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En2x – Wirtschaftsverband Green Fuels und Energie

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Version vom 27. November 2025, 17:57 Uhr von E. Martin (Diskussion | Beiträge) (Abwendung des Verbrennerverbots über den Einsatz alternativer Fuels)
Wirtschaftsverband Green Fuels und Energie (en2X)
Rechtsform e.V.
Tätigkeitsbereich Interessenvertretung in den Bereichen Mobilität, Wärme und chemische Grundprodukte
Gründungsdatum 2021
Hauptsitz 10117 Berlin, Georgenstraße 25
Lobbybüro 10117 Berlin, Georgenstraße 25
Lobbybüro EU
Webadresse en2x.de


Im Wirtschaftsverband Green Fuels und Energie e.V. (en2X) haben sich Unternehmen und Verbände organisiert, die in der fossilen Wirtschaft in den Bereichen Mobilität, Wärme und chemische Grundprodukte tätig sind. Vorgängerorganisationen sind der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und das Institut für Wärme und Öltechnik (OWI).[1]

Damit die Klimaziele erreicht werden können, müssen zahlreiche industriell verwendete Stoffe und Produkte dekarbonisiert werden. [2] Der Verband setzt sich nach eigenen Angaben „für einen angemessenen und verlässlichen regulatorischen Rahmen ein, damit Absatzmärkte für neue Produkte unserer Mitgliedsunternehmen entstehen oder bestehende Absatzmärkte mit immer CO2-ärmerem Produkten beliefert werden können.“[3] Die Förderkreismitglieder teilen sich auf in den Förderkreis Pipelines und den Förderkreis Wärmemarkt.[4]

Zentrale Forderung des Verbands sind der Hochlauf des Marktes für Kohlenwasserstoffe aus erneuerbaren Quellen und die Verwässerung der Treibhausminderungsquote (THG-Quote), deren Sinn und Zweck es ist, Anreize zur Anwendung klimafreundlicher Energieträger im landgebundenen Verkehr zu schaffen.

Green Fuels

Laut Verband sind Green Fuels alternative flüssige Brennstoffe, die fossiles Heizöl langfristig ersetzen können.[5] Dem Heizöl sollen in wachsenden Anteilen neue Brennstoffe beigemischt werden, die CO2-neutral hergestellt werden. Bei deren Produktion könne zum Beispiel auf biobasierte Abfälle und Reststoffe zurückgegriffen werden. Als weitere Option werden Wasserstoffderivate erwähnt, sogenannte E-Fuels, die synthetisch aus grünem Wasserstoff und „reyceltem“ CO2 erzeugt werden.

Lobbytätigkeit

Deutschland

Der Verband beschreibt die Lobbyaktivitäten im Lobbyregister wie folgt: „Zum Zwecke der Interessenvertretung beteiligt sich en2x an Anhörungs-- und Konsultationsverfahren und erarbeitet Stellungnahmen und Positionspapiere zu relevanten Regulierungsvorhaben. Weiterhin werden Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesregierung sowie mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages geführt. Ergänzend führt en2x auch parlamentarische Abende und Diskussionsveranstaltungen durch, zu denen Regierungsmitglieder, Abgeordnete sowie Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien eingeladen werden.“

EU

Auf europäischer Ebene werden die nachstehenden Strategien/Legislativvorschläge anvisiert:

  • Industrial Carbon Management Strategy
  • EU Emissionshandel
  • Renewable Energy Directive III
  • EU Green Deal
  • EU-Richtlinie zum Schutz der Böden

Quelle: EU Transparenzregister

In Brüssel ist der Verband nur in geringem Umfang aktiv (Vollzeitäquivalent: 0,4 Personen, Lobbyausgaben: 25.000 bis 49.999 Euro im Jahr 2024 laut EU Transparenzregister). Als Präsident der Eurofuel - European Liquid Heating Fuels Association kann Ernst-Moritz Bellingen, Leiter Wärmemarkt bei en2x, bei der Lobbyarbeit in Brüssel auch die Ressourcen von Eurofuel nutzen. Diese beschäftigte 2024 eine Person (Vollzeitäqïuvalent) und gab 100.000 bis 199.999 Euro für Lobbying aus. Deren Aktivitäten sind im EU Transparenzregister einsehbar.

