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Health and Environmental Sciences Institute

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Health and Environmental Sciences Institute (HESI)
Rechtsform gemeinnützige Organisation nach US-Recht (501 c organization)
Tätigkeitsbereich Weltweit tätiges Netzwerk, in dem Vertreter der Chemie- und Pharmabranche mit industrienahen Wissenschaftlern und Regulatoren kooperieren
Gründungsdatum 1989
Hauptsitz Washington/DC
Lobbybüro
Lobbybüro EU
Webadresse hesiglobal.org


Das Health and Environmental Sciences Institute (HESI) ist 1989 als weltweit tätige Tochtergesellschaft des International Life Science Institute (ILSI) gegründet worden.[1] Nach eigenen Angaben ist das Ziel von HESI, ein internationales Forum für Wissenschaftler aus dem öffentlichen Bereich und der Privatwirtschaft zu schaffen, um globale Gesundheits- und Umweltprobleme zu identifizieren und zu lösen.[2] Der öffentliche Bereich umfasst Universitäten, Behörden, Forschungsinstitute und gemeinnützige Stiftungen. Zur Tätigkeit gehört auch die Gründung branchenübergreifender Netzwerke.[3]

HESI wird von der Chemie-, Pharma- und Gentechnikindustrie gesteuert und finanziert. Die Einbindung von Wissenschaftlern aus dem universitären Bereich soll dem Institut einen neutralen Anstrich verschaffen. Die Beteiligung von Regierungsbehörden führt zu institutionalisierten Kontakten, die den Einfluss auf die Regulierung der betroffenen Märkte im Sinne der Sponsoren erleichtern. In den Ausschüssen („Committees“) kooperiert die Industrie mit Regulierern und beeinflusst über eine Vielzahl von Studien und Arbeitsgruppen Entscheidungsträger in staatlichen Institutionen und Forschungsinstituten.

Lobbystrategien und Einfluss

Zu den Behörden, die im Rahmen des HESI mit der Industrie kooperieren, gehören u.a.[4]

Die Lobbyaktivitäten werden im Wesentlichen über die Ausschüsse („Committees“) organisiert. Eine zentrale Rolle spielt der RISK21 Ausschuss, der sich mit den Gesundheitsrisiken von Stoffen beschäftigt. Am RISK21 Projekt sind die US Environmental Protection Agency (EPA), das Joint Research Center der EU-Kommission und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) beteiligt, die auf europäischer Ebene für die Prüfung von Glyphosat zuständig ist. Zu den beteiligten Unternehmen gehört u.a. der Glyphosat-Hersteller Monsanto. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von RISK21 ist Angelo Moretto, der gleichzeitig Mitglied des Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR) ist, das Glyphosat im Auftrag der genannten Organisationen bewertet. Ehemaliges Mitglied des „Integrated Strategic Subteam“ von RISK 21 ist Roland Solecki, beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) für die Prüfung von Glyphosat zuständiger Leiter der Abteilung „Sicherheit von Pestiziden“.[5] Ein weiteres Mitglied des Subteams war James Sherman von Monsanto.

Nach Auffassung der "Grünen" werden im RISK21 Ausschuss Gesundheitsrisiken entgegen internationalen Gepflogenheiten im Sinne der Industrie bewertet.[6]

Fallbeispiele und Kritik

RISK21 Ausschuss

Der Ausschuss ("Committee") "Risk Assessment in the 21st Century" (RISK21), der sich mit der Bewertung von Gesundheitsrisiken befasst, ist der wichtigste Ausschuss. Er hat 8 Studien veröffentlicht und Arbeitstagungen organisiert, die von Mitgliedern des RISK21 Teams geleitet wurden.[7] An diesen haben insgesamt über 500 Wissenschaftler und Regulatoren teilgenommen.

Der RISK21 Ansatz bei der Risikoprüfung wird u.a. als wie folgt beschrieben: „Exposure-led: Considers relevant exposures estimates up-front to prioritize and determine data needs“. Nach Einschätzung der Bundestagsfraktion der Grünen bedeutet dies, dass zunächst nicht mehr das grundsätzliche gesundheitsschädigende Potential eines Stoffes bewertet wird, sondern vorab eine Expositionsabschätzung vorgenommen werden soll. [8] Auf Grundlage der vermuteten Belastung mit dem zu prüfenden Stoff werde dann eine Risikoabschätzung (englisch: risk assessment) vorgenommen. Der Schritt der allgemeinen Gefahrenbewertung (hazard assessment) werde übersprungen. Dieses Vorgehen widerspreche international üblichen Bewertungsverfahren, die die generelle Gefahrenbewertung vor die spezifische Risikobewertung stellten. Ziel sei es offenbar, die relativ strikte EU-Pestizidgesetzgebung so zu umgehen.

Dem Wissenschaftlicher Beirat von RISK21 gehören an[9]:

  • Michelle Embry, HESI
  • John Arnot, Arnot Research and Consulting
  • Ammie Bachman, ExxonMobil
  • Rick Becker, American Chemistry Council (Interessenvertretung der US-Chemieindustrie)
  • Judy LaKind, LaKind Associates (Unternehmen zur Bewertung von Gesundheitsrisiken)
  • Angelo Moretto, University of Milan, Mitglied des HESI-Kuratoriums, Mitglied des Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR)[10]
  • Tessa Serex, DuPont
  • Justin Teeguarden, Pacific Northwest Laboraty (PNNL)
  • Marcelo Wolansky, University of Buenos Aires
  • Doug Wolf, Syngenta

Ad hoc Berater sind:

  • Tara Barton-Mc Claren, Health Candad
  • Patience Brown, OECD
  • Gino Scarano, United States Environmental Protection Agency (USEPA)
  • Maurice Whelan, Joint Research Center der EU-Kommission (JCR)
  • Zuzana Kloslova, Europäische Chemikalienagentur (ECHA)

Die beteiligten HESI-Manager sind:

  • Michelle Embry
  • Jennifer Young Tanir

An dem Projekt haben sich 2016-2017 die folgenden Unternehmen und Regierungsinstitutionen beteiligt[11] :

Organisationsstruktur, Personal und Verbindungen

Mitgliederversammlung ("Assembly")

Die Mitgliederversammlung wählt u.a. das Kuratorium.

