Goal AG: Unterschied zwischen den Versionen

(Weitere Firmen Segert)
(Geschichte)
Goal AG für Werbung und Public Relations
Rechtsform Aktiengesellschaft
Tätigkeitsbereich PR, Parteiwerbung
Gründungsdatum
Hauptsitz Andelfingen, Schweiz
Lobbybüro
Lobbybüro EU
Webadresse www.goal.ch

Die Goal AG ist eine Schweizer PR-Agentur, die insbesondere für die Schweizer Volkspartei (SVP) und andere rechtspopulistische Parteien in Europa tätig ist. Als ihr Markenzeichen gelten extreme Vereinfachungen und gezielte Tabubrüche.[1]

In Deutschland erregte die Goal AG Aufmerksamkeit durch ihre zentrale Rolle für den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten, der intransparent finanzierte Wahlwerbung für die AfD organisiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Blocher von der SVP engagierte die Goal AG unter dem damaligen Chef Hans-Rudolf Abächerli 1979. In der Folge wurde die Goal AG zur zentralen Agentur für die SVP.[1] Für 2007 wurde bekannt, dass die Bezahlung durch die SVP auch bei hohen Beträgen in bar erfolgte. [2] Alexander Segert trat die Nachfolge Abächerlis an und ist heute Alleininhaber der Goal AG.[3].

Seit 2008 versucht Segert, auch im Ausland tätig zu werden. Dazu änderte er im Handelsregister den Zweck der Firma.[1] Demnach kann die Firma Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In-und Ausland errichten, sich an anderen Unternehmen im In-und Ausland beteiligen, im In-und Ausland Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten sowie Finanzierungen für eigene oder fremde Rechnung vornehmen.[4]

2016 wurde Segert aus der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (Spag) ausgeschlossen, weil er die freiwilligen Transparenzregeln von Spag nicht umsetzen wollte. Die Regeln schreiben seit 2014 vor, dass Mitglieder all ihre Mandate auf der Webseite des Verbands offenlegen müssen.[5]

Organisationsstruktur und Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Segert, der Chef der Goal AG, ist in Hamburg aufgewachsen. Er schrieb nach dem Studium für die rechtskonservative Zeitung «Schweizerzeit» und die islamfeindliche Zeitschrift «Bürger und Christ». Segert war zudem Mitglied der rechten Psychosekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis" (VPM).[6]

Segert ist darüber hinaus in folgenden Firmen aktiv:

  • A. Segert Publikationen, Zeitungs-/Zeitschriftenverlag (Inhaber) [7]
  • Werbeagentur Neuber AG, internationale Unternehmensberatung inkl. des Führens einer Werbeagentur (Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigter)[8]

Frühere Mitglieder des Verwaltungsrates der Goal AG(Anfang 2017 ausgeschieden):[9]

  • Karl Schroeder, bis dahin Präsident des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung;
  • Hans Rudolf Abächerli, bis dahin Mitglied des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung;
  • Walter Minder, bis dahin Mitglied des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung.


Fallstudien und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdeckte Wahlwerbung für die AfD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Goal AG ist die zentrale Agentur hinter dem Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten. Dieser Verein organisiert seit Frühjahr 2016 in sieben Landtagswahlkämpfen für mehrere Millionen Euro Wahlwerbung für die AfD. Dazu gehören Zeitungen mit Wahlempfehlungen für die AfD („Extrablatt“), Großplakate, Google-Anzeigen und Videos. Die indirekte Wahlwerbung über den Verein umgeht die Transparenzregeln des Parteienrechts. Bis heute bleibt im Dunkeln, woher das Geld kommt. Sie erstellte die Webseite ([10]), plante das Extrablatt[11], buchte für die Wahlkämpfe in MV und Berlin Plakatwände für den Verein[12] und kaufte Fotos, die für die Extrablätter verwendet wurden.[13]

Alexander Segert und andere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der Goal AG waren auch immer wieder bei Veranstaltungen oder Planungstreffen des Vereins dabei.[14]. Der Vereinsvorsitzende David Bendels war umgekehrt zwischen Februar und Mai 2017 mindestens viermal in der Schweiz und hat sich dort auch mit Segert und Mitarbeitern der Goal AG getroffen.[15] Dazu kommt, dass der Verein nur eine Briefkasten-Adresse hat und die Post laut Medienberichten an „ein Postfach in der Schweiz, in Andelfingen“ weiter geschickt wird. Dort hat auch die Goal AG ein Postfach.[16] Das legt nahe, dass sogar die Korrespondenz des Vereins von der Goal AG betreut wird.

