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Gerhard Schröder

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Gerhard Fritz Kurt Schröder (* 7. April 1944 in Mossenberg), SPD, Ex-Bundeskanzler, heute ein prominentes Beispiel für den Seitenwechsel aus der Politik in Lobbytätigkeit, Rechtsanwalt. Die inhaltliche Ausrichtung seiner Kanzlerschaft, etwa der Reformkurs in Rente, Gesundheit und den Hartz-Gesetzen, sowie die Teilnahme am Kosovo-Krieg, führten zu innerparteilichen Konflikten. In den Jahren seiner Kanzlerschaft hat sich eine bis dahin beispiellose Öffnung der Bundesregierung für Anliegen und Methoden des Lobbyismus vollzogen. Im Zuge des Weltfinanzcrash 2007 erscheint vor allem die unter Schröder vorangetriebene Finanzmarktderegulierung, z.B. durch die Öffnung des deutschen Marktes gegenüber Hedgefonds, von Bedeutung.

Karriere

  • seit 2010 Mitglied des NBI 21st Century Council sowie des Council for the Future of Europe des Berggruen Institute on Governance
  • 2009-2011 Aufsichtsratsvorsitzender von TNK-BP
  • seit 2006 Vorsitzender des Gesellschafterausschusses bei Nordstream AG
  • seit 2006 Berater für "Fragen internationaler Politik" bei Ringier AG
  • seit 2006 Rechtsberater des RAG-Konzern
  • seit 2006 Vertrag als Vortragsredner bei der Redner-Agentur Harry Walker
  • 2006 - 2016 Mitglied im Europa-Beirat der Rothschild-Investmentbank
  • 2005 - 2010 Tätigkeit als Rechtsanwalt für Fromberg und Collegen und als freiberuflicher Berater
  • 1998 - 2005 Bundeskanzler
  • 1999 - 2004 Vorsitzender der SPD
  • 1994 - 1998 Ministerpräsident von Niedersachsen in einer SPD-Alleinregierung
  • 1990 - 1994 Ministerpräsident von Niedersachsen in einer Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen
  • seit 1989 Mitglied des SPD-Präsidiums
  • 1986 - 1990 Mitglied des niedersächsischen Landtages und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
  • 1980 - 1986 Mitglied des Bundestages für die SPD
  • 1978 - 1990 selbstständiger Rechtsanwalt in Hannover
  • 1978 - 1980 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos)
  • 1966 - 1971 Studium der Rechtswissenschaften

