Stefan Mappus (*4. April 1966 in Pforzheim) ist ehemaliger Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und ehemaliger Landesvorsitzender der CDU-Baden-Württemberg.
Anfang August 2011 wurde bekannt, dass Mappus zum Pharmakonzern Merck wechseln werde. Dort arbeitete er ab Anfang September und sollte von März 2012 an das Management des Brasilien-Geschäfts übernehmen.[1] Allerdings endete diese Zusammenarbeit bereits im Dezember 2011, nachdem die ersten Vorwürfe laut wurden, wonach es Unregelmäßigkeiten beim Kauf eines EnBW-Aktienpaketes im Wert von € 5,9 Milliarden durch das Land Baden-Württemberg gab (siehe unten).[2]
Mappus ist durch seine vehemente Befürwortung des Bauprojekts Stuttgart 21 zeitweilig zu einem der unbeliebtesten Landesväter Deutschlands geworden.[3].
Mappus wurde seit Anfang September 2010 vom Spin-Doktor Dirk Metz beraten, der lange Jahre recht erfolgreich darin war den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch als Law-and-Order-Mann der CDU zu profilieren.[4][5][6]
Karriere
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staatliche Mandate und Ämter |
(Neben-)Beruflich (siehe auch "Weitere Funktionen") |
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Quelle: [7]
Verbindungen / Netzwerke
- Stefan Mappus gilt als enger Freund des Deutschland-Chefs der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis (CDU).
- Mappus steht uneingeschränkt hinter Stuttgart 21, erster Vorsitzender der Trägerversammlung der Landesbank Baden-Württemberg, seit 1995 Vertriebstätigkeit bei Siemens in Stuttgart (Das Arbeitsverhältnis ruht seit 1997 ohne Bezüge). [7], [8]
Wirken
EnBW-Anteile - Rückkauf im Alleingang
Im Dezember 2010 geriet Mappus unter Beschuss, weil er als Ministerpräsident im Handstreich einen Rückkauf von 45% Aktienanteilen am baden-württembergischen Energieriesen EnBW über die Bühne brachte. Weder das baden-württembergische Parlament noch das Kabinett der Landesregierung waren eingeweiht oder befragt worden. Der Auftrag zur Vermittlung des Rückkaufs durch Morgan Stanley erfolgte offenbar ohne Ausschreibung. Der Deal kostete nach ersten offiziellen Angaben € 4,67 Milliarden; dieser Betrag wurde später auf € 5,9 Milliarden korrigiert. [9] Die Aktien wurden vom französischen Konzern EdF gehalten.[10] Im Januar 2011 wurde bekannt, dass Mappus das Parlament in dieser Affäre möglicherweise angelogen haben könnte. Ein juristisches Gutachten durch eine Anwaltskanzlei zur Rechtmäßigkeit des Deals ist offenbar erst nach dem Abschluss der Verträge erstellt worden.[11]
Mappus wird Machtmissbrauch und mangelnde Transparenz bei der Abwicklung des Geschäfts vorgeworfen.
Seit Juli 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue gegen Mappus und führte u.a. eine Hausdurchsuchung durch.[12] Es wurde im Zuge der Ermittlungen aufgedeckt, dass Mappus unter Anleitung seines Jungendfreundes und Deutschlandchefs der Bank Morgan Stanley, Dirk Notheis, das Übernahmegeschäft einfädelte und sodann verfassungswidrig ohne Einbindung des Landesparlaments abwickelte.[13] Einen exakten organisatorischen Ablaufplan des Deals, sowie argumentative Hilfestellungen zur Rechtfertigung der Notwendigkeit des Einstiegs des Landes Baden-Württemberg bei EnBW vor den Medien, erhielt Mappus durch Notheis per E-Mail.[14]
Der Polizei-Einsatz vom 30. September 2010
Vermutungen, nach denen die gewaltsame, teils brutale Räumung des Stuttgarter Schlossparks in der Nacht zum 1. Oktober 2010 von den Einsatzkräften durch Stefan Mappus (möglicher Weise auf Anraten von Dirk Metz) nahegelegt worden seien, ließen sich auch durch einschlägige Untersuchungen und Zeugenbefragungen durch einen Untersuchungsausschuss nicht zweifelsfrei belegen.