Die Goal AG ist die einzige Konstante bei dem Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten, während dessen offizielle Ansprechpartner nach außen mehrfach wechselten. Alles zusammen genommen stellt sich damit die Frage, ob der ganze Verein nicht nur ein Projekt und eine Vorfeld-Organisation der Goal AG ist.

Weitere Verbindungen zur AfD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Goal AG betreute während des Landtagwahlkampfs in Baden-Württemberg 2016 auch die Webseite von Jörg Meuthen, dem AfD-Bundesvorstand und Spitzenkandidat in Baden-Württemberg. Meuthen räumte im Mai 2017 gegenüber Frontal21 (ZDF) ein, dass er Alexander Segert kenne.[15] Meuthen hat im März 2016 vor der Landtagswahl behauptet, er habe vom „Extrablatt“ und den Großplakaten nichts gewusst und habe damit nichts zu tun.[17] Nun stellt sich die Frage, welchen Kontakt er wirklich zu Segert und der Goal AG während des Landtagswahlkampfs hatte.

Segert trat auch als (Ersatz-)Referent bei einem Schulungsseminar für AfD-Politiker im November 2016 auf.[18]

Arbeit für rechtspopulistische Parteien in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Agentur arbeitete u.a. für die FPÖ in Österreich und Vlaams Belang in Belgien. Segert versuchte (erfolglos), auch mit der Front National in Frankreich ins Geschäft zu kommen.[1] Das ursprünglich für die SVP entwickelte Anti-Minarett-Plakat überliess Segert gegen ein geringes Entgelt der rechtsextremen Partei Pro NRW.[19]

Außerdem hat die Agentur Verbindungen zu der Fraktion der rechtspopulistischen Parteien im Europaparlament. Eine Recherche des freien Bloggers Florian Wagner zeigt, dass die Goal AG die Domain »menf.org« angemeldet hat. »MENF« steht für »Movement for a Europe of Nations and Freedom«, die europäische politische Partei, in der sich Front National, FPÖ, Lega Nord und Vlaams Belang zusammengeschlossen haben. Außerdem betreut Segerts Firma die Webseite der Stiftung »FENL - Foundation for a Europe of Nations and Freedom«. Diese gehört zur Fraktion »ENF – Europe of Nations and Freedom« im Europaparlament, der auch Markus Pretzell von der AfD angehört. Beiträge der Seite werden laut Wagners Analyse von einem Autor mit dem Namen »goal-fen1-adm1n« erstellt. Eine Subdomain der Stiftung FENL lag auf dem selben Server wie die Webseite des Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten. [20] Nachdem am 24. April 2017 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über diese Verbindungen berichtete, wurde die Webseite des Vereins auf einen kanadischen Server verlegt.[21] Das wirft die Frage auf, ob damit die Spuren zur Goal AG verwischt werden sollen.


