| Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) | |
|---|---|
| Rechtsform | loser Zusammenschluss |
| Tätigkeitsbereich | Finanzlobby |
| Gründungsdatum | 2003 |
| Hauptsitz | wandert |
| Lobbybüro | |
| Lobbybüro EU | |
| Webadresse | http://www.finanzstandort.de/ |
Die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) ist ein Zusammenschluss verschiedener Akteure der Finanzbranche in Deutschland. Sie betreibt Lobbyarbeit und Marketing für die deutsche Finanzwirtschaft auf nationaler und europäischer Ebene. Das Besondere an dieser strategischen Allianz ist enge ihre Verbundenheit mit der Politik. Denn politische Institutionen wie das Bundesfinanzministerium und die Bundesbank sind Mitglieder der IFD. Die Adressaten der Lobbyarbeit sind also Teil der Initiative.
Gründung und Arbeitsweise
Die Organisation wurde im Mai 2003 durch den Anstoß von Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, gegründet. Ihr Ziel ist es, "Defizite im deutschen Finanzmarkt durch innovative Konzepte und Produkte zu beheben und dadurch das Wachstum zu stimulieren," sprich sie versucht regulatorische Rahmenbedingungen und Finanzinstrumente zu ihren Gunsten zu entwickeln und durchzusetzen. Die IFD hat keine institutionelle oder rechtliche Form, keine Satzung, Geschäftsführung oder ähnliches. Sie besteht aus mehreren Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen. Jede Arbeitsgruppe wird von ein oder zwei sogenannten Sherpas geleitet. Sherpas sind Vorstandsmitglieder der Mitgliedsorganisationen der IFD. "In den derzeit 12 Arbeitsgruppen arbeiten insgesamt über 150 Experten aus Kreditinstituten, Börse, Bundesbank, Bundesfinanzministerium und den Verbänden." [1] Einmal jährlich stellen sie ihre Arbeit dem Initiatorenkreis der IFD vor.
Mitglieder
- Allianz Group
- Bayern LB
- Bundesministerium der Finanzen
- Commerzbank
- DekaBank
- Deutsche Bank
- Deutsche Bundesbank
- DZ-Bank
- Deutsche Börse Group
- HypoVereinsbank
- KfW
- Morgan Stanley
- Munich Re
- Postbank
- Bundesverband deutscher Banken
- Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
- Deutscher Sparkassen- und Giroverband
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Assoziierte Mitglieder
- Citigroup
- Goldman Sachs
- JP Morgan [2]
Lobbystrategien
Die Lobbyarbeit der IFD umfasst eine große Spannweite an Strategien. Sie stellt auf ihrer Webseite zahlreiche Informationen in Form von Broschüren, Zeitungsartikeln oder Vortragsdokumentationen bereit. Des weiteren unterhält die Initiative eine Homepage auf der Unterrichtsmaterial für Schulen zum Thema Finanzbranche angeboten wird.[3] Hier finden sich auch Seminare für Lehrer, Berufswahlbroschüren für Schüler und die Möglichkeit Referenten zu buchen. Die IFD organisiert außerdem Informationsveranstaltungen und schafft es außerdem immer wieder Vertreter ihrer Mitgliedsorganisationen in (Fach-)Zeitschriften zu Wort kommen zu lassen und so erheblichen Einfluss auf Diskurse der Finanzbranche zu nehmen.[4] Seit 2006 verleiht die IFD zudem einen jährlichen Medienpreis.[5]
Am allerwichtigsten dürfte aber der enge Kontakt in die Politik sein und die Erarbeitung gemeinsamer Positionen in den Arbeitsgruppen, die dann an die Politik eingebracht werden. Dabei kommt der IFD zugute, dass die Politik ja selbst mit in den Arbeitsgruppen setzt. Die engen Verbindungen von Staat und Finanzlobby werden auch durch gemeinsame Überzeugungen gefördert bzw. schlagen sich in diesen nieder. Ein problematische Beispiel für diese Verflechtung ist ein Text, den der Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen 2005 mit Stefan Mai und Axel Nawrath, damals beide für die Deutsche Börse tätig, veröffentlichte. Es handelt sich dabei im Kern um eine Zusammenfassung der Ergebnisse der EU-Arbeitsgruppe der IFD.[6] Darin wird ein Leitbild vorgeschlagen, dass u.a. auf folgende Prinzipien setzt: "Staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen sollten sich auf ein Minimum beschränken." Der Selbstregulierung solle der Vorzug gegeben werden. "Regulierung sollte Innovation nicht bremsen, sondern fördern." Gerade die von der IFD angepriesenen neuen „innovativen“ Finanzinstrumente wurden zu einem zentralen Faktor der Weltfinanzkrise.
