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Krauss-Maffei Wegmann

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Krauss-Maffei Wegmann
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Branche Sicherheit und Rüstung
Hauptsitz München
Lobbybüro Deutschland
Lobbybüro EU
Webadresse http://www.kmweg.de/

Die Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co KG (KMW) ist eines der größten deutschen Rüstungsunternehmen und neben Rheinmetall einer der Hauptlieferanten für die Bundeswehr im Bereich von Heereswaffen.[1] Im Juli 2015 wurde bekannt, dass das Unternhemen mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter fusionieren soll. Als neuer Name wurde "Newco" genannt,[2] 2016 war die Fusion vollzogen.[3]

Bekannt wurde vor allem die ausgeprägte Lobbyarbeit von KMW (und anderen Rüstungsunternehmen wie EADS) in den Jahren 2010–2012, im Rahmen der Verhanndlungen um die Untertstützung der Bundesregierung beim Export des Kampfpanzers Leopard II nach Saudi-Arabien.[4]

Kurzdarstellung und Geschichte

Krauss-Maffei Wegmann entstand 1999 aus einer Fusion der beiden Unternehmen Krauss-Maffei AG und Wegmann & Co. [5] Die Fusion selbst erfolgte dabei, abseits von der öffentlichen Wahrnehmung, in einer Art Geheim-Deal.[6]

Im Sommer 2011 rückte das Unternehmen infolge eines möglichen Verkaufs von Leopard-2-Panzern nach Saudi-Arabien verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit.[7]

Struktur, Geschäftsfelder und Finanzen

Laut dem Stockholm International Peace Resaerch Institute (SIPRI; Stockholmer internationales Friedensforschungsinstitut) erwirtschaftete Krauss-Maffei Wegmann im Jahr 2012 einen Umsatz von 980 Millionen US-Dollar mit Rüstungsgütern (2011: 1.25 Milliarden). Im Ranking der größten Waffenherrsteller der Welt belegte KMW 2012 Platz 73.[8] Das Unternehmen beschäftigt gegenwärtig rund 3.000 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Brasilien, Griechenland, Mexiko, den Niederlanden, Singapur und den USA.[9] Krauss-Maffei Wegmann ist nicht börsennotiert und befindet sich im Privatbesitz. Maßgebliche Anteilseigner sind die Familien Bode und von Braunbehrens.

Eigentümerin der Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co KG ist die Familienholding Wegmann Unternehmens-Holding GmbH & Co. KG in Kassel. Die Holding gehört circa 26 Teilhabern.[6] [10]

Krauss-Maffei Wegmann gilt als eine der verschlossensten Firmen der deutschen Wirtschaft.[6] Den Eignerfamilien hilft bei ihrem Streben nach Diskretion, dass sie weder Krauss noch Maffei oder Wegmann heißen.[6] Seit dem Aufkauf des 49-Prozent-Anteils von Siemens im Jahr 2011 sind die Anteile der Wegmann-Gruppe in privater Hand.[11] KMW war und ist sehr aktiv im Export seiner Produkte, so wurden die Kampfpanzer Leopard 1 und 2 in zahlreiche Länder geliefert.[12] Weltweit vernetzt ist das Unternehmen über zahlreiche Tochterunternehmen.

Die Tochterunternehmen sind:

  • ATM Computer Systeme GmbH
  • GLS Gesellschaft für logistischen Service
  • KMW Schweißtechnik GmbH
  • HDVS Hellenic Defense Vehicle Systems
  • Wegmann USA, Inc.
  • DDVS Dutch Defense Vehicle Systems
  • ARTEC GmbH
  • PSM GmbH
  • HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH
  • VPS Vehicle Protection Systems GmbH
  • VPS de México S. A.
  • WFEL Ltd.[13]

Krauss-Maffei Wegmann hat 2012 den weltweiten Marktführer für mobile Brückensysteme WFEL aufgekauft.[14] Gegenwärtig plant KMW eine Fusion mit dem französischen Rüstungsunternehmen Nexter.[15]

Geschäftsführung und Aufsichtsrat

Geschäftsführer der Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co KG sind [16]:

Mitglieder des Aufsichtsrat der Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co KG sind:

Lobbyarbeit: Struktur und Strategien

Krauss-Maffei Wegmann ist Mitglied im Förderkreis Deutsches Heer, dem Politiker, hochrangige Militärs und die meisten deutschen Rüstungsunternehmen angehören.