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus[Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1,01,11,21,3 Der Auslandseinsatz des SVP-Werbers, WoZ Nr. 20/2017 vom 18.05.2017, abgerufen am 6.6.2017
  2. Die Partei, die am liebsten bar zahlt, Neue Züricher Zeitung.de vom 10.03.2012, abgerufen am 04.05.2017
  3. Von Segert bestätigt in Mail an LobbyControl vom 29.5.2017
  4. [https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=4875310 Handelsregister-Meldung vom 12.2.2009, abgerufen am 8.6.2017
  5. Lobbyisten-Verband schliesst fünf Mitglieder aus, NZZ online vom 1.7.2016, abgerufen am 6.6.2017
  6. Mann fürs Grobe, NZZ online vom 30.8.2009, abgerufen am 6.6.2017
  7. Handelsregister-Meldung vom 22.10.2014, abgerufen am 8.6.2017. Dies ist die jüngste Handelsregister-Meldung zu der Firma, Stand: 8.6.2017
  8. Handelsregister-Meldung vom 11.6.2015, abgerufen am 8.6.2017. Die jüngste Handelsregister-Meldung vom 26.1.2017 betrifft das Ausscheiden von Walter Minder und Karl Schroeder aus der Firma – beide waren auch bei der Goal AG involviert.
  9. Handelsregister-Meldung vom 23.1.2017, abgerufen am 8.6.2017
  10. "Ebenso haben wir den Verein konzeptionell bei der Planung sowie beim Aufbau der Vereinswebsite unterstützt." Mail von Alexander Segert an LobbyControl, 10.5.2017
  11. Der Auslandseinsatz des SVP-Werbers, WoZ Nr. 20/2017 vom 18.05.2017. Die WoZ zitiert Segert, er sei bereits für die „Konzeptionierung der Webseite sowie der Vereinszeitung“ zuständig gewesen, zudem stelle er das „Know-How biem Plakatplaning“ bereit.
  12. Die anonymen Gönner der AfD, Spiegel.de vom 09.09.2016, abgerufen am 04.05.2017
  13. AfD will nach Terroranschlägen Stimmung gegen Angela Merkel machen, GMX.net vom 17.09.2016, abgerufen am 04.05.2017
  14. Siehe Die anonymen Gönner der AfD, Spiegel.de vom 09.09.2016, abgerufen am 04.05.2017, machen ausländische Nationalisten Werbung für die AfD?, FAZ vom 24.04.2017, abgerufen am 04.05.2017 sowie [1] Dubiose Wahlwerbung für die AfD – Schweizer Goal AG mischt mit vom 11.05.2017, abgerufen am 11.05. 2017
  15. 15,015,1 Schatten-Spender, Zeit vom 11.5.2017, zuletzt abgerufen am 17.5.2017
  16. Machen ausländische Nationalisten Werbung für die AfD? FAZ vom 24.04.2017, abgerufen am 04.05.2017 sowie Fragwürdige Wahlwerbung, Frontal21-Bericht vom 16.5.2017, zuletzt abgerufen am 17.5.2017
  17. Siehe unter anderem Alternative Lügenpresse, Spiegel 10/ 2016 vom 5.3.2016, zuletzt abgerufen am 17.5.2017 und Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Wahlkampfhilfe ins Visier, Handelsblatt Online vom 07.03.2016.
  18. AfD: Hilfe aus der Schweiz. Spiegel vom 25.03.2017 und Schweizer Schützenhilfe. Wirtschaftswoche vom 21.4.2017, S.34-35. In der Wirtschaftswoche findet sich die Aussage, Segert sei nur als Ersatz eingesprungen.
  19. Siehe die Unterhaltung von Markus Wiener von Pro Köln/ Pro NRW mit Filip Dewinter von Vlaams Belang in Die Anti-Asylfront.Europas Rechtsradikale auf dem Vormarsch, ZDFinfo-Dokumentation vom 16.3.2017 (ab Minute 14:00). Siehe für den breiteren Kontext auch Oliver Wäckerlig: Das Fanal von Wangen. Der Schweizer Minarettdiskurs – Ursachen und Folgen. 2014. Beides abgerufen am 8.6.2017.
  20. AfD-nahe Vereinigung mit Verbindung zur FENL, Crumbling Walls Blog vom 14.09.2016, abgerufen am 04.05.2017
  21. RechtundFreiheit.de IP-Adresse utrace.de vom 04.05.2017, abgerufen am 04.05. 2017
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        Die Goal AG ist eine Schweizer PR-Agentur, die insbesondere für die Schweizer Volkspartei (SVP) und andere rechtspopulistische Parteien in Europa tätig ist. Als ihr Markenzeichen gelten extreme Vereinfachungen und gezielte Tabubrüche.<ref name="auslandseinsatz">[http://www.woz.ch/1720/exportnationalismus/der-auslandseinsatz-des-svp-werbers Der Auslandseinsatz des SVP-Werbers], WoZ Nr. 20/2017 vom 18.05.2017, abgerufen am 6.6.2017</ref>
        

        In Deutschland erregte die Goal AG Aufmerksamkeit durch ihre zentrale Rolle für den [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]], der intransparent finanzierte Wahlwerbung für die AfD organisiert. 
        