Laut Satzung ("Bylaws", Art. II) nehmen an der Mitgliederversammlung teil:

  • Im öffentlichen Bereich tätige Einzelpersonen, die in Ausschüssen („Committees) mitarbeiten oder Mitglieder des Kuratoriums sind
  • Je ein offizieller Vertreter der Sponsoren
  • In Unternemen der Sponsoren tätige Einzelpersonen, die in Ausschüssen („Committees") mitarbeiten oder Mitglieder des Kuratoriums sind

Quelle: [12]

Kuratorium ("Board of Trustees")

Das von der Mitgliederversammlung gewählte Kuratorium ist das Leitungsorgan von HESI.

Die 31 Mitglieder sind hier abrufbar. Zu ihnen gehören u.a.

  • Timothy P. Pastoor (Präsident), Pastoor Science Communications, LLC
  • Ernie Harpur (Vorsitzender), Newcastle University
  • Bennard van Ravenzwwy, BASF
  • Sonja Beken, Mitglied der „Safety Working Party“ bei der Europäische Arzneimittelagentur

Sponsoren

Sponsoren können nur Unternehmen werden, die sich auf den relevanten Märkten betätigen. Die Höhe der jährlichen Sponsorenbeiträge hängt von den weltweiten Umsätzen der Unternehmen ab. Die Sponsorenbeiträge reichen von 800 $ (Umsatz unter 5 Mio. $) bis 59.100 $ (Umsatz über 100 Mrd. $). Die Sponsoren erhalten ein Stimmrecht in der Mitgliederversammlung ("Assembly") und können in den sie interessierenden Ausschüssen („Committees“) und/oder Projekten mitwirken. Daneben können einzelne Ausschüsse („Committees“) gesponsert werden. Bei den Technischen Ausschüssen („Technical Committees“) liegen die Sponsorenbeiträge zwischen 6.000 $ (Biomarkers of Nephrotoxicity) und 20.000 $ (Risk Assessment in the 21st Century).

Quelle: [13]

Kooperationspartner

Bei den Kooperationspartnern wird unterschieden zwischen:

Ausschüsse ("Committees")

Es gibt 12 Technische Ausschüsse („Technical Committees“) und drei Unterausschüsse („Emerging Issuses Subcommittees“). Die Ausschüsse bewerten und koordinieren Forschungstätigkeiten, veröffentlichen Ergebnisse und Perspektiven und sponsern weltweit Symposien und Arbeitstagungen. Sie werden meist auf Initiative des Kuratoriums gegründet und sind für die Finanzierung selbst verantwortlich. Über die Förderung entscheiden die Sponsoren auf der Grundlage der Projektbewertung ihrer Vertreter in den betreffenden Ausschüssen. Möglich ist auch eine Finanzierung durch andere Akteure wie z.B. Behörden. Einzelheiten sind in der Satzung ("Bylaws", Artikel IX) geregelt. Die Unterausschüsse werden von Sponsoren finanziert (Artikel VIII). Jeder Ausschuss wird von mindestens einem Programm-Manager unterstützt. HESI ersetzt „Future Leaders“ die Kosten für Unterkunft und Anreise zu gesponserten Veranstaltungen bis zu 1.500 $ (Veranstaltungen im eigenen Land) und 2.500 $ (Veranstaltungen im Ausland)[14]


Weiterführende Informationen


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. HESI Official Representative Training, ilsi.org/hesi, abgerufen am 09.12.2017
  2. Bylaws, hesiglobal.org, abgerufen am 10.12.2017
  3. 2016-2017 Activities Report, hesiglobal.org, abgerufen am 13.12.2017
  4. Government Agencies, hesiglobal.org, abgerufen am 14.12. 2017
  5. RISK21 Technical Committee Members, hesiglobal.org, abgerufen am 13.12.2017
  6. Keine Entwarnung - Glyphosat weiterhin „wahrscheinlich krebserregend“, gruene-bundestag.de vom 17.05.2016, abgerufen am 11.12.2017
  7. Key accomplishments, hesiglobal.org, abgerufen am 13.12.2017
  8. Keine Entwarnung - Glyphosat weiterhin „wahrscheinlich krebserregend“, gruene-bundestag.de vom 17.05.2016, abgerufen am 11.12.2017
  9. Science Advisory Board, risk21.org, abgerufen am 13.12.2017
  10. List of Experts, who.int, abgerufen am 12.12.2017
  11. 2016-2017 Participating Organizations, risk21.org, abgerufen am 13.12.2017
  12. Bylaws, hesiglobal.org, abgerufen am 10.12.2017
  13. 2017 Sponsorship Application, hesiglobal.org, abgerufen am 09.12.2017
  14. HESI FUTURE LEADERS TRAVEL AWARD, hesiglobal.org, abgerufen am 11.12.2017