Strategie

Nach Auffassung von en2x werden flüssige und gasförmige Energieträger zukünftig auch weiterhin in Sektoren und Anwendungen zum Einsatz kommen, die schwer oder gar nicht elektrifiziert werden können (Beispiele: Luftverkehr, Schiffahrt, Bestandsflotten von PKW, Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, etwa im Schwerlastverkehr oder in der Landwirtschaft, zur Sicherung der Energieversorgung).[6] Darüber hinaus sei die stoffliche Nutzung von Molekülen – insbesondere von Kohlenwasserstoffen – für die chemische Industrie und weitere Grundstoffindustrien unverzichtbar.

Eine Molekülwende sei notwendig. Drunter versteht der Verband, dass für den Bedarf an Kohlenwasserstoffen sowohl erneuerbare Energieträger zur Produktion des Wasserstoffs als auch Kohlenstoff aus biologischen Quellen, aus unvermeidbaren CO2-Emissionen, aus der Kreislaufwirtschaft und letztlich aus der Umgebungsluft genutzt werden.[7] Zudem müssten Importstrukturen für CO2-neutrale Moleküle geschaffen werden.[8] Es sei notwendig, einen Großteil des Energiebedarfs aus sonnen- und windreichen Regionen über Pipeline und Schiff - in Form einfach speicherbarer Vorprodukte auf Wasserstoff-Basis wie Methanol oder Ammoniak- zu importieren.

Wünsche der Mitgliedsunternehmen

Zu den gewünschten politischen Maßnahmen gehören:

  • Nachhaltige Flugkraftstoffe (eSAF) als Leitmarkt für den Hochlauf des Marktes für Kohlenwasserstoffe aus erneuerbaren Quellen und damit die Molekülwende insgesamt etablieren
  • Überarbeitung der Treibhausminderungsquote (THG-Quote) des Bundesimmissionsschutzgesetzes, deren Sinn und Zweck es ist, Anreize zur Anwendung klimafreundlicher Energieträger im landgebundenen Verkehr zu schaffen.[9] Je klimafreundlicher der eingesetzte Energieträger ist, desto attraktiver ist er auf dem Quotenmarkt. Gewünscht werden deutlich längerfristige Ziele über den bislang bis 2030 gesetzten Rahmen hinaus, eine Anpassung (gemeint ist: Reduzierung) der Quote, Erleichterungen sowie mehr Flexibilität bei den anrechenbaren Eingangsstoffen
  • H2- und CO2-Infrastruktur: Ein angemessener Aufbau der CO2-Infrastruktur sollte zeitlich parallel zum Aufbau der H2-Infrastruktur erfolgen, damit die Nachfrage nach erneuerbaren Kohlenwasserstoffen hinreichend bedient werden kann.

Quelle: [10]

Wichtige Vorhaben

Weitere Nutzung von Öl- und Gasheizungen über Hybridsysteme

Der Betrieb von Gebäuden verursacht in Deutschland noch etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO₂-Emissionen. Insbesondere die Wärmeversorgung macht einen Großteil des Energieverbrauchs im Gebäude aus.[11] Zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes werden Wärmepumpen-Hybrid-Heizungen empfohlen. Diese bestehen aus einem Gas- oder Öl-Brennwertkessel mit einer strombetriebenen Wärmepumpe, die ihre Energie aus Luft oder Wasser bezieht.[12] Damit können Öl- und Gasheizungen nach den Bestimmungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) weiter genutzt werden. Den Kunden soll es ermöglicht werden, im ersten Schritt ein Brennwertgerät, das für den Einsatz von Green Fuels und die Kombination mit einer Strom-Wärmepumpe („Hybrid Ready“) vorbereitet ist, installieren zu lassen. In einem weiteren Schritt könne dann eine Strom-Wärmepumpe einfach nachgerüstet werden. Bei einer Heizungsmodernisierung mit einem Hybrid Ready-Gerät sei es sinnvoll, dem Betreiber die Möglichkeit zu gewähren, den zu erbringenden EE (Erneuerbare Energien)-Anteil von 65% nach einer Übergangsfrist von mindestens drei Jahren, frühestens jedoch ab 2030, zu erfüllen. Praktische Bedeutung hat vor allem die Gas-Brennwertheizung + Wärmepumpe. Der Einbau von Hybridheizungen wird staatlich gefördert. Die Fördersätze sind hier abrufbar.