Wechsel zum Pharmakonzern Merck
Im September 2011 wurde bekannt, dass Mappus zum Pharmakonzern Merck wechseln wird. In Brasilien soll er ab März 2012 die lateinamerikanische Landesgesellschaft von Merck leiten.[15] Die WirtschaftsWoche berichtete schon im Mai 2011, dass Mappus eventuell einen Posten in Südamerika übernehmen könnte. Merck-Chef Karl-Ludwig Kley gab bekannt, dass man ein Zeichen setzen wollte, um mehr Politiker zum Wechsel in die Wirtschaft zu bewegen.[16]
Die Zusammenarbeit endete jedoch bereits nach wenigen Monaten, da Mappus im Zuge der EnBW-Affäre zunehmend unter Druck geriet. Mappus löste im November 2011 seinen Vertrag mit Merck auf.[17] Seit dem Ende des Jahres 2011 ist Mappus als Berater des Vorstandes des IT-Beratungsunternehmen pmOne AG tätig.[18]
Zitate über Stefan Mappus
„Mappus war der ideale Konterpart zum pannengeplagten Günther Oettinger. Mappus, der Wertkonservative, der Familienmensch, der Unbescholtene, der Vollblutpolitiker, der schon für Siemens Handys verkauft und doch noch studiert hat, kurz: "Einer von uns." Ein solcher Steckbrief kommt an in Baden-Württemberg.“ Gabriele Renz, Frankfurter Rundschau vom 18. Mai 2010. [19]
„Seine Parteifreunde erwarten von Mappus, dass er die Dominanz des erfolgsverwöhnten Landesverbandes fortführt, also die Wahl gewinnt und Ministerpräsident bleibt. Dann würde ihn die Öffentlichkeit endlich als politisches Schwergewicht anerkennen und die Mappus verniedlichenden Etiketten wie „Mappi Schnappi, das Krokodil“ unterlassen. Die Chance dafür steht derzeit jedoch denkbar schlecht.“[20]Daniel Schrödel, Cicero 2009.
Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

Einzelnachweise
- ↑ Pharmakonzern - Wenig Begeisterung bei Mappus neuem Arbeitgeber, Handelsblatt vom 17. Dezember 2011, abgerufen am 12. Juli 2012
- ↑ Überraschender Rückzug - Mappus schmeißt bei Merck hin, Frankurter Allgemeine Zeitung vom 21. November 2011, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ Stuttgart 21 - Ende der Mogelei, Spiegel online vom 11. Oktober 2010, abgerufen am 16. Oktober 2010
- ↑ Der große Einflüsterer, taz vom 14. Oktober 2010, abgerufen am 21. Oktober 2010
- ↑ Lautenschläger, Weimar und Metz genießen ein Leben mit und nach der Politik, http://rhein-main.business-on.de vom 8. Dezember 2010, abgerufen am 22. Dezember 2010
- ↑ "Ich bin nicht Everybody's Darling", spiegel-online vom 29.Januar 2003, abgerufen am 25. Oktober 2010
- ↑ 7,0 7,1 Werdegang von Stefan Mappus, homepage Stefan-Mappus.de, abgerufen am 12. Oktober 2010, nicht mehr abrufbar
- ↑ Stefan Mappus - Ein Jobangebot von Siemens, Stuttgarter Zeitung vom 25. August 2010, abgerufen am 16. Oktober 2010.
- ↑ Finanzausschuss im Landtag - EnBW-Einstieg kostet sechs Milliarden, Stuttgarter Zeitung vom 14. Dezember 2010, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ Konzern-Übernahme: Mappus wickelte EnBW-Deal mit CDU-Freund ab, spiegel-online vom 10. Dezember 2010, abgerufen am 1. Februar 2011
- ↑ EnBW-Deal: Mappus soll vor dem Landtag gelogen haben, spiegel-online vom 31. Januar 2011, abgerufen am 1. Februar 2011
- ↑ Ermittlungen gegen Mappus und Notheis - Schlimmer kann es nicht mehr kommen, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Juli 2012, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ Notheis und die EnBW-Affäre - Der Mapuus-Flüsterer, Frankfurter Rundschau vom 25. Juni 2012, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ E-Mail von Notheis an Mappus vom 22. November 2010, Kontext: Wochenzeitung, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ Merck schickt Mappus nach Brasilien ftd.de, abgerufen am 19. Sep. 2011
- ↑ Pharma: Mappus geht zu Merck WirtschaftWoche vom 5. August 2011. Abgerufen am 4. August 2011.
- ↑ Überraschender Rückzug - Mappus schmeißt bei Merck hin, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. November 2011, abgerufen am 12. Juli 2012.
- ↑ Stefan Mappus berät jetzt IT-Unternehmen in Bayern, Focus Online vom 13.07.2013, abgerufen am 04.08.2014
- ↑ Ministerpräsident Stefan Mappus - Der Kraftmeier, Frankfurter Rundschau vom 18. Mai 2010, abgerufen am 16. Oktober 2010.
- ↑ „Mappi Schnappi, das Krokodil“ darf nicht mehr beißen, Cicero.de 2009, abgerufen am 16. Oktober 2010