        == Geschichte==
             ==
            
Christoph Blocher von der SVP engagierte die Goal AG unter dem damaligen Chef Hans-Rudolf Abächerli 1979. In der Folge wurde die Goal AG zur zentralen Agentur für die SVP.<ref name="auslandseinsatz"/> Für 2007 wurde bekannt, dass die Bezahlung durch die SVP auch bei hohen Beträgen in bar erfolgte. <ref>[https://www.nzz.ch/die-partei-die-am-liebsten-bar-zahlt-1.15636010  Die Partei, die am liebsten bar zahlt], Neue Züricher Zeitung.de vom 10.03.2012, abgerufen am 04.05.2017</ref> Alexander Segert trat die Nachfolge Abächerlis an und ist heute Alleininhaber der Goal AG.<ref>Von Segert bestätigt in Mail an LobbyControl vom 29.5.2017</ref>. 
        
            Seit 2008 versucht Segert, auch im Ausland tätig zu werden. Dazu änderte er im Handelsregister den Zweck der Firma.<ref name="auslandseinsatz"/> Demnach kann die Firma Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In-und Ausland errichten, sich an anderen Unternehmen im In-und Ausland beteiligen, im In-und Ausland Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten sowie Finanzierungen für eigene oder fremde Rechnung vornehmen.<ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=4875310 Handelsregister-Meldung] vom 12.2.2009, abgerufen am 8.6.2017</ref>
        

        2016 wurde Segert aus der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (Spag) ausgeschlossen, weil er die freiwilligen Transparenzregeln von Spag nicht umsetzen wollte. Die Regeln schreiben seit 2014 vor, dass Mitglieder all ihre Mandate auf der Webseite des Verbands offenlegen müssen.<ref>[https://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/lobbying-lobbyisten-verband-schliesst-fuenf-mitglieder-aus-ld.103316 Lobbyisten-Verband schliesst fünf Mitglieder aus], NZZ online vom 1.7.2016, abgerufen am 6.6.2017</ref>
        

        == Organisationsstruktur und Personal == 
        

        Alexander Segert, der Chef der Goal AG, ist in Hamburg aufgewachsen. Er schrieb nach dem Studium für die  rechtskonservative Zeitung «Schweizerzeit» und die islamfeindliche Zeitschrift «Bürger und Christ». Segert war zudem Mitglied der rechten Psychosekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis" (VPM).<ref>[https://www.nzz.ch/mann-fuers-grobe-1.3445635 Mann fürs Grobe], NZZ online vom 30.8.2009, abgerufen am 6.6.2017</ref> 
        

        Segert ist darüber hinaus in folgenden Firmen aktiv:
        
        * A. Segert Publikationen, Zeitungs-/Zeitschriftenverlag (Inhaber) <ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=1782485 Handelsregister-Meldung vom 22.10.2014], abgerufen am 8.6.2017. Dies ist die jüngste Handelsregister-Meldung zu der Firma, Stand: 8.6.2017</ref>
        
        * Werbeagentur Neuber AG, internationale Unternehmensberatung inkl. des Führens einer Werbeagentur (Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigter)<ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=2208177 Handelsregister-Meldung vom 11.6.2015], abgerufen am 8.6.2017. Die jüngste [https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=3306925 Handelsregister-Meldung vom 26.1.2017] betrifft das Ausscheiden von Walter Minder und Karl Schroeder aus der Firma – beide waren auch  bei der Goal AG involviert.</ref>
        

        Frühere Mitglieder des Verwaltungsrates der Goal AG(Anfang 2017 ausgeschieden):<ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=3306793 Handelsregister-Meldung vom 23.1.2017], abgerufen am 8.6.2017</ref>
        
        * Karl Schroeder, bis dahin Präsident des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung;
        
        * Hans Rudolf Abächerli, bis dahin Mitglied des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung;
        
        * Walter Minder, bis dahin Mitglied des Verwaltungsrates, ohne Zeichnungsberechtigung.
        


        == Fallstudien und Kritik==
        
        === Verdeckte Wahlwerbung für die AfD ===
        
        Die Goal AG ist die zentrale Agentur hinter dem [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]]. Dieser Verein organisiert seit Frühjahr 2016 in sieben Landtagswahlkämpfen für mehrere Millionen Euro Wahlwerbung für die AfD. Dazu gehören Zeitungen mit Wahlempfehlungen für die AfD („Extrablatt“), Großplakate, Google-Anzeigen und Videos. Die indirekte Wahlwerbung über den Verein umgeht die Transparenzregeln des Parteienrechts. Bis heute bleibt im Dunkeln, woher das Geld kommt. 
        
