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Klaus F. Zimmermann

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Klaus F. Zimmermann (2. Dezember 1952 in Göppingen), Professor für Wirtschaftswissenschaftliche Staatswissenschaften an der Uni Bonn, war bis Februar 2016 Direktor des Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Er hatte sich zuletzt mit Klaus Zumwinkel, dem Präsidenten des IZA und der Deutsche Post-Stiftung, über den künftigen Kurs des Instituts zerstritten.[1] Zimmermann wechselt demnächst an die US-Eliteuniversität Harvard.

Im Jahr 2000 wurde Zimmermann Präsident des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das er mit umstrittenen Methoden auf einen neoliberalen Kurs brachte. Nach diversen Skandalen, dem Ausschluss des DIW von der Gemeinschaftsdiagnose und der Kritik des Landesrechnungshofes Berlin am DIW und an Zimmermann trat dieser im Februar 2011 unter massivem Druck zurück.

Zimmermann vertritt arbeitgebernahe Positionen und wirkt in Organisationen der Arbeitgeber mit. Er ist Mitglied von Wissopol, dem sozialpolitischen Gesprächsforum der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Weiterhin ist er Autor im ÖkonomenBlog der Arbeitgeber-Organisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Zu den Policy Fellows des IZA gehören die INSM-Kuratoren/Botschafter Johann Eekhoff, Florian Gerster, Oswald Metzger und Thomas Straubhaar sowie der ehemalige INSM-Geschäftsführer Tasso Enzweiler. Policy Fellows sind auch Nico Fickinger vom INSM-Finanzier Gesamtmetall und Karen Horn, die als wichtige Koordinatorin neoliberaler Netzwerke fungiert.


Karriere

  • 1998-02/2016 Direktor des Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)
  • 2000-02/2011 Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin
  • seit 1998 Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften der Universität Bonn
  • 1993-1995 zugleich Dekan der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität München
  • 1989-1998 Ordinarius für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie an der Universität München und Direktor des SELAPO Center for Human Resources
  • Studium der Volkswirtschaftslehre und Statistik an der Universität Mannheim, wo er als Diplom-Volkswirt abschloß, promovierte und habilitierte.

Quelle: [2]


Verbindungen / Netzwerke

Quellen: [2], [3]

Wirken

Umstrittene Tätigkeit als Präsident des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Als Präsident des DIW (2000 - 2011) hat Zimmermann mit allen Mitteln und einem autokratischen Führungsstil versucht, das ehemals keynesianisch ausgerichtete DIW in ein neoliberal orientiertes Forschungsinstitut umzuwandeln. Maßnahmen hierzu waren z. B.

  • die Entlassung von Gustav Horn (Chef der Konjunkturabteilung) im Jahre 2004, nachdem dieser abweichend von Zimmermanns Meinung die Agenda 2010 überwiegend kritisch beurteilt hatte. Gegen die Entlassung protestierten führende europäische Wirtschaftsforschungsinstitute und DIW-Mitarbeiter (darunter auch die früheren Präsidenten Lutz Hoffmann und Hans-Jürgen Krupp).[4][5][6]
  • die Einbindung von profilierten Köpfen aus Politik und Wirtschaft als "Distinguished Fellows". Erster "Distinguished Fellow" wurde im November 2004 Oswald Metzger[7], der damals noch Mitglied der Grünen war (seit 2008 ist er CDU-Mitglied), jedoch als Kurator der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INMS) bereits dezidiert neoliberale Positionen vertrat.[8] Metzger ist Botschafter der INSM sowie Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung und des Konvent für Deutschland. Zimmermann ist Autor des ÖkonomenBlog der INSM.
  • Studien des DIW, deren Ergebnisse seinen Erwartungen nicht entsprachen, passend zu machen. So wurde nach einem Bericht des Spiegel vom18. November 2010 eine Studie eines Arbeitsmarktexperten des DIW zum Fachkräftemangel, die den Fachkräftemangel als "Fata Morgana" bezeichnet hatte, von vorn bis hinten durchgebürstet - und der Linie des Präsidenten angepasst.[9]

