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Hypo Real Estate

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Hypo Real Estate
Branche Finanzen
Hauptsitz München
Lobbybüro Deutschland
Lobbybüro EU
Webadresse http://www.hyporealestate.com

Die Hypo Real Estate (HRE) stand im Zuge der seit 2007 andauernden Welt-Finanzkrise im Herbst 2008 vor dem Zusammenbruch. Da sie als "systemrelevant" eingestuft wurde, erhielt die HRE staatliche Garantiezusagen in dreistelliger Milliardenhöhe. Die Mittel stammen aus dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). Hauptaktionär war bis zum 07. Mai 2009 das Private-Equity-Unternehmen J.C. Flowers; später wurde der Bund - u.a. durch eine Enteignung von Flowers - mit 47,31% der größte Anteilshaber.
An der Spitze der Hypo Real Estate Group steht die börsennotierte Hypo Real Estate Holding AG mit Sitz in München. Hinzu kommen die Hypo Real Estate Bank AG (Sitz in München, bündelt das gesamte internationale Immobilienfinanzierungsgeschäft) und die Depfa Bank plc, die seit dem 2. Oktober 2007 zur Hypo Real Estate gehört.

Kurzdarstellung und Geschichte

Die HRE wurde 2003 gegründet, als die HypoVereinsbank (HVB) 2003 ihre Immobiliensparte auslagerte.
Die Aktie der Hypo Real Estate Holding AG war seit dem 6. Oktober 2003 börsennotiert und wurde gut zwei Jahre nach ihrer Gründung mit Wirkung zum 19. Dezember 2005 in den DAX 30 Index aufgenommen. Ab dem 22.12.2008 war die Aktie im MDAX gelistet [1]).
Unter Konzernchef Georg Funke wurde das Unternehmen 2004 einem "straffen Sanierungs- und Restrukturierungskurs“ unterzogen, welches zum Aufstieg in der Börse verhalf. Das internationale Finanzierungsgeschäft, das bislang von der Hypo Real Estate Bank International in Dublin gelenkt wurde, ist der Konzerntochter Württemberger Hypo in Stuttgart übertragen worden. Das Deutschland-Geschäft verblieb in München.

Chronologie der Hypo Real Estate Rettung

Eine Aufstellung der dramatischen Rettung der Hypo Real Estate erhalten Sie hier: Chronologie der Hypo Real Estate Rettung.

Der Hypo Real Estate Untersuchungsausschuss

Eine Aufstellung der Aktivitäten des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur Hypo Real Estate Rettung finden Sie hier: Chronologie HRE-Untersuchungsausschuss

Der Krisenstab zur Hypo Real Estate Rettung

Laut einem 2009 durch die Financial Times Deutschland publizierten internen Protokoll (pdf), das u.a. von nachdenkseiten.de weiter verbreitet wurde, nahm Bundesbank-Chef Axel Weber als Leiter eines eines Teams der Deutschen Bundesbank vom 26.-28. September 2008 an den dramatischen Krisengesprächen zur Rettung der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) in Frankfurt a.M. teil. Mit dabei waren auch Teams der Hypo Real Estate unter der Leitung von Georg Funke, der BaFin unter der Leitung von Jochen Sanio und des Prüfungsverbands deutscher Banken (PdB). Die Deutsche Bank hatte laut Protokoll eigene Experten bei der HRE. Geschwärzt im Protokoll war der volle Name der "Kanzlei S.", die offenbar drei Vertreter in den Krisenstab entsandte. WEiterhin wird eine "Kanzlei L." erwähnt.Zugeschaltet bzw. informiert waren zeitweilig (per email, Telefon, Fax) u.a. Josef Ackermann(Deutsche Bank), Jörg Asmussen (BMF), sowie die Herren Klaus-Peter Müller (BdB-Präsident, ehemals Commerzbank-Chef), Andreas Schmitz (HSBC Trinkhaus&Burkhardt), Wolfgang Sprißler (Hypovereinsbank), Martin Blessing (Commerzbank). [2]

Schlüsselrolle der Depfa

"Die Depfa-Bank ist vermutlich der Schlüssel für das größte deutsche Bankendesaster aller Zeiten."[3] Der Verkauf der maroden Bank mit Sitz in Irland an die Hypo Real Estate gilt als ein wesentlicher Auslöser des Zusammenbruchs der HRE. Der Deal war von Goldman Sachs vermittelt worden, wofür das Unternehmen Presseberichten zufolge 15 Mio. Euro an Provision kassiert haben soll.[4]

Der US-Depfa-Ableger First Albany Securities mischte bei öffentlichen Finanzkontrakten von bis zu 400 Milliarden US-Dollar mit und die Depfa-Mutter bei hochkomplexen Derivate-Geschäften wie CLOs (Collateralized Loan Obligations - synthetische forderungsbesicherte Emissionen für Schulen, Hospital, Polizei und Gerichtsgebäude mit Unterstützung der Staatsbank KfW). Das Finanzierungsmodell der Depfa, langfristige Kredite mit kurzfristigen Anleihen zu refinanzieren, musste mit dem Austrocknen der Kreditmärkte ganz zwangsläufig scheitern. Doch das erklärt nicht ein Finanzierungsloch von mehr als 50 Milliarden Euro. Mit diesen riskanten Geschäften riss sie noch die Mutter Hypo Real Estate in den Abgrund. Offenbar war das - aus späterer Sicht wahnwitzig hohe - Risiko der Geschäfte niemandem aufgefallen.
Siehe zu diesem Thema auch das Kapitel "Offene Fragen".