        Sie erstellte die Webseite (<ref>"Ebenso haben wir den Verein konzeptionell bei der Planung sowie beim Aufbau der Vereinswebsite unterstützt." Mail von Alexander Segert an LobbyControl, 10.5.2017</ref>), plante das Extrablatt<ref>[http://www.woz.ch/1720/exportnationalismus/der-auslandseinsatz-des-svp-werbers Der Auslandseinsatz des SVP-Werbers], WoZ Nr. 20/2017 vom 18.05.2017. Die WoZ zitiert Segert, er sei bereits für die „Konzeptionierung der Webseite sowie der Vereinszeitung“ zuständig gewesen, zudem stelle er das „Know-How biem Plakatplaning“ bereit.</ref>, buchte für die Wahlkämpfe in MV und Berlin Plakatwände für den Verein<ref name="Schweiz-Connection">[http://www.spiegel.de/spiegel/afd-und-schweiz-connection-wer-die-kampagnen-der-rechten-finanziert-a-1111673.html Die anonymen Gönner der AfD], Spiegel.de vom 09.09.2016, abgerufen am 04.05.2017</ref> und kaufte Fotos, die für die Extrablätter verwendet wurden.<ref>[https://www.gmx.net/magazine/politik/afd-terroranschlaegen-stimmung-angela-merkel-31889206 AfD will nach Terroranschlägen Stimmung gegen Angela Merkel machen], GMX.net vom 17.09.2016, abgerufen am 04.05.2017</ref> 
        

        Alexander Segert und andere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der Goal AG waren auch immer wieder bei Veranstaltungen oder Planungstreffen des Vereins dabei.<ref>Siehe [http://www.spiegel.de/spiegel/afd-und-schweiz-connection-wer-die-kampagnen-der-rechten-finanziert-a-1111673.html Die anonymen Gönner der AfD], Spiegel.de vom 09.09.2016, abgerufen am 04.05.2017, [http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/machen-auslaendische-nationalisten-werbung-fuer-die-afd-14983480.html?printPagedArticle=true machen ausländische Nationalisten Werbung für die AfD?], FAZ vom 24.04.2017, abgerufen am 04.05.2017 sowie [https://www.lobbycontrol.de/2017/05/dubiose-wahlwerbung-fuer-die-afd-spur-fuehrt-in-die-schweiz/] Dubiose Wahlwerbung für die AfD – Schweizer Goal AG mischt mit vom 11.05.2017, abgerufen am 11.05. 2017</ref>. Der Vereinsvorsitzende David Bendels war umgekehrt zwischen Februar und Mai 2017 mindestens viermal in der Schweiz und hat sich dort auch mit Segert und Mitarbeitern der Goal AG getroffen.<ref name="schatten-spender">[http://www.zeit.de/2017/20/afd-finanzierung-verein-nrw-spenden-david-bendels Schatten-Spender], Zeit vom 11.5.2017, zuletzt abgerufen am 17.5.2017</ref> Dazu kommt, dass der Verein nur eine Briefkasten-Adresse hat und die Post laut Medienberichten an „ein Postfach in der Schweiz, in Andelfingen“ weiter geschickt wird. Dort hat auch die Goal AG ein Postfach.<ref>[http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/machen-auslaendische-nationalisten-werbung-fuer-die-afd-14983480.html?printPagedArticle=true Machen ausländische Nationalisten Werbung für die AfD?] FAZ vom 24.04.2017, abgerufen am 04.05.2017 sowie [https://www.zdf.de/politik/frontal-21/das-diskrete-helfernetzwerk-der-afd-100.html Fragwürdige Wahlwerbung], Frontal21-Bericht vom 16.5.2017, zuletzt abgerufen am 17.5.2017</ref>  Das legt nahe, dass sogar die Korrespondenz des Vereins von der Goal AG betreut wird. 
        

        Die Goal AG ist die einzige Konstante bei dem [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]], während dessen offizielle Ansprechpartner nach außen mehrfach wechselten. Alles zusammen genommen stellt sich damit die Frage, ob der ganze Verein nicht nur ein Projekt und eine Vorfeld-Organisation der Goal AG ist.
        