In dem Zeitraum zwischen den Jahren 2010 und 2012 pflegte Krauss-Maffei Wegmann intensive Kontakte zum Außen- und Wirtschaftsministerium. Hintergrund war dabei Frage, ob die Bundesregierung Exporte des Kampfpanzers Leopard II nach Saudi-Arabien unterstützt. In dieser Zeit besuchte KMW-Geschäftsführer Frank Haun wiederholt hohe Beamte der beiden Ministerien.[18]

Bei Exportgenehmigungen müssen sowohl das Außen- als auch das Verteidigungsministerium zustimmen. Der Stern bezieht sich auf eine 27 Seiten umfassende Aufstellung von Kontakten zwischen Rüstungsunternehmen und Ministerien, die auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz erstellt wurde. Die Liste führt hierbei vier Treffen zwischen Haun und Staatssekretären des Auswärtigen Amts auf, sowie drei weitere im Wirtschaftsministerium. Zudem waren bei einer Begegnung mit dem damaligen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) neben Haun auch weitere Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) anwesend.[18] Im Jahr 2013 beliefen sich die Ausgaben von Krauss-Maffei Wegmann für Lobbyarbeit in den USA auf 120.000 US-Dollar.[19] Im freiwilligen Transparenz-Register der Europäischen Union wird KMW nicht geführt.[20]

Fallbeispiele und Kritik

Zahlungen an zwei ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete

In einem Zusammenhang mit Geschäften von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in Griechenland kam im Mai des Jahres 2014 heraus, dass zwei ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete ein Honorar von KMW erhalten hatten. Demzufolge hatte der Rüstungskonzern einer Beratungsgesellschaft der ehemaligen Abgeordneten in den Jahren von 2000 bis 2005 mehr als fünf Millionen Euro gezahlt. [21] Entdeckt wurden die Zahlungen bei einer internen Unterssuchung zu zwei Panzergeschäften. Anlass der Prüfung, die von KMW selbst in Auftrag gegeben wurde, waren mutmaßliche Schmiergeldzahlungen bei Geschäften mit Griechenland. [22] [23]

Die Aufdeckung der Zahlungen an die langjährigen SPD-Politiker bei den KMW-internen Untersuchungen zu den Panzergeschäften, erweckt laut der „Süddeutschen Zeitung“ den Verdacht, dass mit diesen Mitteln in Millionenhöhe Einfluss auf die Auftragsvergabe in Athen genommen wurde.[24] Der Konzern hat im vergangenen Jahrzehnt für fast zwei Milliarden Euro Leopard-2-Panzer und Panzerhaubitzen nach Athen verkauft. Die Anbahnung und der Abschluss der Panzer-Deals fallen vor allem in jene Jahre, in denen laut Untersuchung die beiden SPD-Politiker Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner über eine Firma namens „Büro für Südosteuropaberatung“ (BfS) ein Millionen-Honorar für Beratung von KMW bekamen.[25] Ferner wurde berichtet, dass die beiden SPD-Leute nach ihrer Zeit im Parlament über ihre gemeinsame Beraterfirma lukrative Verträge mit KMW abgeschlossen hatten. In diesen verpflichtete sich das Unternehmen im Falle eines Verkaufs der Panzerhaubitze nach Griechenland drei Prozent Erfolgshonorar auszuzahlen.[26]

Dagmar Luuk war von 1980 bis 1990 Mitglied des Bundestages. Während dieser Zeit war sie Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Parlamentarier-Gruppe und verfügte damit bereits früh über gute Kontakte nach Griechenland, insbesondere zur sozialdemokratischen Partei Pasok. Die Kontaktverbindungen hielten sich zudem nach ihrer Zeit als Abgeordnete langezeit aufrecht.[27] Heinz-Alfred Steiner, früherer Parlamentskollege und Parteifreund von Luuk, saß von 1980 bis 1994 im Bundestag. Der frühere Bundeswehrhauptmann war zeitweise Vizechef des Verteidigungsauschusses.[27] Kritik an den Zahlungen wird unter anderem von dem Rüstungsexperten Jan van Aken der Linksfraktion im Bundestag geäußert: „Gabriel muss das jetzt schleunigst aufklären, denn die beiden waren für die SPD im Bundestag und haben möglicherweise Wissen oder Verbindungen aus dieser Zeit für einen Waffendeal benutzt“.[28]

Razzia wegen Verdacht auf Steuerhinterziehung

Im November 2014 gab es mehrere Hausdurchsuchungen; es wurde einem Verdacht auf Steuerhinterziehung nachgegangen. In dem Zusammenhang wurde berichtet, dass in Griechenland mehrere Mittelsmänner gestanden hätten, unter anderem im Namen von Krauss-Maffei-Wegmann Bestechungssummen gezahlt zu haben. Im Dezember 2014 sollen entsprechende Verfahren von der griechischen Justiz aufgenommen werden. [29]