Die HRE als Bad Bank?

Strittig bleibt, ob die HRE von Anfang an als "Schrottbank" bzw. "Bad Bank" der HVB geplant war und nur entstand, um die HVB zu entlasten. Es finden sich verschiedene Auffassungen zu dieser Frage.

  • PRO "Schrottbank-These"
    • Managermagazin: "In seiner Geburtsstunde galt das Unternehmen als Himmelfahrtskommando, als "Schrott-Aktie", als Halde für die Problemfälle der Not leidenden Konzernmutter. Immerhin hatte die HVB ihrer Tochter ein dickes Bündel an Problemkrediten mit auf den Weg gegeben. In dem Spin-off bündelte sie das schleppende Geschäft mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen - einer Branche in schwierigem Fahrwasser. Angesichts gewaltiger Abschreibungen, die die HVB bei ihren Immobilienkrediten in den Jahren zuvor hatte vornehmen müssen, fürchteten viele Börsianer, dass in den Büchern der HRE ähnliche Zeitbomben tickten."[5]
    • Business-On.de: "In Bankenkreisen galt die HRE seit ihrem Börsengang 2003 als Schrottplatz des Finanzmarktes. Hier lagerten deutsche Subprime-Kredite der Münchner HypoVereinsbank. [...] 2003 wurden die Risiken getrennt. Die halbwegs sauberen Geschäfte verblieben bei der Bank, die wenig später von der italienischen UniCredit übernommen wurde; der Schmutz wurde in die HRE gefegt."[6]
    • Wittlicher Stimme: "Im Jahre 2003 spaltete die mittlerweile von der italienischen UniCredit übernommene HypoVereinsbank die HypoRealEstate (HRE) von sich ab - diese galt in Bankerkreisen seit jeher als Schrottplatz des Finanzmarktes, in dem vor allem der Grossteil der desaströs besicherten und zu einem Milliarden-Grab gewachsenen Ost-Immobilien-Darlehen verpackt wurde. Subprime-Giftmüll gab es in Deutschland also schon längst vor den USA - man hatte es nur vergessen bzw. verdrängt! Die Münchner Banker trennten ihre Risiken chirurgisch - die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Die sauberen Kredite verblieben bei der HypoVereinsbank, während der Rest in die Bücher der HRE verbannt wurde."[7]
    • Neues Deutschland: "Zu den Stärken der Bayern hatte die Finanzierung von Häusern, Fabrikgebäuden und anderen Immobilien gehört. Ein solides Geschäft, das aber vergleichsweise wenig Gewinn abwarf. Zu wenig, befanden die Shareholder-Value-Manager. 2003 spalten sie das gewerbliche Immobiliengeschäft in die rechtlich selbstständige »Hypo Real Estate Holding AG« ab und brachten die HRE an die Börse. Die HRE war also von Anfang an eine »Bad Bank«, mit der sich die marode Konzernmutter Hypo-Vereinsbank von schlechten Krediten befreien konnte, um 2005 von der italienischen Unicredit aufgekauft zu werden. Die Altaktionäre um die Münchner Rück kamen so mit einem blauen Auge davon."[8]
  • CONTRA "Schrottbank-These"
    • Immobilien-Zeitung: "Die HypoVereinsbank (HVB) soll die HRE als Müllhalde missbraucht haben. Insider von damals bestreiten das vehement.[...]Befürworter seiner "Mülleimer-These" finden sich unter Banken- und Finanzexperten aber keine. "Das ist Quatsch, die HRE war kein Mülleimer", heißt es aus gut informierten Kreisen. Die HRE habe "mit Sicherheit" kein Sanierungsgeschäft übernommen. Selbst Mitbewerber zweifeln am Mülleimer-Konzept, aus einem einfachen Grund: Ein Jahr nach der Abspaltung hat die HVB fast 2,5 Mrd. Euro auf das verbliebene Kreditportfolio abgeschrieben. Ein deutliches Indiz dafür, dass die Sanierungsfälle auf den HVB-Büchern blieben und nicht in die HRE abgeschoben wurden."[9]
    • Managermagazin: HRE war anfangs eine BadBank, konnte das aber hinter sich lassen: "Mit dem Verkauf eines milliardenschweren Kreditpakets entledigte sich das Unternehmen zudem Ende 2004 seiner Altlasten. Branchenexperten schätzen, dass der Anteil der Problemkredite im HRE-Portfolio nur noch bei rund 3 Prozent lag - eine deutlich geringere Quote als bei zahlreichen Konkurrenten."[10]