        === Weitere Verbindungen zur AfD ===
        
        Die Goal AG betreute während des Landtagwahlkampfs in Baden-Württemberg 2016 auch die Webseite von Jörg Meuthen, dem AfD-Bundesvorstand und Spitzenkandidat in Baden-Württemberg. Meuthen räumte im Mai 2017 gegenüber Frontal21 (ZDF) ein, dass er Alexander Segert kenne.<ref name="schatten-spender"/> Meuthen hat im März 2016 vor der Landtagswahl behauptet, er habe vom  „Extrablatt“ und den Großplakaten nichts gewusst und habe damit nichts zu tun.<ref>Siehe unter anderem [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-143471091.html Alternative Lügenpresse], Spiegel 10/ 2016 vom 5.3.2016, zuletzt abgerufen am 17.5.2017 und [http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verdacht-illegaler-parteispende-die-afd-selbst-haette-so-nicht-plakatiert/13064812-2.html Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Wahlkampfhilfe ins Visier], Handelsblatt Online vom 07.03.2016.</ref> Nun stellt sich die Frage, welchen Kontakt er wirklich zu Segert und der Goal AG während des Landtagswahlkampfs hatte.  
        

        Segert trat auch als (Ersatz-)Referent bei einem Schulungsseminar für AfD-Politiker im November 2016 auf.<ref>AfD: Hilfe aus der Schweiz. Spiegel vom 25.03.2017 und Schweizer Schützenhilfe. Wirtschaftswoche vom 21.4.2017, S.34-35. In der Wirtschaftswoche findet sich die Aussage, Segert sei nur als Ersatz eingesprungen.</ref> 
        

        === Arbeit für rechtspopulistische Parteien in Europa ===
        
        Die Agentur arbeitete u.a. für die FPÖ in Österreich und Vlaams Belang in Belgien. Segert versuchte (erfolglos), auch mit der Front National in Frankreich ins Geschäft zu kommen.<ref  name="auslandseinsatz"/> Das ursprünglich für die SVP entwickelte Anti-Minarett-Plakat überliess Segert gegen ein geringes Entgelt der rechtsextremen Partei Pro NRW.<ref>Siehe die Unterhaltung von Markus Wiener von Pro Köln/ Pro NRW mit Filip Dewinter von Vlaams Belang in [https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/die-anti-asylfront-104.html Die Anti-Asylfront.Europas Rechtsradikale auf dem Vormarsch], ZDFinfo-Dokumentation vom 16.3.2017 (ab Minute 14:00). Siehe für den breiteren Kontext auch Oliver Wäckerlig: [http://www.zora.uzh.ch/92420/ Das Fanal von Wangen. Der Schweizer Minarettdiskurs – Ursachen und Folgen]. 2014. Beides abgerufen am 8.6.2017.</ref>
        

        Außerdem hat die Agentur Verbindungen zu der Fraktion der rechtspopulistischen Parteien im Europaparlament. Eine Recherche des freien Bloggers Florian Wagner zeigt, dass die Goal AG die Domain »menf.org« angemeldet hat. »MENF« steht für »Movement for a Europe of Nations and Freedom«, die europäische politische Partei, in der sich Front National, FPÖ, Lega Nord und Vlaams Belang zusammengeschlossen haben. Außerdem betreut Segerts Firma die Webseite der Stiftung »FENL - Foundation for a Europe of Nations and Freedom«. Diese gehört zur Fraktion »ENF – Europe of Nations and Freedom« im Europaparlament, der auch Markus Pretzell von der AfD angehört. Beiträge der Seite werden laut Wagners Analyse von einem Autor mit dem Namen »goal-fen1-adm1n« erstellt. Eine Subdomain der Stiftung FENL lag auf dem selben Server wie die Webseite des [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]]. <ref>[https://crumblingwalls.net/adaption/80481-afd-nahe-vereinigung-mit-verbindung-zur-foundation-for-a-europe-of-nations-and-freedom AfD-nahe Vereinigung mit Verbindung zur FENL], Crumbling Walls Blog vom 14.09.2016, abgerufen am 04.05.2017</ref> Nachdem am 24. April 2017 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über diese Verbindungen berichtete, wurde die Webseite des Vereins auf einen kanadischen Server verlegt.<ref>[http://www.utrace.de/?query=https%3A%2F%2Fwww.rechtundfreiheit.de%2F RechtundFreiheit.de IP-Adresse] utrace.de vom 04.05.2017, abgerufen am 04.05. 2017</ref> Das wirft die Frage auf, ob damit die Spuren zur Goal AG verwischt werden sollen.
        

