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IKB Deutsche Industriebank

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IKB Deutsche Industriebank AG
Branche Kreditvergabe
Hauptsitz Düsseldorf
Lobbybüro Deutschland
Lobbybüro EU
Webadresse www.ikb.de

Die IKB Deutsche Industriebank AG war im Sommer 2007 nach massiven Fehlspekulationen als erste deutsche Bank in den Sog der US-Immobilienkrise geraten und hing seitdem am Staatstropf. Sie konnte nur durch ein 10 Milliarden Euro schweres Rettungspaket ihrer damaligen Hauptaktionärin, der Staatsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), des Bundes und privater Banken, vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte die IKB für das Jahr 2008 auf Rang Nr. 3 der größten Kapitalvernichter in Deutschland, da sie in einem Jahr 83 Prozent ihres Werts einbüßte und ihr eigenes Image "wie kaum ein anderes Unternehmen" ruiniert habe. [1].


Kurzdarstellung und Geschichte

Die Wurzeln der IKB liegen in der 1924 gegründeten "Bank für deutsche Industrieobligationen" (Bafio), welche die im "Dawes-Plan" festgelegten Reparationszahlungen Deutschlands, die sich aus der Niederlage im 1. Weltkrieg ergaben, abwickeln sollte. Sie ist von daher verwandt mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgreich in Basel, welche für die Reparationszahlung nach dem "Young-Plan" zuständig war, der ab Juni 1929 den Dawes-Plan ablöste. Eine weitere Wesensverwandtschaft lässt sich zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) feststellen, welche für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde. Alle drei Institute wandten sich, nachdem der Zweck ihrer Gründung erfüllt oder obsolet geworden war, anderen Geschäftsfeldern zu.
Die Bafio sollte zunächst liquidiert werden, da der "Young-Plan" die Reparationsverpflichtungen Deutschlands neu geregelt hatte. Industrielle wie Paul Silverberg plädierten aber nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 dafür das angesammelte Kapital zur Stützung der ostelbischen Landwirtschaft sowie kleiner und mittelständischer Betriebe einzusetzen.
Die Nazis benannten die Bank in Deutsche Industriebank um.

Struktur, Geschäftsfelder und Finanzen

Vorstand

  • Hans Jörg Schüttler (Vorsitzender)
  • Dieter Glüder
  • Claus Momburg
  • Michael Wiedmann

(Stand: Juni 2012), Quelle:[2]

Aufsichtsrat

  • Bruno Scherrer (Vorsitzender), Senior Managing Director, Head of European Investments der Lone Star Management Europe Ltd.
  • Karsten von Köller (stellv. Vorsitzender), Chairman der Lone Star Germany GmbH
  • und 11 weitere Personen

(Stand: Juni 2012), Quelle:[3]


IKB-Vorstand 2007

Im Jahr des Zusammenbruchs der IKB saßen im Vorstand u.a:

Quelle:[4]

Fallbeispiele und Kritik

Billig eingekauft und Milliarden vom Staat kassiert

Im August 2008 übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die IKB für gut 100 Millionen Euro - einen Betrag, den zahlreiche Kritiker als äußerst gering einschätzten. Vier Monate später griff der Bankenrettungsfonds Soffin dem Institut dann mit Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro unter die Arme. Interessanterweise saß im Leitungsgremium des Soffin eine Person, die vor dem Kollaps der IKB deren Aufsichtsrat war: der jetzige Direktor der EZB Jörg Asmussen. Im Juli 2009 wurde der Garantierahmen um weitere sieben Milliarden auf insgesamt zwölf Milliarden Euro angehoben.[5]

Sonderprüfer ermittelt gegen Widerstand von Lone Star

Wie das Handelsblatt berichtete, scheiterte die IKB im März 2010 damit, die Arbeit des Sonderprüfers Harald Ring zu unterbinden. Die Bank war auf Betreiben ihres Groß-Aktionärs Lone Star vor den Bundesgerichtshof gezogen. Wie das Handelsblatt schreibt, war Ring bereits 2009 abgesetzt worden; Landgericht und Oberlandesgericht Düsseldorf hatten seine Bestellung aber bestätigt.[6]

