Florian Hahn
Der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (*14. März 1974 in München), ist ein der Rüstungsindustrie nahestehender CSU-Politiker, der seit Mai 2025 Staatsminister im Auswärtigen Amt ist. Zuvor war er verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vizepräsident der Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e. V. (IDLw), der Verbände und Unternehmen der Rüstungsindustrie als fördernde Mitglieder angehören.[1][2] In der IDLw war er zuständig für die "Kontaktpflege parlamentarischer Bereich".[3] Auch als Staatsminister trat Hahn bei Veranstaltungen der IDLw auf - so beim 2. Weltraumsymposium „Wege zur Stärkung der Weltraumsicherheit in Deutschland und Europa“ im Oktober 2025.[4]
Von 2000 bis 2002 betätigte sich Hahn als Mitarbeiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann.[5] Weiterhin war er von 2020 bis 2023 Aufsichtsrat einer Genossenschaft (ohne Entgelt), die im November 2020 unter der Bezeichnung „Space Cooperative Europe SCE mit beschränkter Haftung“ mit Sitz in Ottobrunn gegründet wurde.[6] Die Genossenschaft fördert laut Protokoll der Gründungsversammlung unter anderem die Interessen ihrer Mitglieder im Bereich der Weiterentwicklung von Raumfahrt- und Weltraumtechnik sowie damit zusammenhängender wirtschaftlicher Aktivitäten. Sie kooperiert dabei mit internationalen Organisationen und Institutionen wie der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der EU und der EIB.[7] Im Dezember 2020 präsentierte Hahn das neu gegründete Unternehmen der Öffentlichkeit.[8]
Laut Recherchen des Online-Magazins Vice könnte Hahn auch eine Rolle in der "Aserbaidschan-Affäre" gespielt haben.[9]
Hahn wurde in der Vergangenheit wegen seiner (fortwährenden) Mitgliedschaft im Verteidigungsausschuss des Bundestags und der zeitweisen Mitgliedschaft im Aufsichtsrat des Rüstungsunternehmens Industrieanlagen Betriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung (IABG) und im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik ein Interessenkonflikt vorgeworfen. Beide Positionen hat Hahn 2017 aufgegeben. Die IABG gehört zu den Gründern der Space Cooperative Europe SCE mit beschränkter Haftung, in deren Aufsichtsrat Hahn von 2020 bis 2023 saß. Zudem sprach er sich immer wieder für Rüstungsexporte aus und trat als Fürsprecher der Rüstungswirtschaft in Erscheinung.
Inhaltsverzeichnis
Kritik und Lobbyfälle
Hahn setzt sich regelmäßig für die Belange der Rüstungswirtschaft ein. In seinem Wahlkreis "München Land" befinden sich sowohl Niederlassungen von Airbus (Airbus Defence and Space), als auch der IABG. Dort liegt außerdem der rüstungsnahe Ludwig-Bölkow-Campus, für den Hahn sich einsetzt. [10] [11]
Aserbaidschan-Affäre
Nach Recherchen[9] des Online-Magazins Vice bestehen Anhaltspunkte dafür, dass neben weiteren Politiker:innen auch Florian Hahn Teil der "Aserbaidschan-Connection" war. So sollen geheime Dokumente, die den Journalist:innen vorliegen, den mehrfachen Kontakt von Hahn mit der aserbaidschanischen Lobbyagentur "The European Azerbaijan Society" (TEAS) belegen.[12] Diese war eine bis 2017 bestehende, dem aserbaidschanischen Regime nahestehende Firma mit Sitz in Brüssel, welche laut eigenen Angaben im EU-Lobbyregister das Bild Aserbaidschans in der EU positiv beeinflussen und die Interessen des Landes in der EU und ihren Mitgliedsstaaten fördern wollte.[13]
Fragen der Journalist:innen ließ Hahn - anders als andere befragte Akteur:innen - größtenteils unbeantwortet.[14]
Der Erfolg der Agentur in ihrer Lobbytätigkeit zeigte sich insbesondere an formal und inhaltlich ähnlichen öffentlichen Äußerungen von Parlamentarier:innen in Bezug auf den Bergkarabach-Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien.[15] Die geheimen Dokumente sollen zudem gezeigt haben, dass die Lobbyagentur TEAS Hahn als Top-Kontakt in die deutsche Politik führte.[16]
Auf die Frage nach dem Einsatz von Drohnen im Bergkarabach-Konflikt , der zwar völkerrechtlich nicht grundsätzlich verboten, jedoch sehr umstritten ist[17], antwortete Hahn 2021 in einem Interview mit dem Deutschen Bundeswehrverband, man sehe,"dass andere Drohnen haben und nutzen, ob wir das wollen oder nicht." Erforderlich sei, dass "die Bundeswehr ihre Flugabwehr auf gesamter Linie wieder auf Vordermann bringt. Gerade auch zu Drohnenabwehr [...]."[18] Anstatt einer kritischen Haltung gegenüber Drohneneinsätzen wird hier eine Nähe zur Rüstungsindustrie deutlich, die Hahn bereits in der Vergangenheit den Vorwurf der Kungelei eingebracht hatte.[19]