Das Beispiel REITs: Diese engen Kontakte zu Medien und Politik sind sicherlich ein Grund für das äußerst erfolgreiche Lobbying der IFD. Als Beispiel hierfür können die Aktivitäten der Initiative zu sogenannten REITs dienen. REITs (Real Estate Investment Trust) sind Immobiliengesellschaften, die Kapital in Gebäude und Grundstücke anlegen, diese bewirtschaften und über Mieteinnahmen und Wertsteigerungen eine Rendite zu erzielen suchen. Diese Unternehmens- und Anlageform war in Deutschland selbst in der Finanzbranche kaum bekannt und hatte keine rechtliche Grundlage bis die IFD das Thema für sich entdeckte und es in den Diskurs der Finanzbranche einbrachte. Sie machte die Geschäftsidee der REITs durch die Positionierung des Themas in den relevanten Medien populär und schaffte so auch die Notwendigkeit zur Erarbeitung einer rechtlichen Grundlage, um REITS in Deutschland möglich zu machen.[7] 2007 wurde ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das die IFD maßgeblich mitgestaltet hat, wie sie auf ihrer Homepage stolz verkündet: "Der von der IFD entwickelte Vorschlag zur Ausgestaltung von REITs diente als Grundlage für das heutige Gesetz. Die Experten der IFD haben den Gesetzgebungsprozess intensiv begleitet."[8]
Mitarbeit in den Ministerien: Vom 1.6.2007 bis zum 31.5.2009 arbeitete eine Mitarbeiterin der DZ-Bank (IFD-Mitglied) als Leihbeamtin im Finanzministerium. Laut Ministerium war sie in folgenden Bereichen tätig: Grundsatzfragen des Finanzplatzes Deutschland und der europäischen Finanzmarktintegration; Verbraucherschutzfragen; Rechnungslegung; Einlagensicherung; Sitzungsvorbereitung für die Initiative Finanzstandort Deutschland.[9]
Kontaktdaten
IFD Projektbüro
NewMark Finanzkommunikation GmbH
Zum Laurenburger Hof 76
60594 Frankfurt
Deutschland
Telefon: +49 69 13 88 69 73
Telefax: +49 69 13 88 69 74
Weiterführende Informationen
Die Initiative Finanzstandort Deutschland hat sich bisher nicht im freiwilligen Lobbyregister der EU eintragen lassen.[10]
Fußnoten
- ↑ IFD-Webseite
- ↑ Die Mitglieder der IFD, IFD-Homepage, abgerufen am 27. Oktober 2010
- ↑ Webseite Kursraumgeld
- ↑ siehe etwa http://www.finanzstandort.de/BaseCMP/documents/5000/ArtikelMezzanineFinnazierung.pdf
- ↑ siehe IFD-Medienpreis 2010, IFD-Webseite, abgerufen am 26.10.2010
- ↑ Zur Weiterentwicklung der EU-Finanzmarktintegration, Jörg Asmussen / Stefan Mai / Axel Nawrath, In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 4/2008, S. 28-34.
- ↑ Der Bund mit den Banken. In: Die Zeit 10/ 2005, letzter Zugriff: 10. März 2010
- ↑ http://www.finanzstandort.de/BaseCMP/pages/contentdelivery?JOB_NAME=REDIRECT_SLASHURL&SlashUrl=%2Fhomepage
- ↑ Unterlagen der Bundesregierung laut der LobbyControl-Datenbank Keine Lobbyisten in Ministerien
- ↑ EU-Lobbyregister, Stand: 24.08.2010