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Joseph Fischer ''(* 12. April 1948 in Gerabronn)''; seit 2007 Unternehmensberater und Lobbyist, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland in der Regierung [[Gerhard Schröder]], populärer Politiker der Grünen in den 1980er und 90er Jahren.
'''Joseph Fischer''' ''(* 12. April 1948 in Gerabronn)'' ist ein Politiker des [[Bündnis 90/Die Grünen]], ehemaliger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland in der Regierung [[Gerhard Schröder]] und seit 2007 Unternehmensberater und Lobbyist.  


Zu seiner Zeit als Außenminister sprach sich Fischer energisch für die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovokrieg (1999) aus, bei dem deutsche Truppen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Kriegseinsatz beteiligt waren. Aus dieser Zeit resultiert sein gutes Verhältnis zu [[Madeleine Albright]], die damals US-Außenministerin unter Bill Clinton war.  
Zu seiner Zeit als Außenminister sprach sich Fischer energisch für die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovokrieg (1999) aus, bei dem deutsche Truppen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Kriegseinsatz beteiligt waren. Aus dieser Zeit resultiert sein gutes Verhältnis zu Madeleine Albright, der damaligen US-Außenministerin, mit der er später zusammen in Beratertätigkeiten arbeiten sollte.  


== Karriere ==
== Karriere ==
* 2009 Gründung der Lobbyorganisation Joschka Fischer & Company<ref>[http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/dick-im-geschaeft/ "Dick im Geschäft"], taz.de vom 08.September 2010, abgerufen am 08. September 2010.</ref>  
* 2009 Gründung der Lobbyorganisation Joschka Fischer & Company<ref>[http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/dick-im-geschaeft/ "Dick im Geschäft"], taz.de vom 08.09.2010, abgerufen am 08.09.2010.</ref>  
* 2008 Berater für "The Albright Group LLC".[4]  
* 2008 Berater für The Albright Group LLC[4]  
* ab 2007 Unternehmensberater
* ab 2007 Unternehmensberater
* ab Herbst 2006 Gastprofessor für internationale Wirtschaftspolitik an der Frederick H. Schultz Class der Woodrow Wilson School der Princeton University (USA)
* ab Herbst 2006 Gastprofessor für internationale Wirtschaftspolitik an der Frederick H. Schultz Class der Woodrow Wilson School der Princeton University (USA)
* 1998-2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland
* 1998-2005 '''Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland'''
* 1. Januar 1999 - 30. Juni 1999 Präsident des Rats der Europäischen Union
* 01.01.1999-30.06.1999 Präsident des [[Rats der Europäischen Union]]
* 1994-1998 Fraktionsvorsitzender der Partei [[Bündnis 90/Die Grünen]]
* 1994-1998 Fraktionsvorsitzender der Partei [[Bündnis 90/Die Grünen]]
* 1987-1991 Mitglied des Hessischen Landtags und Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag
* 1987-1991 Mitglied des Hessischen Landtags und Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag
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== Verbindungen und Netzwerke ==
== Verbindungen und Netzwerke ==
*Bei den Grünen war Fischer neben [[Otto Schily]] ein Aushängeschild des sog. ''Realo''-Flügels.


