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Allgemeines
Finanzkrise als Staatsversagen
„Und er erinnert daran, dass es solche nach politischem Willen vergebene Kredite waren, die einen Ausgangspunkt der Finanzkrise darstellten. Der amerikanische Kongress wollte, dass auch vermögenslose Schuldner Zugang zu Hauskrediten bekommen, deshalb wurden Fannie Mae und Freddie Mac entsprechend unter Druck gesetzt. Diese Kredite haben die Krise mit ausgelöst.“
Krahnen in der FAZ, 08.02.09: Sind private Banken noch zeitgemäß?
Häufige Referenzen auf Versagen der Landesbanken und IKB
Externer Schock aus den USA
Finanzkrise als amerikanisches Problem – hier: „soziale Marktwirtschaft“
mehr oder weniger offizielle Interpretation (Merkel, Breg)
Monetaristische Argumente
Expansive Zinspolitik der Federal Reserve als Ursache für Blasen
lange zu niedrige Leitzinsen – Housing Bubble
notwendig, aber nicht hinreichende Erklärung
Greenspans Confession
Neoklassische, rationalistische Axiome falsch: "I made a mistake in presuming that the self interest of organizations, specifically banks and others, was such that they were best capable of protecting their own shareholders and the equity in the firms," (Greenspan vor Kongressausschuss)
Wird oft verkürzt auf das monetaristische Argument (zu lange easy money), eigentlich: Neoliberale Bankrotterklärung, da keine Selbststeuerung der Märkte, Regulierung nötig
Organisationstheoretische Argumente
Interessen der Organisation vs. Interessen der Shareholder, Organisationsleitung
langfristige Orientierung – kurzfristige Gewinne
Wird of in Verbindung mit Bonuszahlungen und deren Berechnung angeführt
Versagen der Wirtschaftswissenschaften
siehe: Colander et al. The Financial Crisis and the Systemic Failure of Academic Economics.
Stiftung Marktwirtschaft zur Finanzkrise
http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/
Interessen der Stiftung
Die Stiftung Marktwirtschaft will Lösungswege aufzeigen. Wir entwickeln konkrete marktwirtschaftliche Konzepte, machen diese bekannt und wollen Politik und Öffentlichkeit für mehr Wettbewerb und Transparenz, für mehr Bereitschaft zur Eigenverantwortung und Mut zur Freiheit gewinnen: mit wissenschaftlich fundierten Veröffentlichungen, auf themenbezogenen Veranstaltungen, durch Gespräche mit Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft
Stellungnahmen
Positionspapier: Argumente zu Marktwirtschaft und Politik, Nr. 106, Januar 2009
Lehren der Finanzmarktkrise (vorgelegt vom Kronberger Kreis)
Ursachen der Krise
- derzeitige Finanzmarktkrise ist die Folge von leichtsinnigem Verhalten von Bankleitungen einerseits,
- und staatlichen Versagen (Bankaufsicht und Geldpolitik) andererseits;
der Staat müsse feste Rahmenbedingungen und klare Regeln vorgeben und mit strenger Aufsicht für die Durchsetzung der Ordnung sorgen; darin habe er versagt
Was soll getan werden?
- keine dauerhaften staatlichen Interventionsmaßnahmen oder Beteiligung am Bankgeschäft, nur Hilfestellung in der Not (wie z.B. SoFFin)
- Vertrauen der Banken untereinander stärken, Interbankengeschäft wiederbeleben
- Einrichtung eines Versicherungsvereins der Banken, um Kreditausfälle aufzufangen
Empfehlungen zu Veränderungen
- der bestehenden Bankenregulierung:
- klare Anreize zum Konsolidieren geben (z.B. dadurch, dass Kreditzusagen an nicht konsolidierte Zweckgesellschaften mit Eigenkapital zu unterlegen sind)
- gesonderte statistische Berichterstattung über Geschäfte sämtlicher Zweckgesellschaften
- Schaffung eines europäischen Kreditregister
- der nationalen Aufsichtsbehörden:
- Segmentierung der Bankenaufsicht beseitigen
- enge europäische Kooperation bei Regulierung und Bankenaufsicht
- Vereinheitlichung der deutschen Bankenaufsicht (entweder unter dem Dach der Bundesbank oder der BaFin)
analog dazu: Stellungnahme zur Finanzkrise von Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Franz, Mitglied des Kronberger Kreises
[2]
Devise des Kronberger Kreises: Mehr Mut zum Markt
Das Ausufern staatlicher Bevormundung zu verhindern und mit stimmigen ordnungspolitischen Reformkonzepten einen Beitrag zur Weiterentwicklung der freiheitlichen Ordnung in Deutschland und Europa zu leisten – das ist das Ziel des Kronberger Kreises.
Mitglieder des Kronberger Kreises sind:
- Prof. Dr. Juergen B. Donges
- Prof. Dr. Johann Eekhoff (Sprecher)
- Prof. Dr. Lars P. Feld
- Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Franz
- Prof. Dr. Wernhard Möschel
- Prof. Dr. Manfred J. M. Neumann
Prof. Dr. Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, am 24.09.2010 auf der Tagung „Globaler Finanzmarkt – globale Verantwortung?“:
Die Antwort auf die tiefgreifende Finanzmarktkrise dürfe nicht im scheinbaren Allheilmittel „mehr Staat“ gesucht werden. Sicher bedürfe es zukünftig einer effizienteren wie internationaler aufgestellten Regulierung und möglicherweise auch einem Mehr an staatlicher Aufsicht. Doch könne der Staat nicht gleichzeitig Regulierer, Aufseher und Spieler sein. Wurde der Staat in Gestalt mancher Landesbank nicht selbst „als Akteur und Beteiligter von der Gier getrieben?“, gab Eilfort zu bedenken. Bei der Suche nach Lehren aus der Finanzmarktkrise sei eine vorschnelle Schuldzuweisung an „die“ Marktwirtschaft zurückzuweisen. Worauf es nun ankommen werde, seien Transparenz und Maß auf allen Seiten – auch bei den Renditeerwartungen. Globale Verantwortung bedeute, die Marktwirtschaft im Sinne Wilhelm Röpkes „wieder als sittliches Konzept zu verstehen, in dessen Rahmen Schwache geschützt, Zügellose im Zaum gehalten und die Spielregeln überwacht werden“. Globale Finanzmärkte sollten daher zuvorderst durchschaubare Märkte mit klaren Rahmenbedingungen sein, „mit allen Risiken und damit Sanktionsmöglichkeiten“.
Weiterführende Links
Ordnungspolitik als Weg aus der Krise, Roundtable der INSM, Video, 16.12.08
Origins of the Financial Mess - Princeton Center for Economic Policy Studies
Einzelnachweise
- ↑ http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/ecms/download.html/L21vZHVsZS9Bcmd1bWVudF8xMDZfRmluYW56bWFya3RrcmlzZV8yMDA5XzAxLnBkZnwyMzUw
- ↑ http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/main.html/JTI2bmF2aWQlM0QyMzY3JTI2c2lkJTNEbjQ5YjdiODMxYmIzYjElMjZiJTNE.html?detail=166709
- ↑ http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Tagungsbericht_Finanzpolitik_24_09_2008_final.pdf