In der "Aserbaidschan-Connection" sollen Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) eine zentrale Rolle gespielt haben. Dieser Gruppe gehörte auch Hahn von 2014 bis 2018 an.[20]
Vorwürfe des Interessenkonflikts: IABG
Im Oktober 2016 berichtete der Spiegel von Interessenkonflikten Hahns durch seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der IABG. Für die Funktion gab Hahn einen Verdienst von 15.000 - 30.000 € jährlich an. [21] Der Spiegel berichtete, dass Hahn sich in seiner Funktion als Berichterstatter der Union im Verteidigungsausschuss mehrmals für Rüstungsprojekte einsetzte, von denen die IABG profitierte: „Die Firma aus Hahns Wahlkreis sollte als Dienstleister Aufträge zur Vorbereitung und Begleitung der Rüstungsvorhaben bekommen.“ [22] Konkret handelte es sich um die europäische Kampfdrohne, die Raketen „Meteor“ sowie das Luftabwehrsystem „Meads“. Der Verteidigungsausschuss stimmte über die zu vergebenden Aufträge jeweils zugunsten der IABG ab. [23]
Der Spiegel machte in seiner Reportage auf weitere Verbindungen Hahns zur IABG aufmerksam:
So war Hahn Leiter des Arbeitskreises ‘‘Außen- und Sicherheitspolitik‘‘, der als Veranstalter des „Wehrtechnischen Kongress“, welcher Ende 2014 auf dem Firmengelände der IABG stattfand, auftrat.
Das Magazin wies außerdem auf die Finanzierung einer Broschüre zur Außen- und Sicherheitspolitik des Arbeitskreises hin, bei der Hahn das Grußwort verfasste: „Einziger Anzeigenkunde: die IABG. In der zweiten Ausgabe Ende 2015 schaltet die Firma wieder eine Anzeige.“
[24]
In einer Stellungnahme gab Hahn an, „keinerlei Interessenkonflikte“ zwischen seinen Tätigkeiten erkennen zu können. Er wies darauf hin, dass seine Einnahmen „in Übereinstimmung mit dem Parteiengesetz“ verbucht würden.[25] Damit ließ Hahn Anfragen des Spiegels, wie viel Geld die IABG für die Anzeigen zahlte, und wohin das Geld verbucht wurde, unbeantwortet. [26]
Die IABG ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, deren Präsidiumsmitglied Hahn war. [27] [28]
Einsatz für die Rüstungswirtschaft
Im August 2016 kündigte der damalige Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel an, die Rüstungsexporte reduzieren zu wollen. Hahn sprach daraufhin von der „Beerdigung der Rüstungsindustrie“. Nach Einschätzung der ZEIT wirkte diese - und ähnliche Äußerungen weiterer Unionspolitiker – als stammten sie direkt aus den Papieren von Waffenlobbyist:innen. [29]
Hahn setzte sich trotz der schlechten Menschenrechtslage für die Fortsetzung des Exports von Rüstungsgütern nach Saudi-Arabien ein: „Wenn solche Rüstungsexporte wie jetzt der Panzerverkauf an Saudi-Arabien nicht mehr zustande kommen, wird die deutsche Wehrindustrie nicht überleben.“ sagte er 2014 der Neuen Passauer Presse. [30]
Funktionen in Unternehmen
- 2020 bis 2023 Mitglied des Aufsichtsrat von Space Cooperative Europe SCE[31]
- 2010 bis 2017 IABG Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, Ottobrunn (mit dem Geschäftsbereich "Verteidigung und Sicherheit“)[32]
- 2025 bis 2017 Quantum Systems GmbH[33]
Verbindungen / Netzwerke
- Deutsch-polnische Wissenschaftsstiftung, designierter Vorsitzender[34]
- Arbeitskreis Wehrpolitik (ASP) der CSU, Landesvorsitzender[35]
- Munich Aerospace e.V., München, Mitglied des Kuratoriums
- Stiftung Lebenshilfe München, Vorstandsvorsitzender
- Institut für Europäische Politik e.V. (IEP), Berlin, Mitglied der Versammlung der Kuratoren
- Max-Planck-Institute für Astrophysik und extraterrestrische Physik, Garching, Mitglied des gemeinsamen Kuratoriums
- Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, Mitglied des Aufsichtsrats
- Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr, Mitglied des Kuratoriums
- 2013 bis 2025 Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V., Vizepräsident
- 2014 bis 2017 Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, Mitglied des Präsidiums
- Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen, ehem. Vorsitzender des Beirats für Sicherheit und Verteidigung[36]
Quelle: [37]
Lebenslauf
- Seit 6. Mai 2025 Staatsminister im Auswärtigen Amt
- bis Mai 2025 Internationaler Sekretär der CSU
- 2021 bis 2025 Verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
- 2018 bis 2021 Europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
- 2014 bis 2018 Sprecher der CSU-Landesgruppe für Auswärtiges, Verteidigung, Angelegenheiten der Europäischen Union, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Menschenrechte und humanitäre Hilfe
- 2012 bis 2015 Dozent an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing, München
- Seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages
- 2003 bis 2009 Stellv. Leiter Politik und Parteiarbeit, Christlich-Soziale-Union, Landesgeschäftsführer, Junge Union Bayern - Christlich-Soziale-Union
- 2002 bis 2003 Studium zum Elektronikmarketingfachwirt an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing, München
- 2000 bis 2002 Mitarbeiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Krauss-Maffei-Wegmann
- 1997 bis 2000 Mitarbeiter der Geschäftsführung, Gast Service AG
- 1995 Allgemeine Hochschulreife
Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

Einzelnachweise
- ↑ Suchergebnis Lobbyregister, lobbyregister.bundestag.de, abgerufen am 06.01.2023
- ↑ https://spacecoop.eu Zum Expertengespräch bei der IDLw, idlw.de vom 29.01.2020, abgerufen am 07.01.2023
- ↑ Internetauftritt der IDL abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Weltraumsymposium, idlw.de vom 19.10.2025, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Lebenslauf, auswaertiges-amt.de, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Veröffentlichungspflichtige Angaben, bundestag.de, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Eintrag im Genossenschaftsregister des Amtsgerichts München, abgerufen am 06.01.2023
- ↑ Space Cooperative Europe SCE, youtube.com vom 04.12.2020, abgerufen am 06.01.2023
- ↑ 9,0 9,1 Aserbaidschan-Affäre: Neue Geheimdokumente belasten Unionsabgeordnete, vice.de vom 17.09.2021, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ Internetauftritt Florian Hahn abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Das Gehirn der Rüstung Süddeutsche.de am 04.11.2016, abgerufen am 07.11.2016
- ↑ Aserbaidschan-Affäre: Neue Geheimdokumente belasten Unionsabgeordnete, vice.de vom 17.09.2021, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ The European Azerbaidjan Society - Brussels and Benelux office (TEAS), LobbyFacts.eu, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ Aserbaidschan-Affäre: Neue Geheimdokumente belasten Unionsabgeordnete, vice.de vom 17.09.2021, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ Aserbaidschan-Affäre: Neue Geheimdokumente belasten Unionsabgeordnete, vice.de vom 17.09.2021, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ Aserbaidschan-Affäre: Neue Geheimdokumente belasten Unionsabgeordnete, vice.de vom 17.09.2021, abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ vgl. dazu hier: Ausarbeitung: Der Einsatz von Kampfdrohnen aus völkerrechtlicher Sicht, WD 2 - 3000 - 118/12, Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages vom 27.09.2012, abgerufen am 02.01.2021.
- ↑ Florian Hahn im Interview: "Wer mit der Truppe spricht, weiß, dass wir oft nicht mal 50 Prozent der Einsatzbereitschaft erreichen", Deutscher Bundeswehrverband, Interview vom 02.01.2021, abgerufen am 02.01.2021.
- ↑ vgl. dazu etwa: CSU-Politiker im Verdacht der Kungelei, Spiegel.de vom 29.10.2016, abgerufen am 02.01.2021.
- ↑ Caviar-Diplomacy, European Stability Initiative (ESI), abgerufen am 28.12.2021.
- ↑ Florian Hahn Abgeordneten-Profilseite bundestag.de, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ CSU-Politiker im Verdacht der Kungelei Spiegel Online am 29.10.2016, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Sven Becker: Unser Mann im Bundestag in: Spiegel vom 29.10.2016, 44/2016
- ↑ Sven Becker: Unser Mann im Bundestag in: Spiegel vom 29.10.2016, 44/2016
- ↑ Pressemeldung: Stellungnahme vom 29.10.2916 Internetauftritt Florian Hahn, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Sven Becker: Unser Mann im Bundestag in: Spiegel vom 29.10.2016, 44/2016
- ↑ Mitglieder der DWT Internetauftritt der DWT, aufgerufen am 07.11.2016
- ↑ Präsidiumsmitglieder Internetauftritt der DWT, abgerufen am 07.11.2016
- ↑ Frieden durch deutsche Waffen? Zeit Online am 14.08.2014, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Warum wir deutsche Boote in die Wüste schicken Welt.de am 14.04.2014, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Veröffentlichungspflichtige Angaben, bundestag.de, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Florian Hahn, abgeordnetenwatch.de, abgerufen am 24.03.2026
- ↑ Florian Hahn, abgeordnetenwatch.de, abgerufen am 24.03.2026
- ↑ Deutsch-polnische Wissenschaftsstiftung, faz.de vom 02.03.2026, abgerufen am 24.03.2026
- ↑ 16. Wehrtechnischer Kongress des ASP der CSU, csu.de vom 25.10.2025, abgerufen am 24.03.2026
- ↑ Internetauftritt der Strukturgesellschaft, abgerufen am 31.10.2016
- ↑ Veröffentlichungspflichtige Angaben, bundestag.de, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Lebenslauf, auswaertiges-amt.de, abgerufen am 23.03.2026
- ↑ Lebenslauf, florian-hahn.de, abgerufen am 25.03.2025