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        == Einzelnachweise ==
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In Deutschland erregte die Goal AG Aufmerksamkeit durch ihre zentrale Rolle für den [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]], der intransparent finanzierte Wahlwerbung für die AfD organisiert.  
 
In Deutschland erregte die Goal AG Aufmerksamkeit durch ihre zentrale Rolle für den [[Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten]], der intransparent finanzierte Wahlwerbung für die AfD organisiert.  
   
== Geschichte ==
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==Geschichte==
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Christoph Blocher von der SVP engagierte die Goal AG unter dem damaligen Chef Hans-Rudolf Abächerli 1979. In der Folge wurde die Goal AG zur zentralen Agentur für die SVP.<ref name="auslandseinsatz"/> Für 2007 wurde bekannt, dass die Bezahlung durch die SVP auch bei hohen Beträgen in bar erfolgte. <ref>[https://www.nzz.ch/die-partei-die-am-liebsten-bar-zahlt-1.15636010  Die Partei, die am liebsten bar zahlt], Neue Züricher Zeitung.de vom 10.03.2012, abgerufen am 04.05.2017</ref> Alexander Segert trat die Nachfolge Abächerlis an und ist heute Alleininhaber der Goal AG.<ref>Von Segert bestätigt in Mail an LobbyControl vom 29.5.2017</ref>.
   
Christoph Blocher von der SVP engagierte die Goal AG unter dem damaligen Chef Hans-Rudolf Abächerli 1979. In der Folge wurde die Goal AG zur zentralen Agentur für die SVP.<ref name="auslandseinsatz"/> Für 2007 wurde bekannt, dass die Bezahlung durch die SVP auch bei hohen Beträgen in bar erfolgte. <ref>[https://www.nzz.ch/die-partei-die-am-liebsten-bar-zahlt-1.15636010  Die Partei, die am liebsten bar zahlt], Neue Züricher Zeitung.de vom 10.03.2012, abgerufen am 04.05.2017</ref> Alexander Segert trat die Nachfolge Abächerlis an und ist heute Alleininhaber der Goal AG.<ref>Von Segert bestätigt in Mail an LobbyControl vom 29.5.2017</ref>.
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Seit 2008 versucht Segert, auch im Ausland tätig zu werden. Dazu änderte er im Handelsregister den Zweck der Firma.<ref name="auslandseinsatz"/> Demnach kann die Firma Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In-und Ausland errichten, sich an anderen Unternehmen im In-und Ausland beteiligen, im In-und Ausland Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten sowie Finanzierungen für eigene oder fremde Rechnung vornehmen.<ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=4875310 Handelsregister-Meldung] vom 12.2.2009, abgerufen am 8.6.2017</ref>
 
 
Seit 2008 versucht Segert, auch im Ausland tätig zu werden. Dazu änderte er im Handelsregister den Zweck der Firma.<ref name="auslandseinsatz"/> Demnach kann die Firma Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In-und Ausland errichten, sich an anderen Unternehmen im In-und Ausland beteiligen, im In-und Ausland Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten sowie Finanzierungen für eigene oder fremde Rechnung vornehmen.<ref>[https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=4875310 Handelsregister-Meldung vom 12.2.2009, abgerufen am 8.6.2017</ref>
 
   
 
2016 wurde Segert aus der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (Spag) ausgeschlossen, weil er die freiwilligen Transparenzregeln von Spag nicht umsetzen wollte. Die Regeln schreiben seit 2014 vor, dass Mitglieder all ihre Mandate auf der Webseite des Verbands offenlegen müssen.<ref>[https://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/lobbying-lobbyisten-verband-schliesst-fuenf-mitglieder-aus-ld.103316 Lobbyisten-Verband schliesst fünf Mitglieder aus], NZZ online vom 1.7.2016, abgerufen am 6.6.2017</ref>
 
2016 wurde Segert aus der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (Spag) ausgeschlossen, weil er die freiwilligen Transparenzregeln von Spag nicht umsetzen wollte. Die Regeln schreiben seit 2014 vor, dass Mitglieder all ihre Mandate auf der Webseite des Verbands offenlegen müssen.<ref>[https://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/lobbying-lobbyisten-verband-schliesst-fuenf-mitglieder-aus-ld.103316 Lobbyisten-Verband schliesst fünf Mitglieder aus], NZZ online vom 1.7.2016, abgerufen am 6.6.2017</ref>

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