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Hypo Real Estate/Chronologie

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Die Abfolge der Ereignisse rund um den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate - vom (angeblich) bevorstehenden Kollaps des deutschen Bankensystems zur milliardenschweren Rettung mit Steuergeldern (Rettungsschirm).

2007

03. August: Erste Gerüchte um eine Verwicklung der HRE in die US-Subprime-Krise machen an der Börse die Runde. Die Aktien brechen zeitweise um mehr als sieben Prozent ein. Das Institut erklärt, keine negativen Auswirkungen von der Krise an den US-Kreditmärkten zu erwarten. "Selbst wenn es zu einem vollständigen Zusammenbruch des Subprime-Marktes käme, wäre dies im Rahmen unserer kalkulierten Risikovorsorge mehrfach abgedeckt." Die Jahresprognosen für 2007 werden bestätigt.[1]


02. Oktober: Die HRE schließt die gut fünf Milliarden Euro schwere Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa ab, um den es an der Börse ebenfalls Spekulationen um Subprime-Probleme gibt. Bankchef Georg Funke bestätigt die Ziele der HRE für die nächsten fünf Jahre.[2]


07. November: Der damalige Vorstandschef Georg Funke erklärt, sein Haus könne sich der Krise nicht ganz entziehen, werde aber gestärkt daraus hervorgehen. Finanzvorstand Markus Fell sagt, er sehe das Thema "extrem gelassen".[3]

2008

15. Januar: Die HRE muss überraschend 390 Millionen Euro auf ein US-Wertpapierportfolio anschreiben. Die Aktie bricht um 35 Prozent ein. Aktionärsvertreter sprechen von Vertrauensbruch und fordern den Rücktritt Funkes.[4]


27. März: Die Bank rückt von ihren Gewinnzielen ab und legt offen, dass 3,2 Milliarden Euro in hypothekenbesicherten Papieren liegen, bei denen Wertverluste möglich seien.[5]


16. April: Gerücht, dass Investor J.C.Flowers 24,9% übernehmen will. Anstieg der Aktie um mehr als 24% auf 23 Euro. Dax-Anstieg. Bestätigung: Flowers will über seine Private-Equity-Gesellschaft 22,50 Euro in bar je HRE-Aktie bieten. Das macht unterm Strich einen Kaufpreis von 1,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate zahlt Flowers eine Prämie von 25,3 Prozent.[6]


06. Mai: Die HRE gibt bekannt, dass ihr Vorsteuergewinn im ersten Quartal - ohne Sonderfaktoren - fast komplett zusammenschrumpfte. Die Belastungen aus der Finanzkrise beziffert die Bank auf 175 Millionen Euro.[7]


02. Juli: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (eine der Top 3 Rating-Agenturen weltweit) stellt der Bank ein schlechtes Zeugnis aus und senkt sieben Bonitätsnoten. Aber immernoch Gesamturteil A- : Kreditwürdigkeit ist noch gut. S&P hatte bereits Ende April Druck auf die Hypo Real Estate gemacht, sich frisches Kapital zu suchen. Ein solcher Schritt könnte die Kreditwürdigkeit verbessern, hatte S&P-Analyst Stefan Best der Nachrichtenagentur Reuters damals gesagt. Das Management der Hypo Real Estate hatte aber immer wieder betont, es gebe keine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung.[8]


13. August: Die Bank teilt einen Einbruch des Vorsteuergewinns im zweiten Quartal mit. Auf problematische Wertpapiere werden 145 Millionen Euro abgeschrieben, die Neubewertungsrücklage geht um rund 500 Millionen Euro zurück. Finanzchef Fell sagt, im zweiten Halbjahr seien maximal noch 200 Millionen Euro an Abschreibungen nötig.[9]


28./29. August: In der Nacht zum Montag erzielen Bundesregierung und Finanzbranche eine grundsätzliche Einigung zur Rettung der HRE. Es geht um einen kurzfristigen Kredit von 15 Milliarden Euro von den Banken und weiteren 20 Milliarden von der Bundesbank, die bis ins zweite Halbjahr 2009 reichen sollen. Die Kredite sind durch Bürgschaften abgesichert, von denen der Bund mit rund 26,5 Milliarden die Hauptlast trägt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) spricht von einer „geordneten Abwicklung“ der HRE als letztliches Ziel. Die Bank erklärt hingegen, sie sehe ihren Fortbestand mit den Finanzierungszusagen als gesichert an. Die HRE-Aktie bricht um 73,91 Prozent auf 3,52 Euro ein.[10]


04.-06. Oktober: Das Rettungspaket scheitert. Nach zähen Gesprächen einigen sich Bundesregierung und Banken auf ein neues Hilfsprogramm. Die Kreditlinien für die HRE erhöhen sich um 15 Milliarden auf 50 Milliarden Euro.[11]


07. Oktober: Funke tritt als Vorstandschef zurück. Nachfolger wird Axel Wieandt von der Deutschen Bank, die maßgeblich an der HRE-Rettung beteiligt war.[12]


10. Oktober: HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz muss ebenfalls gehen. Sein bisheriger Vize Klaus Pohle übernimmt interimsweise den Posten.[13]