Fischer war 2007 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der europäischen Denkfabrik "[[European Council on Foreign Relations]]" (ECFR). Dort sind zahlreiche hochrangige (ehemalige) europäische Spitzenpolitiker versammelt. Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum sind bzw. waren [[Cem Özdemir]] (''Politiker [[Bündnis90/Die Grünen|Die Grünen]]''), [[Andre Wilkens]] (''[[Open Society Institute]] / [[Soros Foundation]]''), [[Gerald Knaus]] (''[[European Stability Initiative]]''), [[Hannes Androsch]] (''AIC [[Androsch International Management Consulting]]''), [[Caio Koch-Weser]] ([[Deutsche Bank]]), [[Roland Berger]], [[Daniel Cohn-Bendit]], [[Hans Eichel]], [[Wolfgang Ischinger]] (Vorsitzender der [[Münchener Sicherheitskonferenz]]), [[Wolfgang Münchau]] (Eurointelligence ASBL), [[Michael Stürmer]] ([[Die Welt]]), <ref>[http://www.ecfr.eu/content/council/ ECFR's Board and Council], Website von EFCR, abgerufen am 5. Juli 2010.</ref>
Joschka Fischer entstammt der Frankfurter undogmatischen Linken, wo er Anfang der 1970er Jahre in der Gruppierung ''Revolutionärer Kampf'' aktiv war. Zu diesem Umfeld gehörten neben vielen anderen auch Daniel Cohn-Bendit (''später Europa-Politiker''), Thomas Schmid (''später Chef-Redakteur der Tagesszeitung Die Welt'') , Reinhard Mohr (''später Redakteur und Autor des Magazins Der Spiegel'') .<ref>[http://www.single-generation.de/kohorten/78er/christian_schmidt.htm#wir "Christian Schmidt: Wie die Spontis die Grünen eroberten"], Inhaltsangabe des Buches "Wir sind die Wahnsinnigen" auf www.single-generation.de, abgerufen am 23. März 2010.</ref> Seine guten Kontakte zu Tom Koenigs stammen ebenfalls aus dieser Frankfurter Zeit.


Bei den [[Bündnis90/Die Grünen|Grünen]] war Fischer neben [[Otto Schily]] ein Aushängeschild des sog. ''Realo''-Flügels.
== Wirken ==
=== Seitenwechsel: BMW, Siemens, RWE...===


Joschka Fischer entstammt der Frankfurter undogmatischen Linken, wo er Anfang der 1970er Jahre in der Gruppierung ''Revolutionärer Kampf'' aktiv war. Zu diesem Umfeld gehörten neben vielen anderen auch [[Daniel Cohn-Bendit]] (''später Europa-Politiker''), [[Thomas Schmid]] (''später Chef-Redakteur der Tagesszeitung [[Die Welt]]'') , [[Reinhard Mohr]] (''später Redakteur und Autor des Magazins [[Der Spiegel]]'') .<ref>[http://www.single-generation.de/kohorten/78er/christian_schmidt.htm#wir "Christian Schmidt: Wie die Spontis die Grünen eroberten"], Inhaltsangabe des Buches "Wir sind die Wahnsinnigen" auf www.single-generation.de, abgerufen am 23. März 2010.</ref> Seine guten Kontakte zu [[Tom Koenigs]] stammen ebenfalls aus dieser Frankfurter Zeit.
Joschka Fischer blieb nach dem Ende der Rot-Grünen Koalition noch bis zum 1. September 2006 Bundestagsabgeordneter. Nach einer einjährigen Pause erfolgte 2007 der Wechsel in die Privatwirtschaft, Fischer gründete sein eigenes Beratungsunternehmen Joschka Fischer Consulting. Bezüglich seiner Klienten hielt er sich bisher weitesgehend bedeckt. 2008 engagierte ihn Madeleine Albright als Berater für ihre Firma The Albright Group LLC.<ref>[http://www.thealbrightgroupllc.com/Who_We_Are.htm Who we are], Website der Albright Group, abgerufen am 30. Juni 2010</ref> Seit 2009 firmiert er in Berlin gemeinsam mit seinem ehemaligen Parteifreund und langjährigem Mitarbeiter Dietmar Huber unter dem Namen "Joschka Fischer & Co.". <ref>[http://www.bild.de/BILD/politik/2009/09/20/ex-aussenminister-joschka-fischer/berater-bei-bmw.html "Joschka Fischer jetzt Berater für BMW"], Bild.de vom 19. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>