Die IKB argumentierte laut Handelsblatt nach einer erstaunlichen Logik: Erkenntnisse des Prüfers könnten nachteilig für die Bank sein, weil auf der Basis seines Berichts Klagen gegen die IKB zu befürchten seien. Ring prüft, ob Vorstand und Aufsichtsrat ihre Pflichten verletzt haben, als die IKB 2007 durch Spekulationen mit US-Ramschhypotheken in eine existenzbedrohende Krise geriet.


IKB-Chef Ortseifen vor Gericht

Der ehemalige IKB-Vorstandschef Stefan Ortseifen musste sich 2010 wegen des Vorwurfs der Börsenmanipulation und Untreue vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Das Gericht hatte die Anklage nach monatelanger Prüfung im Januar 2010 zugelassen.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schreibt über die Vorwürfe gegen Ortseifen: "Nur eine Woche nach der Herausgabe der laut Anklage beschönigenden Pressemitteilung des Vorstandes stand die einst solide Mittelstandsbank vor dem Aus. Am 30. Juli 2007 sei es wegen ihrer Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt zu erdrutschartigen Kursverlusten gekommen, heißt es in der Anklageschrift. Für zahlreiche Anleger und Investoren entpuppte sich der Kauf der IKB-Aktien als großes Verlustgeschäft. Ortseifen nahm Ende Juli 2007 seinen Hut."[5]

Am 21. April 2010 berichtete Welt-online, dass Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und KfW-Vorstand Detlef Leinberger als Zeugen geladen werden sollten. Beide hatten kurz vor dem Zusammenbruch der IKB im Aufsichtsrat der Bank gesessen.[4]


Anteile der Allianz

Die Allianz AG hat rechtzeitig und bevor die Krise der Industriekreditbank (IKB) sichtbar wurde, ihren fast 34-prozentigen Anteil an die dem Bund gehörende Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verkauft. Gezahlt hat mittelbar der Steuerzahler.[7]


Lobbyisten in Ministerien

Die IKB hatte in einem nicht näher bestimmten Zeitraum zwischen 2003 und 2007 einen "externen Mitarbeiter" im Wirtschaftsministerium.

Lobbyisten im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Zeitraum 01.07.2005 - 31.12.2005[8]
Mitarbeiter Ein/e MitarbeiterIn
Bearbeitete Themen Einsatz im Referat V C 2 (Exportfinanzierung, Exportkreditversicherung)


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Einzelnachweise

  1. Aktionärschützer benennen Deutschlands größte Kapitalvernichter, spiegel.de vom 18. Februar 2009, abgerufen am 15. September 2010
  2. Webseite IKB - Vorstand abgerufen am 12.06.2012
  3. Webseite IKB - Aufsichtsrat abgerufen am 12.06.2012
  4. 4,0 4,1 Finanzstaatssekretär soll im IKB-Prozess aussagen, welt-online vom 21. April 2010, abgerufen am 21. April 2010
  5. 5,0 5,1 Ex-IKB-Chef muss vor Gericht Spiegel-Online vom 01.02.2010, abgerufen am 12.06.2012
  6. "IKB scheitert mit Eilantrag gegen Sonderprüfer", Handelsblatt, 1. März 2010
  7. Die wichtigste Fertigkeit des modernen Topmanagers: die Steuerzahler ausnehmen nachdenkseiten.de vom 16.11.2011, abgerufen am 12.06.2012
  8. Antwort der Bundesregierung (pdf) auf eine schriftliche Frage des FDP-Abgeordneten Brüderle zum Einsatz von Beschäftigten aus der Kreditwirtschaft in Bundesbehörden aus der Woche vom 04.05.2009, S. 19ff., Zugriff 19.09.2011