Seit Mitte Januar 2015 sitzt ein ehemaliger Manager von Krauss-Maffai Wegmann in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen zwischen 2002 und 2004 mehr als 1,1 Millionen Euro aus Rüstungsgeschäften erhalten und diese nicht versteuert zuhaben. Das Geld stammt aus einem Geschäft zwischen KMW Deutschland, KMW Griechenland und dem Athener Verteidigungsministerium. Der ehemalige Manager soll um die 490.000 Euro in Bar erhalten haben. Das restliche Geld soll nach Angaben der Polizei auf seine Schweizer Konto überwiesen worden sein.[30]

Weiterführende Informationen

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Top5 - Die größten deutschen Rüstungskonzerne im Vergleich, abgerufen am 30.06.2014
  2. Deutschlands und Frankreichs Panzerbauer fusionieren, Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2015, zuletzt aufgerufen 28.7.2015
  3. Krauss-Maffei-Wegmann, Nexter: Deutsch-französischer Panzerbauer auf Leopardenjagd, Handelsblatt, 31. Mai 2016, zuletzt aufgerufen am 1.8.2016
  4. Schwarz-Gelbe Vorgängerregierung Rüstungslobby ging "ein und aus", Stern.de Blog von Hans-Martin Tillack vom 14.04.2014, abgerufen am 26.06.2014
  5. Webseite von Krauss-Maffei Wegmann, abgerufen am 27.06.2014
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Panzerproduzent Krauss-Maffei Wegmann - Die verschwiegenen Macher des Leopard-2-Panzers, Focus.de vom 03.07.2014, abgerufen am 27.06.2014
  7. Leopard-Panzer-Deal - Saudi-Arabien verliert Geduld mit Deutschland, Zeit Online vom 12.07.2013, abgerufen am 14.07.2014
  8. The SIPRI Top 100 arms-producing and military services companies in the world excluding China (2012), abgerufen am 30.06.2014
  9. Deutsch-französische Fusion: Krauss-Maffei Wegmann und Nexter schmieden Panzer-Giganten, Spiegel Online vom 01.07.2014, abgerufen am 01.07.2014
  10. Rüstungsfirma Kraus-Maffei Wegmann - Stur wie ein Panzer, Süddeutsche.de vom 21.06.2012, abgerufen am 30.06.2014
  11. Siemens und Krauss-Maffei Trennung - zehn Jahre zu spät, Süddeutsche vom 17.12.2010, abgerufen am 01.07.2014
  12. Top5 - Die größten deutschen Rüstungskonzerne im Vergleich, abgerufen am 30.06.2014
  13. Webseite von Krauss-Maffei-Wegmann, abgerufen am 27.06.2014
  14. Panzerbauer kauft Brückenhersteller, Handelsblatt vom 23.05.2012, abgerufen am 01.07.2014
  15. Deutsch-französische Fusion: Krauss-Maffei Wegmann und Nexter schmieden Panzer-Giganten, Spiegel Online vom 01.07.2014, abgerufen am 01.07.2014
  16. Impressum Webseite KMW, abgerufen am 18. 11. 2014
  17. Webseite Atlantik-Brücke, Veranstaltung Dezember 2014, abgerufen am 18. 11. 2014
  18. 18,0 18,1 Schwarz-Gelbe Vorgängerregierung Rüstungslobby ging "ein und aus", Stern.de vom 14.04.2014, abgerufen am 27.06.2014
  19. Opensecrets (US-Lobbyregister), abgerufen am 26.07.2014
  20. Transparency Register (EU-Lobbyregister), abgerufen am 03.07.2014
  21. SPD-Politiker kassierten bei Panzerdeal, Süddeutsche Zeitung.de vom 19.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  22. Griechischer Ex-Spitzenbeamter gesteht Schmiergeld-Deal um deutsche Panzer, Süddeutsche Zeitung.de vom 28.12.2013, abgerufen am 16.07.2014
  23. Schmiergeldskandal: Griechischer Ex-Vertreter von Panzerkonzern KMW verhaftet, Spiegel Online vom 30.12.2013, abgerufen am 16.07.2014
  24. SPD-Politiker kassierten bei Panzerdeal, Süddeutsche Zeitung.de vom 19.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  25. Panzerdeal setzt Gabriel unter Druck, Handesblatt.com vom 19.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  26. Wegen Panzer-Deal mit AthenKorrupte SPD-Abgeordnete im Visier der Staatsanwälte, Focus.de vom 22.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  27. 27,0 27,1 Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann: Panzer und Genossen, Süddeutsche.de vom 19.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  28. Panzerdeal setzt Gabriel unter Druck, Handesblatt.com vom 19.05.2014, abgerufen am 16.07.2014
  29. Verdacht auf Schmiergeld. Razzia bei Panzer-Hersteller Kraus-Maffei-Wegmann Mitteldeutsche Zeitung, 17. November 2014, zuletzt aufgerufen am 17.11.2014
  30. Korruption Ex-KMW-Manager in Haft Spiegel vom 04.04.2015, zuletzt aufgerufen am 29.05.2015