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Kritik

Seitenwechsel

  • Schröder ist ein prominentes Beispiel für den Seitenwechsel aus der Politik in die Wirtschaft. In seiner Funktion als Bundeskanzler hatte Schröder zusammen mit Russlands Präsident Wladimir Putin das Projekt einer Erdgaspipeline durch die Ostsee massiv gefördert. Betreiber und Eigentümer dieser Pipeline ist die Nord Stream|Nord Stream AG, welche zu 51% Gazprom, zu jeweils 20% E.on und BASF und zu 9% Gasunie gehört.[9] Ende März 2006 wurde bekannt, dass die Regierung Schröder nach der Wahlniederlage, aber noch vor dem Ende seiner Amtszeit, eine staatliche Bürgschaft für einen Kredit der deutschen Banken KfW und der Deutschen Bank AG in Höhe von 1 Mrd. Euro für Gazprom übernehmen wolle.[10] Dabei handelte es sich um eine Bürgschaft für einen sogenannten „ungebundenen Kredit“, welcher von deutschen Banken an ausländische Unternehmen vergeben wird, um dadurch „nationale Interessen“ zu sichern, was in diesem Fall mit der langfristigen Sicherstellung der Energieversorgung begründet wurde. Ungewöhnlich war allerdings, dass sich dieser Vorgang in so kurzer Zeit in den letzten Monaten der Regierung Schröder abspielte. Schröder selbst bestritt, Kenntnis von der Bürgschaft gehabt zu haben. Nach Angaben aus Regierungskreisen haben zwar der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Schröders Wirtschaftsberater im Kanzleramt Bernd Pfaffenbach und der Staatssekretär im Finanzministerium Caio Koch-Weser von den Verhandlungen gewusst und die Bürgschaft genehmigt, der Kanzler selbst wurde aber „bewusst“ nicht informiert.[11] Am 18. April 2006 lehnte Gazprom den Kredit ab, wodurch die Bürgschaft hinfällig wurde. Fünf Monate nachdem Schröder aus dem Amt als Bundeskanzler ausgeschieden war wechselte er zur Nord Stream AG, wo er den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm.
  • Seit 29.09. 2017 ist Schröder Mitglied des Aufsichtsrats des russischen Ölkonzerns Rosneft. Der Schritt löste heftige öffentliche Kritik aus. Hauptkritikpunkt ist dabei die Nähe des Konzerns zum Kreml. Die engen Beziehungen zwischen Staat und Konzern führten dazu, dass die gegen Russland verhängten Sanktionen gerade auch Rosneft betreffen, „um Russland[s] außenpolitische Eigenständigkeit" zu beschränken.[12] In diesem Zusammenhang wurde die Kritik geäußert, dass eine Aufsichtsratmitgliedschaft Schröders solche Sanktionen untergrabe.[13] LobbyControl urteilte, dass man zur Verteidigung Schröders anführen könne, dass seine Kanzlerschaft bereits 12 Jahre zurückliege und er daher die Handlungsfreiheit eines Privatmanns habe. Als ehemaliger Bundeskanzler stehe Schröder allerdings in einem besonderen Verantwortungsverhältnis zu den Menschen in Deutschland, zumal er nach wie vor für die SPD Politik mache.[14] Hinzukommt, dass Schröder selbst sein Russland-Engagement nicht nur mit privaten, sondern durchaus auch politischen Motiven begründet.[15]
  • Von 2009 bis 2011 war Schröder einer von 3 Aufsichtsratsvorsitzenden von TNK-BP, einem russisch-britischen Energieunternehmen. Dabei soll er vor allem als Vermittler zwischen den Interessen von BP und TNK gedient haben, da es in der Vergangenheit zu heftigen Streigkeiten in der Vorstandsriege kam.[16] Zudem, so hieß es in einer Broschüre von TNK-BP, war Umweltschutz eine seiner Aufgaben. Eine ARD-Exclusiv Reportage deckte auf, dass obwohl Schröder in der Konzern-Broschüre angab, ein Fördergebiet TNK-BPs in West-Sibirien zu kennen, es dort massive Umweltprobleme durch Öl-Lecks gab. In der Broschüre äußerte sich Schröder positiv über die Fortschritte, die in West-Sibirien im Bereich Umweltschutz gemacht wurden. Auf eine Anfrage der ARD-Exklusiv-Redaktion behauptete er, das betreffende Gebiet in West-Sibirien nicht zu kennen.[17] Derartige Ungereimtheiten werfen die Frage auf, worin genau die Aufgabe Schröders in dem Unternehmen bestand. Sein Jahresgehalt belief sich laut Manager Magazin auf ca. 200.000 Euro.[18] Das Unternehmen wurde 2013 von Rosneft aufgekauft.[19]
  • Seit 2006 berät Schröder die Schweizer Verlagsgruppe Ringier in "Fragen internationaler Politik. In einem Interview ließ Verleger Ringier offen verlauten, dass Schröder als „Türöffner“ geholt worden sei.[20]
  • Von 2006 bis 2016 war Schröder Mitglied im Europa-Beirat der Rothschild-Investmentbank. Dort sollte er seine internationale Expertise, vor allem in Wachstumsregionen wie Osteuropa, Rußland, Türkei und China, einbringen. Um den Anschein von Interessenkonflikten zu vermeiden, hat Schröder dagegen nicht im Deutschland-Geschäft beraten, berichtet die FAZ.[21]
  • 2005 stellte Werner Müller, der zwischen 1998 und 2002 Wirtschaftsminister unter Schröder war und seit 2003 Vorsitzender des RAG-Vorstandes ist, Kernpunkte eines Konzeptes vor, nach dem er den staatlich subventionierten deutschen Steinkohlebergbau neu ordnen wollte. Dies sollte durch den Börsengang von RAG geschehen. Schröder unterstütze das Vorhaben [22], konnte es aber in seiner Amtszeit aufgrund von vorgezogenen Neuwahlen nicht mehr durchsetzen. Nach Schröders Ausscheiden aus der Politk war es Müller, der Schröder als Rechtsberater für RAG gewann. Daraufhin beriet Schröder den RAG-Konzern bei den Verhandlungen mit der neuen Bundesregierung über den geplanten Börsengang des Chemie- und Energieunternehmens. [23] Dies geschah nach Aussage eines RAG-Sprechers unentgeldlich und ohne Beratervertrag.[24]
  • Einge Verflechtungen scheint es auch zwischen Schröder und dem deutsch-US-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen zu geben: Schröders damalige Ehefrau Doris Schröder-Köpf war von 2011-2012 Mitglied des Aufsichtsrats von Karstadt.[25] Die Warenhauskette gehörte von 2010-2014 Berggruen. Der von Berggruen betriebene Think Tank Berggruen Institute gründete 2010 den 21st Century Council sowie den Council on the Future of Europe, in denen Schröder Mitglied ist.[26]

