, auch Vorstand der Allianz für den Rechtsstaat ist. Diese tritt dafür ein, Ostdeutschlands Großgrundbesitz den Junkern zurückzuübereignen.[12][13] In der Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net (Herausgeber: Sven von Storch) werden im Rahmen der Kampagne gegen die "EU-Schuldenunion" laufend Beiträge von Henkel oder über Henkel veröffentlicht. Die Zivile Koalition organisierte weiterhin am 21. September 2011 eine Veranstaltung im Berliner Hotel Schweizer Hof zum "Euro-Wahn", an der u. a. teilnahmen: Marie-Christine Ostermann (Bundesvorsitzende der "Jungen Unternehmer" der Die Familienunternehmer - ASU), der Euro-Kläger K. A. Schachtschneider (regelmäßiger Kommentator in der nationalkonservativen "Junge Freiheit"), Henkel, Frank Schäffler/FDP (wie Henkel in der Hayek-Gesellschaft engagiert) und Peter Willsch/CDU.[14] In der am 21. März 2012 abgerufenen Internetplattform "FreieWelt.net" ("Im Fokus") zeigen Henkel, Frank Schäffler/FDP und Oliver Marc Hartwich (Hayek-Anhänger und Redakteur der "FreieWelt.net"), "wie der Weg zum Nordeuro geebnet wird". Publizistisch gefördert wird Henkel auch von der nationalkonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit", deren Autor er ist. Mit ihrer Mischung aus extrem liberalen Positionen in Wirtschaftsfragen sowie erzkonservativen Ansichten auf anderen politischen Feldern wird die von Henkel vertretene Strömung auch als deutsche Tea-Party bezeichnet.[15] Henkel wurde danach zunächst Unterstützer, dann Stellvertretender Sprecher und Europaabgeordneter der Alternative für Deutschland (AfD). Im Juli 2015 trat Henkel aus der Afd aus.

Zitate

"Ganz ehrlich. Die Lobbyisten sind nicht die schlimmsten. Die informieren mich wenigstens über wichtige Entwicklungen“, sagt der Politiker. „Es liegt dann an mir, das richtig einzuordnen." Henkel über seine Arbeit im EU-Parlament[16]

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Einzelnachweise

  1. Henkel tritt als AfD-Vize zurück, Politik und Kommunikation, 24. April 2015, zuletzt aufgerufen am 29.4.2015
  2. Reaktion auf Petrys Wahlerfolg: Henkel verlässt die AfD, Der Spiegel, 5. Juli 2015, zuletzt aufgerufen am 6.7.2015
  3. Markus Brauck: Boulevard Wirtschaftspapst? Wendehals, Der Spiegel 51/2011
  4. Köpfe der Wirtschaft Wirtschaftwoche vom 17. März 2012
  5. Martin Greve: Warum Hans-Olaf Henkel der AfD beigetreten ist, Die Welt vom 14. Januar 2014, Webseite Die Welt, abgerufen am 7. 9. 2014
  6. Erklärung der finanziellen Interessen, Profil beim Europäischen Parlament, Webseite abgerufen am 7. 9. 2014
  7. Markus Brauck: Boulevard Wirtschaftspapst? Wendehals, Der Spiegel 51/2011
  8. Griechenland: Uns droht im Juli der Bankrott, Der Tagesspiegel vom 22. Mai 2011
  9. Gerd Langguth: Henkel und die Freien Wähler Operation Stimmenraub, SPIEGELONLINE, 1.1.2012, Website Spiegel, abgerufen am 25. März 2012
  10. Peter Müller: Euro Deutsche Urangst, Der Spiegel 52/2010
  11. Brauck: Boulevard, Der Spiegel 51/2011
  12. Parteien Der Wutbürger, Der Spiegel Nr. 40/1.10.2011
  13. Bürgerkonvent 2.0 - die deutsche Tea-Pary-Bewegung, Nachdenkseiten vom 8. September 2011, abgerufen am 14. Dezember 2011
  14. Jürgen Elsässers Compact-Blog: Henkel. Schachtschneider, von Storch für neue Partei, 22. September 2011
  15. Jens Berger : Von der deutschen Tea-Party zur Henkel-Partei (I) - Rechtspopulist Henkel spielt mit den Ängsten der Bevölkerung, NachDenkSeiten, 7. Oktober 2011, Website nachdenkseiten, abgerufen am 24. 3. 2012
  16. Ein Jahr AfD im EU-Parlament: Der Henkeltrick, Handelsblatt, 30. Juni 2015, zuletzt aufgerufen am 30.6.2015