2007 wurde das DIW von der Beratung der Bundesregierung in der halbjährlichen Gemeinschaftsdiagnose zur Konjunkturentwicklung mit der Begründung ausgeschlossen, das Angebot des DIW bei der Ausschreibung sei im Hinblick auf die zu erwartende Qualität und Zweckmäßigkeit hinter den besten vier Angeboten eingeordnet worden.[10] Nachdem der Landesrechnungshof Berlin dem DIW und Zimmermann Ende 2009 Fehlverwendung öffentlicher Mittel vorgeworfen hatte, kündigte Zimmermann im Februar 2011 an, sein Amt bis Jahresmitte 2011 zur Verfügung zu stellen.[11]


Fallstudien und Kritik

2014: IZA verklagt den Publizist Werner Rügemer

Im Mai 2014 verklagt Zimmermann den Publizist Werner Rügemer sowie Peter Kleinert, Herausgeber der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ). Grund ist ein Artikel über Lobbyismus, den Rügemer im August 2013 veröffentlichte. In dem Artikel wird das IZA als Beispiel dafür herangezogen, wie unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit und Unabhängigkeit Interessen vertreten werden. Das IZA klagt dagegen, dass es als 'nicht unabhängig' bezeichnet wird und keine 'freie Wissenschaft' betreiben würde.
Aus Sicht von LobbyControl ist die Gründung des IZA im Kontext eines erweiterten Lobbying, dem sog. „deep lobbying“, zu sehen. Dabei geht es darum, über die Einflussnahme auf Öffentlichkeit oder wissenschaftliche Diskurse indirekt bzw. längerfristig auf die Politik einzuwirken. Es ist recht klar, dass es eine Abhängigkeit des IZA von der Deutschen Post-Stiftung gibt. Die Stiftung stellt den Großteil der Finanzierung und sie ist laut Handelsregister-Unterlagen die alleinige Gesellschafterin des Instituts.[12], [13]


Weiterführende Informationen

Ein Sieg für Deutschlands Arbeitnehmer: Klaus Zimmermann verlässt das IZA, Newsblog Norbert Häring, 16. Dezember 2015


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Bonner Ökonom wechselt an die US-Eliteuniversität Harvard, Bonner General-Anzeiger vom 04. 03. 2016, abrufbar auf der Homepage von Zimmermann, abgerufen am 10. 03. 2016
  2. 2,0 2,1 Webseite IZA - Klaus F. Zimmermann Direktor abgerufen am 05.02.2013
  3. Curriculum Vitae abgerufen am 05.02.2013
  4. Michael Bauchmüller: Forschungsinstitut Aufstand der Ökonomen, Süddeutsche Zeitung vom 13. Juli 2004
  5. Entlassung am DIW löst internationale Proteste aus, Financial Times Deutschland, 17. Juni 2004
  6. Über Methoden, mit denen Neoliberale die Säuberung des DIW von nachfrageorientierten Ökonomen rechtfertigen NachDenkseiten vom 4. Mai 2005
  7. Pressemitteilung des DIW vom 18. November 2004
  8. Oswald Metzger als "Kronzeuge" für die neoliberale Spar- und Steuersenkungspolitik, NachDenkseiten vom 21. Januar 2005
  9. Forscherposse beim DIW, Der Spiegel vom 18. 11. 2012
  10. Pressemitteilung des DIW vom 11. Juli 2007
  11. Zimmermann-Abtritt Abschied ohne Rosen, Zeit online, 1. Februar 2011
  12. Was darf Lobbying genannt werden? LobbyControl vom 09.05.2014, abgerufen am 12.05.2014
  13. Unabhängigkeit vor Gericht taz vom 08.05.2014, abgerufen am 12.05.2014