== Wirken ==
Ebenfalls im Juli 2009 nahm Fischer eine Beratertätigkeit für den Automobilhersteller [[BMW]] auf. Laut Konzern erhielt er den Auftrag nachhaltige Strategien zu entwickeln, die das Öko-Bewusstsein der Konzernmitarbeiter verbessern sollen. <ref>[http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,650160,00.html "Joschka Fischer berät BMW"], Spiegel.de vom 20. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Eine Vergrünung des "Corporate Image" ist für den Auto-Produzenten ein willkommener Nebeneffekt. Unklar ist, was Fischers genaue Aufgaben bei BMW sind. Laut Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe, gibt es weder Nachfragen von seiner Seite, noch steuert der Außenminister a.D. inhaltliche Expertise bei, was die Produktion oder die Entwicklung neuer Autos betrifft. So diene das Engagement vielmehr der Image-Pflege.<ref>[http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7943466 ARD exclusiv: Rot Grün macht Kasse], ARD Mediathek vom 18.08.2011, abgerufen am 19.08.2011</ref>  
=== [[Seitenwechsel]]: BMW, Siemens, RWE...===
Im September 2010 wurde bekannt, dass auch die Supermarkt-Kette REWE sich die Dienste von Fischer sichern konnte.<ref>[http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/dick-im-geschaeft/ "Dick im Geschäft"], taz.de vom 08. September 2010, abgerufen am 08. September 2010.</ref>  


Im Oktober 2009 verkündete [[Siemens]], die Hilfe von Joschka Fischer (und Madeline Albright) in Anspruch zu nehmen. Sie sollten den Konzern mit ihren "einzigartigen Erfahrungsprofilen und Netzwerken" zu "gesellschaftlichen und geopolitischen Fragestellungen sowie Gewichtsverlagerungen in der Weltwirtschaft" beraten. <ref>[http://www.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/?press=/de/pressemitteilungen/2009/corporate_communication/axx20091004.htm Pressemitteilung Siemens], 23. Oktober 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>
Anfang Juli 2009 hatte Fischer einen zunächst bis Ende 2010 befristeten Beratervertrag mit den Energiekonzernen [[RWE]] Supply & Trading und OMV Gas & Power (Österreich) abgeschlossen, für die er in den beteiligten Ländern das private Pipeline-Projekt "Nabucco" vorantrieb. <ref>[http://www.rwe.com/web/cms/de/239932/rwe-supply-trading/presse/pressemitteilung/?pmid=4003646 Pressemitteilung RWE], 06. Juli 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Beide Unternehmen sind zusammen mit etwa 33 % an dem Projekt beteiligt und setzen dabei auf Fischers energie- und außenpolitische Erfahrungen, um politische Barrieren gegen das Projekt zu überwinden bzw. im Vorfeld zu vermeiden. <ref>[http://www.welt.de/wirtschaft/article4515925/Energie-Lobbyist-Fischer-fordert-Hilfe-der-EU.html "Energie-Lobbyist Fischer fordert Hilfe der EU"], Welt.de vom 11. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Dass Fischer als ehemaliger Spitzenpolitiker der Grünen, der Partei die aus der Anti-Atomkraftbewegung hervorging, sich nun für den Betreiber von Atomkraftwerken RWE einsetzte, steht für ihn scheinbar in keinem Widerspruch.<ref>[http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/lobbying-fuer-das-nabucco-projekt/ "Lobbying für das Nabucco-Projekt"], taz.de vom 08. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>