Verbindungen

Gerhard Schröder und Werner Müller sind langjährige Weggefährten. Der parteilose Energiefachmann Müller war im ersten Kabinett Schröders von 1998 bis 2002 Wirtschaftsminister, seit Mitte 2003 war er zeitweise Vorsitzender des RAG-Vorstands.

Weiterführende Informationen

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Einzelnachweise

  1. Biografie, hdg.de, abgerufen am 18.04.2017
  2. Biografie, gerhard-schroeder.de, abgerufen am 13.09.2017
  3. Ex-Kanzler Schröder wird Öl-Aufsichtsrat, Spiegel-online vom 15.01.2009, abgerufen am 18.04.2017
  4. Altkanzler Schröder berät RAG bei Börsengang, FAZ-online vom 10.02.2006, abgerufen am 18.04.2017
  5. Schröder berät die Investmentbank Rothschild, FAZ-online vom 24.03.2006, abgerufen am 18.04.2017
  6. Promi-Agentur vermittelt Schröder als Redner, Spiegel-online vom 27.12.2005, abgerufen am 18.04.2017
  7. Rücktritt Schröder, handelsblatt.com, vom 09.12.2011, abgerufen am 18.04.2017
  8. Schröder berät Medienkonzern Ringier, FAZ-online vom 24.11.2015, abgerufen am 13.09.2017
  9. Organigramm der Nord Stream AG, theofficialboard.de, abgerufen am 18.04.2017
  10. Regierung Schröder soll Bürgschaft für Gasprom übernommen haben, Spiegel-online vom 31.03.2006, abgerufen am 18.04.2017
  11. Der GaGasprom-Kanzler, Spiegel-online vom 10.04.2006, abgerufen am 18.04.2017
  12. A.Ballin et.al.: Genosse Expansion; In: Wirtschaftswoche Nr. 38 08/09/2017, S.38
  13. Kritik an Schröders Nominierung für Rosneft-Aufsichtsrat, Zeit-online vom 13.08.2017, abgerufen am 14.09.2017
  14. Schröders Rosneft-Job wird zum Problem für die SPD, lobbycontrol.de vom 23.08.2017, abgerufen am 14.09.2017
  15. Warum der Rosneft-Job nicht lupenrein ist, Wiwo.de vom 07.09.2017, abgerufen am 14.09.2017
  16. Ex-Kanzler Schröder wird Öl-Aufsichtsrat, Spiegel-online vom 15.01.2009, abgerufen am 18.04.2017
  17. ARD exclusiv: Rot Grün macht Kasse, ARD Mediathek vom 18.08.2011, abgerufen am 18.04.2017
  18. [http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,680306-9,00.html Zweite Karriere: Die Gerhard-Schröder-AG], Manager Magazin, abgerufen am 18.04.2017
  19. Rosneft kauft TNK-BP, handelsblatt.com, vom 21.03.2013, abgerufen am 20.04.2017
  20. Ich kochte in Berlin für ihn, Ringier war dabei, FAZ-online vom 12.12.2005, abgerufen am 18.04.2017
  21. Schröder berät die Investmentbank Rothschild, FAZ-online vom 24.03.2006, abgerufen am 18.04.2017
  22. Schröder dafür, n-tv.de vom 06.03.2005, abgerufen am 14.09.2017
  23. Altkanzler Schröder berät RAG bei Börsengang, FAZ-online vom 10.02.2006, abgerufen am 18.04.2017
  24. Schröder wird zum Kohle-Kumpel, Spiegel-online vom 09.02.2006, abgerufen am 13.09.2017
  25. Doris Schröder-Köpf verlässt Karstadt Aufsichtsrat, karstadtnachrichten.de vom 23.04.2012, abgerufen am 15.09.2017
  26. Gerhard Schröder, governance.berggruen.org abgerufen am 15.09.2017