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International Swaps and Derivatives Association

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International Swaps and Derivatives Association (ISDA)
Rechtsform Inc.
Tätigkeitsbereich Wirtschaftsorganisation und Lobbyunternehmen
Gründungsdatum 1985
Hauptsitz 360 Madison Avenue, 10017 New York(212) 901-6000
Lobbybüro
Lobbybüro EU rue de Meeûs 38-40, Brussels 1000 32(0)2 401 8760
Webadresse http://www.isda.org

Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) wurde gegründet, um eine Infrastruktur für sogenannte OTC-Derivate (OTC = Over the Counter - direkter Handel ohne eine externe Aufsicht) zu schaffen. Sie umfasst mehr als 825 Unternehmen weltweit. Zusammen mit ihrem Mitglied Goldman Sachs gewann sie die Worst EU Lobbying Awards 2010 in der Finanzkategorie für ihre aggressive Lobbyarbeit gegen die Regulierung des Derivatemarktes. [1]

Kurzdarstellung und Geschichte

Zu Beginn war es der ISDA in erster Linie daran gelegen, den Markt von Derivaten möglichst frei von staatlichen Regulierungen zu halten. Vor allem das sogenannte ISDA Master Agreement, welches die Transaktionen zwischen den Finanzmarktteilnehmern regelt, galt als wichtiger Eckpfeiler der Organisation. Allerdings wird heute der intransparente Handel mit OTC-Derivaten als Mitverursachen der Weltfinanzkrise gesehen. Die ISDA behauptet inzwischen, auch für mehr Regulierung zu stehen.[2]

Organisationsstruktur und Personal

Quelle:[3]

Die Mitglieder teilen sich in mehrere Kategorien:

  1. Primary Membership: z.B Deutsche Bank, Commerzbank, Goldman Sachs
  2. Associate Membership: z.B London Stock Exchange , Reuters, Pricewaterhousecoopers
  3. Subscriber Membership: z.B KfW, Postbank, Mitsubishi

Eine ausführliche Mitgliederliste findet sich auf der ISDA-Website[4]

Finanzen

ISDA hat nach Angabe im freiwilligem Lobbyregister der EU 2012 zwischen 1.250.000 - 1.500.000 Euro für direkte Lobbyarbeit in Brüssel ausgegeben.[5]

Lobbystrategien und Einfluss

Der Einfluss auf die EU-Politik ist kaum zu unterschätzen. Bei der Gesetzgebung zur Regulierung des Derivatehandels etwa beriet die ISDA intensiv die EU-Kommission. [6] Sie setzte sich hierbei mit Erfolg gegen geplante Regulierungen des risikoreichen Derivatemarktes ein, obwohl es eigentlich eine breite Einigkeit darüber gab, dass Regulierungen nötig waren. Derivate hatten nicht nur in der Finanzkrise 2008 weltweite wirtschaftliche Instabilität und Arbeitsplatzverluste verursacht, sie spielten auch eine Schlüsselrolle in der Lebensmittelkrise 2008 und in der Eurokrise 2010. Die ISDA übernahm in der "Working Party on Derivatives", einer Expertengruppe der Europäischen Kommission, in der sie Mitglied ist, geschickt die Führung und unterstützte Vorschläge, die den alltäglichen Derivatehandel weitestgehend unberührt ließen.

Weiterhin bearbeitete die ISDA die EU-Kommission so lange, bis diese in die Bildung einer Expertengruppe für Derivate einwilligte. Diese bestand dann fast ausschließlich aus Mitgliedern der ISDA.Von 34 Repräsentanten von Finanzunternehmen stehen 25 mit der ISDA in Verbindung. [7].

Indem sie faktisch die Beratung der Kommission kontrollierten, gelang es Goldman Sachs und der ISDA, die Arbeit auf eher moderate Formen der Regulierung zu konzentrieren. Die ISDA startete auch eine Propagandaoffensive, um die europäischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier von Überlegungen für eine effektivere Regulierung abzubringen, unter anderem durch die Organisation von Workshops im europäischen Parlament zur Schulung der Assistentinnen und Assistenten der Abgeordneten. Auch hat die ISDA sich gegen Restriktionen von Lebensmittelspekulationen eingesetzt, mit der Begründung, dass Spekulationen keine systemischen finanziellen Risiken verursachten. Die Vorschläge bezüglich Lebensmittelspekulationen sind infolgedessen sogar schwächer als die Reformen, die in den USA eingeführt wurden, und ein Verbot für spekulative Instrumente kann nur unter bestimmten Bedingungen und Umständen erfolgen.

Als erfolgreichste Investmentbank im ISDA warnte Goldman Sachs zugleich davor, dass striktere Regulierungen die Bank dazu bringen würden, sich aus Europa zurückzuziehen.[8]


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Homepage der Worst EU Lobbying Awards 2010 abgerufen am 26. Oktober 2010
  2. Calls for radical rethink of derivatives body, Financial Times, 26. August 2010
  3. ISDA Board of Directors, ISDA-Webseite, abgerufen am 30.04.2014
  4. Member List, ISDA.org, abgerufen am 30.04.2014
  5. EU-Lobbyregister,offizielle Website EU-Lobbyregister, aufgerufen am 30.04.2014
  6. Power of EU Financial Lobby Must Be Curtailed Following Greek Debacle Corporate Europe Observatory am 14. April 2010, abgerufen am 20. Oktober 2010.
  7. EU Commission held captive by big finance Corporate Europe Observatory am 16. September 2010, abgerufen am 20. Oktober 2010
  8. Goldman warns Europe on regulation, Financial Times.com vom 29. September 2010, abgerufen am 26.Oktober 2010