Anfang Juli 2009 hatte er einen zunächst bis Ende 2010 befristeten Beratervertrag mit den Energiekonzernen [[RWE]] Supply & Trading und OMV Gas & Power (Österreich) abgeschlossen, für die er in den beteiligten Ländern das private Pipeline-Projekt "[[Nabucco]]" vorantrieb. <ref>[http://www.rwe.com/web/cms/de/239932/rwe-supply-trading/presse/pressemitteilung/?pmid=4003646 Pressemitteilung RWE], 06. Juli 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Beide Unternehmen sind zusammen mit etwa 33 % an dem Projekt beteiligt und setzen dabei auf Fischers energie- und außenpolitische Erfahrungen, um politische Barrieren gegen das Projekt zu beseitigen bzw. im Vorfeld zu vermeiden. <ref>[http://www.welt.de/wirtschaft/article4515925/Energie-Lobbyist-Fischer-fordert-Hilfe-der-EU.html "Energie-Lobbyist Fischer fordert Hilfe der EU"], Welt.de vom 11. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Dass er seit den Anfangsjahren der Grünen, die mit Beginn der 80er Jahre aus einer Anti-Atomkraftbewegung hervorgingen, zu den Spitzenpolitikern der Partei gehörte, steht für ihn in keinem Widerspruch zu seiner jetzigen Tätigkeit für den Atomkraft-Betreiber RWE. <ref>[http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/lobbying-fuer-das-nabucco-projekt/ "Lobbying für das Nabucco-Projekt"], taz.de vom 08. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>
Im Oktober 2009 verkündete [[Siemens]], die Hilfe von Joschka Fischer (und Madeleine Albright) in Anspruch zu nehmen. Sie sollten den Konzern mit ihren "einzigartigen Erfahrungsprofilen und Netzwerken" zu "gesellschaftlichen und geopolitischen Fragestellungen sowie Gewichtsverlagerungen in der Weltwirtschaft" beraten. <ref>[http://www.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/?press=/de/pressemitteilungen/2009/corporate_communication/axx20091004.htm Pressemitteilung Siemens], 23. Oktober 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>


Ebenfalls im Juli 2009 nahm Fischer eine Beratertätigkeit für den Automobilhersteller [[BMW]] auf; laut Konzern mit dem Auftrag zur Entwicklung nachhaltiger Strategien, die das Öko-Bewusstsein der Konzernmitarbeiter verbessern sollen. <ref>[http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,650160,00.html "Joschka Fischer berät BMW"], Spiegel.de vom 20. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref> Eine Vergrünung des "Corporate Image" ist für den Auto-Produzenten wahrscheinlich ein willkommener Nebeneffekt. Unklar ist, was Fischers genaue Aufgaben bei BMW sind. Laut Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe, gibt es weder Nachfragen von seiner Seite, noch steuert der Außenminister a.d. inhaltliche Expertise bei, was die Produktion oder die Entwicklung neuer Autos betrifft. Es ginge eher um Image-Pflege. Denn die Produkte wären nicht umweltfreundlicher geworden.<ref>[http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7943466 ARD exclusiv: Rot Grün macht Kasse], ARD Mediathek vom 18.08.2011, abgerufen am 19.08.2011</ref>  
Im September 2010 wurde bekannt, dass sich auch die Supermarkt-Kette [[REWE]] die Dienste von Fischer sichern konnte.<ref>[http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/dick-im-geschaeft/ "Dick im Geschäft"], taz.de vom 08. September 2010, abgerufen am 08. September 2010.</ref>


2007 gründete er das Beratungsunternehmen "Joschka Fischer Consulting". Bezüglich seiner Klienten hielt er sich bisher weitesgehend bedeckt. 2008 engagierte ihn Madeleine Albright als Berater für ihre Firma "[[The Albright Group LLC]]".<ref>[http://www.thealbrightgroupllc.com/Who_We_Are.htm Who we are], Website der Albright Group, abgerufen am 30. Juni 2010</ref> Seit 2009 firmiert er in Berlin gemeinsam mit seinem ehemaligen Parteifreund und langjährigem Mitarbeiter [[Dietmar Huber]] unter "Joschka Fischer & Co.". <ref>[http://www.bild.de/BILD/politik/2009/09/20/ex-aussenminister-joschka-fischer/berater-bei-bmw.html "Joschka Fischer jetzt Berater für BMW"], Bild.de vom 19. September 2009, abgerufen am 19. März 2010</ref>
== Weitere Informationen ==


==== Kritik der Kritik ====
Schmidt, Christian Y.: [http://www.verbrecherverlag.de/buch/699 Wir sind die Wahnsinnigen. Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang.] 1998.
Man kann Fischer zu Gute halten, dass er die von [[LobbyControl]] geforderte [[Karenzzeit]] von 3 Jahren einhielt, bevor er nach seinem letzten politischen Mandat offiziell als Lobbyist tätig wurde. Anders herum zeigt der Fall Fischer: Phänomene wie Seitenwechsel und Lobbyismus sind durch Ethik-Regeln und Verhaltens-Kodices allein nicht in den Griff zu bekommen.