Offene Fragen

  • zur Rolle Peer Steinbrücks
    • Am 29. September 2008 gab Steinbrück die erste Bürgschaft für die HRE frei. Ein Tag vorher war die Mithaftungs-Frist verjährt, bis dahin hätte die HypoVereinsbank als frühere Eigentümerin für die HRE-Schulden haften müssen.
      Es stellt sich die Frage, ob die Verstreichung der Frist Schlamperei oder kalkuliert war, um die HVB zu schützen?[11]
    • "Er (Peer Steinbrück) hat anfangs versichert, eine Prüfung der irischen Tochter der HRE, der Depfa, habe es nicht gegeben, ja gar nicht geben können. Das entsprach nicht der Wahrheit - tatsächlich gab es solche Prüfungen. Plötzlich sprach er davon, diese Prüfergebnisse seien ihm nicht mitgeteilt und in seinem Ministerium nur abgeheftet worden."[12]
  • Bilanztricks zwischen den angeschlagenen Banken BayernLB und Hypo Real Estate? Hatte sich die BayernLB als Parkplatz für die verlustträchtigen Risikopapiere der HRE angeboten?[13]
  • Wie ist die Rolle von Unicredit zu bewerten?

Akteure

Vorstand und Aufsichtsrat

Vorstand 2010[14] Vorstand 2009
Manuela Better (Vorsitzende, interim) Manuela Better
Kai Wilhelm Franzmeyer Kai Wilhelm Franzmeyer
Frank Krings Frank Krings
Alexander Freiherr von Uslar-Gleichen Axel Wieandt (Vorsitzender)
Bernhard Scholz


Aufsichtsrat 2010[15] Aufsichtsrat 2009
Bernd Thiemann (Vorsitzender) Michael Endres (Vorsitzender)
Dagmar P. Kollmann (stellv. Vorsitzende) Edgar Meister, Finanzminister Rheinland Pfalz, Senior Advisor General Capital Group
Günther Bräunig Bernhard Walter
Markus Kerber Bernd Knobloch
Alexander Groß Siegmar Mosdorf, Partner CNC Communications & Network Consulting, Botschafter der INSM, ehem. Staatssekretär
Hedda von Wedel Hans Jörg Vetter
Manfred Zaß

Weiterführende Informationen

Die Hypo Real Estate hat sich bisher nicht im freiwilligen Lobbyregister der EU eintragen lassen.[16]

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Historie der HRE auf der eigenen Website, abgerufen am 30. Juni 2010
  2. Zusammenfassung der Gespräche zur Stützung der Hypo Real Estate Gruppe (HRE) vom 26. 09. 2008 - 28.09.2008 im Frankfurter Dienstsitz der BaFin, nachdenkseiten.de vom 9. Juli 2009, abgerufen am 10. Februar 2011
  3. Tagesschau.de (06.Oktober.2008) "Depfa - das schwarze Loch der Hypo Real Estate", abgerufen am 30.Juni 2010
  4. Alexander und Angela Werner Rügemer in junge Welt vom 26. April 2010, abgerufen am 21. Juli 2010
  5. Knappmann, L.(30.12.2005)"Jugendlicher Aufsteiger" Managermagazin. Abgerufen am 30.Juni 2010
  6. Godenrath,B.(2.2.2008) "Deutschland hat doch schon eine 'Bad Bank'". business-on.de. Abgerufen am 30.Juni 2010
  7. Verf. unbek.(6.2.2009) Die Hypo Real Estate ist bereits eine “Bad Bank” Wittlicher Stimme. Abgerufen am 30. Juni 2010
  8. Pfeiffer, H. (24.02.2009) "HRE von Anfang an eine »Bad Bank«". Neues Deutschland Abgerufen am 30.Juni 2010
  9. Verf. Unbek. (07.05.2009) War die HVB Auslöser des HRE-Schlamassels? Abgerufen am 30.6.2010
  10. Knappmann, L.(30.12.2005)"Jugendlicher Aufsteiger" Managermagazin. Abgerufen am 30.Juni 2010
  11. Sievers, M.(07.05.2009) "Hat der Minister geschlampt?" Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 30.Juni 2010
  12. Interview mit Volker Wissing (07.07.2009) "Steinbrück verheimlicht HRE-Risiken" Spiegel Online. Abgerufen am 30.Juni 2010
  13. Verf.unbek. (07.05.2009) "Opposition wirft BayernLB und HRE Bilanztricks vor" finanzen.net. Abgerufen am 30.Juni 2010
  14. Vorstand, Website der Hypo Real Estate, abgerufen am 28.10.2010
  15. Aufsichtsrat und Ausschüsse Website der Hypo Real Estate, abgerufen am 28.10.2010
  16. EU-Lobbyregister, Stand: 24.08.2010