19. Oktober: Von den 50 Milliarden Euro Rettungsgeld für die HRE beteiligt sich die Deutsche Bank mit 12 Mrd. Euro, also mit rund 1/4.[14]


29. Oktober: Die HRE flüchtet sich als erste Privatbank unter den Rettungsschirm des Bundes. Sie beantragte eine Liquiditätsgarantie von 15 Milliarden Euro und erwägt weitere Hilfen, auch Kapitalmaßnahmen sind möglich.[15]


18. Dezember: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ehemaligen und aktiven Vorständen der HRE wird vorgeworfen, die wahre Lage des Unternehmens verschwiegen zu haben.[16]

2009

27. März: Flowers und Richard S. Mully von Grove International Partners LLP ziehen sich aus dem Aufsichtsrat zurück. [17]


09. April: Staatliches Übernahmeangbot von 1,39Euro pro Aktie, Deadline ist 05.05. 00:00 Uhr.[18] [19]


30. April, 04. Mai: Flowers will seine Beteiligung an der Hypo Real Estate auf keinen Fall verkaufen und rechnet sich in einem Rechtsstreit mit der Bundesregierung gute Chancen aus. Möchte gegen eventuelle Enteignung klagen. [20][21]


07. Mai: Bund erhält 47,3%. Enteignung wird nicht stattfinden. Die Europäische Kommission nimmt das staatliche Rettungspaket unter die Lupe. [22]

2010

25. März: Konzernchef Axel Wieandt verlässt überraschend das Institut. Dem Rücktritt des Vorstandschefs seien Streitigkeiten zwischen Wieandt und dem Alleineigentümer Bund vorausgegangen. Dabei sei es sowohl um Abstimmungsprozesse als auch um Boni für HRE-Mitarbeiter gegangen. Wieandt soll sich daran gestört haben, dass Gelder für die HRE nur scheibchenweise vom Bund zur Verfügung gestellt wurden.[23] Bis auf weiteres übernimmt Manuela Better den Posten. Sie ist seit 2003 bei dem Institut und seit 2009 für das Risikomanagement der Bank verantwortlich.[24]


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Einzelnachweise

  1. Managermagazin(15.01.2008) "Chronik der Beschwichtigungen" manager-magazin.de. Abgerufen am 30.Juni 2010
  2. ebd.
  3. Reuters (29.10.2008) "CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise". reuters.com. Abgerufen am 30.Juni 2010
  4. ebd.
  5. ebd.
  6. Jacobs, T. (2008) "Geld, Geld, Geld!" FOCUS Money 18/2008. Abgerufen am 30.Juni 2010
  7. Reuters (29.10.2008) "CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise". reuters.com. Abgerufen am 30.Juni 2010
  8. Handelsblatt (02.07.2008) "Rating-Agentur senkt Noten für Hypo Real Estate" handelsblatt.com. Abgerufen am 30.Juni 2010
  9. Reuters (29.10.2008) "CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise". reuters.com. Abgerufen am 30.Juni 2010
  10. Tagesspiegel(06.10.2008)"Chronik der Krise". tagesspiegel.de. Abgerufen am 30-Juni 2010
  11. Reuters (29.10.2008) "CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise". reuters.com. Abgerufen am 30.Juni 2010
  12. ebd.
  13. ebd.
  14. Focus (19.10.2008)"Zwölf Milliarden Euro für HRE". focus.de. Abgerufen am 06.Juli 2010
  15. Reuters (29.10.2008) "CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise". reuters.com. Abgerufen am 6.Juli 2010
  16. Fromm, K., Ott, T.(18.Dezember 2008) "HRE-Spitze soll Aktionäre getäuscht haben". sueddeutsche.de. Abgerufen am 6.Juli 2010
  17. Focus (27. März 2009) "Flowers zieht sich aus HRE-Aufsichtsrat zurück" focus.de. Abgerufen am 6.Juli 2010
  18. Deutschlandradio (9. April 2009)"Bund legt Übernahmeangebot für Hypo Real Estate vor" dradio.de. Abgerufen am 6.Juli 2010
  19. Deutsche Welle (4.Mai 2010) "Übernahmeangebot für Hypo Real Estate endet" dw-world.de. Abgerufen am 6. Juli 2010
  20. Spiegel Online (30.April 2009) "HRE-Großaktionär lässt Bundesregierung abblitzen". Abgerufen am 6.Juli 2010
  21. FAZ (4.Mai 2009) "Bund hält mehr als 22 Prozent an der HRE" faz.net. Abgerufen am 6.Juli 2010
  22. Spiegel Online(7.Mai 2009) "Bund verfehlt Mehrheit an Hypo Real Estate" Abgerufen am 6.Juli 2010
  23. "Wieandt soll vor Haftungsklausel geflohen sein", erschienen am 27.03.2010 auf handelsblatt.com, abgerufen am 18.10.2010]
  24. "Rücktritt von HRE-Chef Wieandt", erschienen am 25.03.2010 auf spiegel.de, abgerufen am 18.10.2010]