== Weiterführende Informationen ==
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* [http://de.wikipedia.org/wiki/Joschka_Fischer Joschka Fischer auf wikipedia]
* [http://www.spinprofiles.org/index.php/European_Council_on_Foreign_Relations European Council on Foreign Relations] auf spinprofiles.org


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references/>
<references/>
[[Kategorie:Person]]
[[Kategorie:Seitenwechsel]]
[[Kategorie:Automobil]]
[[Kategorie:Energie]]
[[Kategorie:Bündnis 90/Die Grünen]]
[[Kategorie:Minister]]

Aktuelle Version vom 6. April 2020, 10:11 Uhr

Vorlage:Seitenwechsel-Box Joseph Fischer (* 12. April 1948 in Gerabronn) ist ein Politiker des Bündnis 90/Die Grünen, ehemaliger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland in der Regierung Gerhard Schröder und seit 2007 Unternehmensberater und Lobbyist.

Zu seiner Zeit als Außenminister sprach sich Fischer energisch für die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovokrieg (1999) aus, bei dem deutsche Truppen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Kriegseinsatz beteiligt waren. Aus dieser Zeit resultiert sein gutes Verhältnis zu Madeleine Albright, der damaligen US-Außenministerin, mit der er später zusammen in Beratertätigkeiten arbeiten sollte.

Karriere

  • 2009 Gründung der Lobbyorganisation Joschka Fischer & Company[1]
  • 2008 Berater für The Albright Group LLC[4]
  • ab 2007 Unternehmensberater
  • ab Herbst 2006 Gastprofessor für internationale Wirtschaftspolitik an der Frederick H. Schultz Class der Woodrow Wilson School der Princeton University (USA)
  • 1998-2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland
  • 01.01.1999-30.06.1999 Präsident des Rats der Europäischen Union
  • 1994-1998 Fraktionsvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen
  • 1987-1991 Mitglied des Hessischen Landtags und Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag
  • 1985-1987 und 1991-1994 hessischer Umweltminister

Verbindungen und Netzwerke

  • Bei den Grünen war Fischer neben Otto Schily ein Aushängeschild des sog. Realo-Flügels.

Joschka Fischer entstammt der Frankfurter undogmatischen Linken, wo er Anfang der 1970er Jahre in der Gruppierung Revolutionärer Kampf aktiv war. Zu diesem Umfeld gehörten neben vielen anderen auch Daniel Cohn-Bendit (später Europa-Politiker), Thomas Schmid (später Chef-Redakteur der Tagesszeitung Die Welt) , Reinhard Mohr (später Redakteur und Autor des Magazins Der Spiegel) .[2] Seine guten Kontakte zu Tom Koenigs stammen ebenfalls aus dieser Frankfurter Zeit.

Wirken

Seitenwechsel: BMW, Siemens, RWE...

