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Derek Taylor

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Derek Taylor hatte 25 Jahre lang verschiedene Posten zu Energiethemen bei der Europäischen Kommission inne. Taylor gründete am 12. August 2009 seine eigene Lobbyfirma, DMT Energy Consulting. Seit dem 31. August 2009 arbeitet er zudem als Berater zu Energiefragen für die Lobbyagentur Burson-Marsteller. Darüber hinaus arbeitet er seit 2009 für die Bellona Foundation. Zusätzlich ist er Europäischer Vertreter bei dem Global Carbon Capture and Storage Institute (GCCSI). Das GCCSI forciert mit dem Feigenblatt des Klimawandels und der Versorgungssicherheit den Ausbau von CCS (CO2-Abscheidung und -Speicherung).

Karriere

  • 2010–2011 Europäischer Vertreter beim Global Carbon Capture and Storage Institute (GCCSI)
  • seit 08/09 Energieberater bei Burson-Marsteller
  • seit 08/09 Gründung der DMT Energy Consulting
  • 08/2009 Direktor des Bellona Environmental CCS Teams
  • 2004–06/2009 Energieberater für die Generaldirektion Energie und Transport
  • 2000–2004 Generaldirektion Transport und Energie
  • 1984–2000 Generaldirektion Energie

Wirken

Taylor bei der Europäischen Kommission

Taylor trat der Generaldirektion (GD) Energie 1984 bei, wo er insbesondere zur Atompolitik arbeitete. 1995 wurde er Abteilungsleiter der GD Energie und war in diesem Rahmen für das Management von radioaktivem Müll sowie für die Inbetriebnahme von atomaren Anlagen verantwortlich. Die atomare Sicherheit kam 1998 zu seinem Verantwortungsbereich hinzu. Im Jahr 2000 wechselte er zur GD Transport und Energie. 2004 wurde er zum Energieberater der Kommission berufen. Während er anfangs zu Themen der Kernenergie arbeitete, erweiterte sich sein Tätigkeitsgebiet hin zu Fragen der Energiepolitik mit Schwerpunkt auf Kohle und Technologien für so genannte Saubere Kohle, wie der Kohlenstoff-Abscheidung und -Speicherung (CCS), und deren Kosten und Nutzen für die Umwelt.[1]

Taylor bei DMT Energy Consulting und Burson-Marsteller

Nachdem sich Taylor im Juni 2009 aus der Kommission zurückgezogen hatte, gründete er am 12. August 2009 sein Unternehmen, die DMT Energy Consulting, und begann am 31. August 2009 seine Arbeit als Senior-Berater für Energiefragen bei Burson-Marsteller.

Taylor hat seit Beendigung seiner Karriere bei der Europäischen Kommission eine Reihe verschiedener Unternehmen zu Energiefragen beraten und wohl auch Lobbyarbeit für diese betrieben. Teilweise stehen die Interessen dieser Unternehmen sehr eng mit seiner vorherigen Tätigkeit bei der Kommission in Verbindung. Nach den Angaben des Eintrags von Burson-Marsteller Brüssel im EU Transparenzregister umfassen die Kunden der Lobbyberatung die Firmen ExxonMobil, European Small Volume Car Manufactures Alliance, Camfil Farr, Bromine Science and Environemntal Forum, Dow Corning Coporation, European Peat and Growing Media Association, Valspar, sowie viele andere, die ein großes Interesse an den Einblicken eines ehemaligen EU-Energiechefberaters mit 25 Jahren Arbeitserfahrung haben.[2]

Taylors Tätigkeiten bei Bellona und dem GCCSI

Seit August 2009 arbeitet Taylor auch für die Bellona Energy Foundation, und zwar als Direktor des Bellona Environmental CCS Teams. Die Stiftung strebt ihrer Homepage zufolge danach „die EU Gesetzgebung so zu beeinflussen, dass die Ergebnisse sowohl für den Menschen als auch die Umwelt von Vorteil sind."[3]

Andere Umweltschützer sind der Ansicht, dass Bellona industriefreundliche Technologien fördert und kritisieren deren Bereitschaft, auf der Europäischen Technologieplattform für Biokraftstoffe (European Biofuels Technology Platform) sowie auf der CCS Plattform der Kommission neben großen Unternehmen zu sitzen. Auch Taylor sitzt auf dieser Plattform neben seinen ehemaligen Kollegen und vertritt die Interessen des Instituts sowie der Industrien, die dahinter stehen. Seine eigene Beratungsfirma, DMT Energy Consulting, agiert von demselben Gebäude aus wie Bellona Europe. Von 2010 bis 2011 war Taylor europäischer Vertreter des Global Carbon Capture and Storage Institute.[1] Das GCCSI hat seinen Hauptsitz in Australien und betreibt Lobbyarbeit für den Ausbau von CCS.

Derek Taylors Arbeit bei Bellona und beim Global CCS Institute ist praktisch deckungsgleich mit den politischen Bereichen, zu denen er in seiner letzten Zeit bei der Kommission gearbeitet hat. Er hat das Global CCS Institute bei verschiedenen Veranstaltungen, an denen auch andere ehemalige EU-Beamte teilnahmen, aktiv repräsentiert.

Kritik

Am 16. August 2011 forderte die Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory (CEO) bei der Kommission die Dokumente an, welche die Rolle Taylors bei den genannten Unternehmen bestätigen. Am 21. September 2011 schrieb die Kommission folgende Zeilen an CEO zurück: „Die Dokumente, welche von Herrn Taylor bezüglich seiner neuen Aktivitäten gesandt wurden, hat die Kommission am 12. September 2011 erhalten. Diese Dokumente werden nun hinsichtlich der Vereinbarkeit seiner neuen Beschäftigung mit seiner vorherigen Position als Berater in der GD Transport und Energie von der GD Human Ressources and Security überprüft.“[1]

Die Kommission hat nicht weiter auf die Anfrage von CEO geantwortet, um die Situation aufzuklären, jedoch ist die eindeutige Schlussfolgerung dieser Email, dass Taylor 2009 keine Befugnis beantragt hat, um Burson-Marsteller und andere Unternehmen zu beraten. Erst am 9. September 2011, zwei Jahre nach seinem Ausscheiden aus der EU und nachdem CEO die Einsicht der Dokumente gefordert hatte, beantragte Taylor nachträglich die Erlaubnis für seine derzeitigen beruflichen Aktivitäten. Die Reaktion der Kommission fällt mild aus; zwar "bedauert" sie, dass Taylor gegen die Mitarbeiter-Regelungen verstoßen und viel zu spät die Beantragung gestellt hat aber trotzdem gibt sie Taylor retrospektiv die Erlaubnis für seine beruflichen Aktivitäten ohne jegliche Konsequenzen.[4]

In seinem Antrag gab Derek Taylor darüber hinaus an, keine monetäre Entlohnung für seine Arbeit zu erhalten. Jedoch zeigen öffentlich zugängliche Informationen (über die Website der Nationalbank Belgiens), dass DMT Energy Consulting zwischen dem 12. August 2009 und 31. August 2010 einen durchschnittlichen Gewinn von 95 975 Euro verbuchte, und dass nur Derek Taylor und eine Ms Christine Taylor als Geschäftsführer und Anspruchsberechtigte aufgeführt sind. Sogar wenn er noch keinen Lohn oder Anteile der DMT Energy Consulting erhalten hat, ist es offensichtlich, dass seine Firma beachtliche Summen umgesetzt hat.

Taylor hat nicht nur verschiedenste Unternehmen in Energiefragen beraten. In seiner – zwei Jahre zu spät eingereichten - Anfrage um Bewilligung seiner Tätigkeiten machte er klar, dass er Kontakt mit europäischen Institutionen einschließlich der GD Energie, der GD Umwelt, der GD Klima und der GD Forschung hat. Er hat damit zahlreichen Unternehmen nicht nur tiefe Einblicke in die Arbeit der Kommission in für sie relevante Bereiche geben können – er konnte auch seine früheren Kollegen ungestört als Lobbyist aufsuchen. Obwohl hier zweifellos die Gefahr zahlreicher Interessenkonflikte besteht, sah die Kommission keinen Anlass, die Fakten in diesem Fall genauer unter die Lupe zu nehmen.

Weiterführende Informationen

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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Alter-EU Revolving Doors Report, www.alter-eu.org, abgerufen am 10.05.2016
  2. Eintrag Burson-Marsteller EU-Transparenzregister, abgerufen am 10.05.2016
  3. About Bellona Webseite von Bellona, abgerufen am 10.05.2016
  4. Derek Taylor Revolving Door Watch Database von CEO, abgerufen am 10.05.2016