Joschka Fischer blieb nach dem Ende der Rot-Grünen Koalition noch bis zum 1. September 2006 Bundestagsabgeordneter. Nach einer einjährigen Pause erfolgte 2007 der Wechsel in die Privatwirtschaft, Fischer gründete sein eigenes Beratungsunternehmen Joschka Fischer Consulting. Bezüglich seiner Klienten hielt er sich bisher weitesgehend bedeckt. 2008 engagierte ihn Madeleine Albright als Berater für ihre Firma The Albright Group LLC.[3] Seit 2009 firmiert er in Berlin gemeinsam mit seinem ehemaligen Parteifreund und langjährigem Mitarbeiter Dietmar Huber unter dem Namen "Joschka Fischer & Co.". [4]

Ebenfalls im Juli 2009 nahm Fischer eine Beratertätigkeit für den Automobilhersteller BMW auf. Laut Konzern erhielt er den Auftrag nachhaltige Strategien zu entwickeln, die das Öko-Bewusstsein der Konzernmitarbeiter verbessern sollen. [5] Eine Vergrünung des "Corporate Image" ist für den Auto-Produzenten ein willkommener Nebeneffekt. Unklar ist, was Fischers genaue Aufgaben bei BMW sind. Laut Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe, gibt es weder Nachfragen von seiner Seite, noch steuert der Außenminister a.D. inhaltliche Expertise bei, was die Produktion oder die Entwicklung neuer Autos betrifft. So diene das Engagement vielmehr der Image-Pflege.[6]

Anfang Juli 2009 hatte Fischer einen zunächst bis Ende 2010 befristeten Beratervertrag mit den Energiekonzernen RWE Supply & Trading und OMV Gas & Power (Österreich) abgeschlossen, für die er in den beteiligten Ländern das private Pipeline-Projekt "Nabucco" vorantrieb. [7] Beide Unternehmen sind zusammen mit etwa 33 % an dem Projekt beteiligt und setzen dabei auf Fischers energie- und außenpolitische Erfahrungen, um politische Barrieren gegen das Projekt zu überwinden bzw. im Vorfeld zu vermeiden. [8] Dass Fischer als ehemaliger Spitzenpolitiker der Grünen, der Partei die aus der Anti-Atomkraftbewegung hervorging, sich nun für den Betreiber von Atomkraftwerken RWE einsetzte, steht für ihn scheinbar in keinem Widerspruch.[9]

Im Oktober 2009 verkündete Siemens, die Hilfe von Joschka Fischer (und Madeleine Albright) in Anspruch zu nehmen. Sie sollten den Konzern mit ihren "einzigartigen Erfahrungsprofilen und Netzwerken" zu "gesellschaftlichen und geopolitischen Fragestellungen sowie Gewichtsverlagerungen in der Weltwirtschaft" beraten. [10]

Im September 2010 wurde bekannt, dass sich auch die Supermarkt-Kette REWE die Dienste von Fischer sichern konnte.[11]

Weitere Informationen

Schmidt, Christian Y.: Wir sind die Wahnsinnigen. Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang. 1998.

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Einzelnachweise

  1. ↑ "Dick im Geschäft", taz.de vom 08.09.2010, abgerufen am 08.09.2010.
  2. ↑ "Christian Schmidt: Wie die Spontis die Grünen eroberten", Inhaltsangabe des Buches "Wir sind die Wahnsinnigen" auf www.single-generation.de, abgerufen am 23. März 2010.
  3. ↑ Who we are, Website der Albright Group, abgerufen am 30. Juni 2010
  4. ↑ "Joschka Fischer jetzt Berater für BMW", Bild.de vom 19. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
  5. ↑ "Joschka Fischer berät BMW", Spiegel.de vom 20. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
  6. ↑ ARD exclusiv: Rot Grün macht Kasse, ARD Mediathek vom 18.08.2011, abgerufen am 19.08.2011
  7. ↑ Pressemitteilung RWE, 06. Juli 2009, abgerufen am 19. März 2010
  8. ↑ "Energie-Lobbyist Fischer fordert Hilfe der EU", Welt.de vom 11. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
  9. ↑ "Lobbying für das Nabucco-Projekt", taz.de vom 08. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
  10. ↑ Pressemitteilung Siemens, 23. Oktober 2009, abgerufen am 19. März 2010
  11. ↑ "Dick im Geschäft", taz.de vom 08. September 2010, abgerufen am 08. September 2010.