Abwendung des Verbrennerverbots über den Einsatz alternativer Fuels

Über eine Änderung der Verordnung (EU) 2019/631) Festsetzung von CO2-Emissionen für neue Personenkraftwagen dürfen ab 2035 in der EU nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Das Verbrenner-Aus bedroht das Geschäftsmodell der Mineralölunternehmen und Tankstellenbetreiber. Bereits im Jahr 2021 startete der Verband UNITI die Kampagne „E-fuels for Future“ mit dem Ziel, synthetische Kraftstoffe als vermeintlichen Teil der Lösung für den Klimaschutz präsentieren und sich selbst als Teil der Klimabewegung zu inszenieren.[13] Im Juli 2022 forderte en2X in einer Presseeerklärung: „Angesichts der Entscheidung des EU-Ministerrats zu den zukünftigen CO2-Grenzwerten bei Neuwagen appelliert der en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie an die deutsche und europäische Politik, alle klimaschonenden Antriebs-Optionen einzubeziehen.“[14]

Weiterentwicklung von CO2-Abscheidungs- und Nutzungstechnologien

Organisationsstruktur und Personal

Mitglieder

Die 34 Mitglieder sind Unternehmen, die flüssige oder gasförmige kohlenwasserstoff- und wasserstoffbasierte und entsprechende biogene Produkte, insbesondere Kraft-, Heiz- und Schmierstoffe sowie Vorprodukte der chemischen Industrie, herstellen, verarbeiten, vertreiben, transportieren oder lagern. Sie sorgen nach eigenen Angaben für eine Versorgung mit Rohstoffen und Energie, vor allem mit Kohlenwasserstoffen.[15] Das umfasse Kraftstoffe für den Verkehr, flüssige Brennstoffe für den Wärmemarkt sowie (Vor-)Produkte für viele Industriezweige. Zudem bauten die Mitglieder die Infrastruktur für Elektromobilität immer weiter aus.[16]

Zu den Projekten der Mitglieder gehören z.B.

  • AVIA: „Hypercharge“-Ladesäulen“ für E-Autos, „Regenerativer Diesel“
  • bp: Projekt „Lingen Green Hydrogen“, erster reiner Ladepark für Elektrofahrzeuge, Errichtung der größten Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff an der Raffinerie in Castellon/Spanien gemeinsam mit Iberdrola
  • Shell: Planung eines Kommerziellen Gaskraftwerkes, welches eine Technologie zur Kohlenstoffabscheidung integriert, Inbetriebnahme einer Ladesäule für E-Lkw

Vorstand und Geschäftsführung

Die Mitglieder des Vorstands sind hier abrufbar. Vorstandsvorsitzender ist Patrick Wendeler, Vorstandsvorsitzender BP Europa SE und Präsidiumsmitglied des Weltenergierats Deutschland

Hauptgeschäftsführer ist Christian Küchen, ehem. Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), der auch einer der Sprecher:innen der Power to X Allianz ist

Team

Ernst-Moritz Bellingen, Leiter Wärmemarkt, ist Präsident der Eurofuel- European Liquid Heating Fuels Association[17]

Tochtergesellschaft OWI

Das Forschungsinstitut OWI Science for Fuels, ein An-Institut der RWTH Aachen, ist eine Tochtergesellschaft der TEC4FUELS GmbH und mittelbar des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie e. V. (en2x). Seine Forschung konzentriert sich auf innovative Technologien und nachhaltige Energieträger, um die Transformation von Wärme und Mobilität aktiv zu gestalten.

Beteiligungen

Der Verband hält Beteiligungen an den folgenden Unternehmen:

Mitgliedschaften (Auswahl)

Quelle: Lobbyregister, Stand: 02.10.2025

Einzelnachweise

  1. Lebenslauf Prof. Christian Küchen, en2x.de, abgerufen am 25.11.2025
  2. Gründungbericht 2021, en2x.de, abgerufen am 23.11.2025
  3. Gründungbericht 2021, en2x.de, abgerufen am 23.11.2025
  4. Förderkreise, en2x.de, abgerufen am 24.11.2025
  5. Was sind Green Fuels, en2x.de, abgerufen am 22.11.2025
  6. Auf einen Blick, en2x.de, abgerufen am 24.11.2025
  7. Branchendialog/„Molekülwende, en2x.de, abgerufen am 24.11.2025
  8. Auf einen Blick, en2x.de, abgerufen am 24.11.2025
  9. Fragen und Antworten zur Anrechnung von Strom in Elektrofahrzeugen im Rahmen der THG-Quote, bundesumweltministerium.de, abgerufen am 24.11.2025
  10. Branchendialog/„Molekülwende, en2x.de, abgerufen am 24.11.2025
  11. Wärmewende, umweltbundesamt.de vom 25.06.2025, abgerufen am 25.11.2025
  12. HYBRIDISIERUNG UND GREEN FUELS MÜSSEN WICHTIGE ROLLEN BEIM ERREICHEN DER KLIMAZIELE ÜBERNEHMEN, en2x.de, abgerufen am 22.12.2025
  13. E-Fuels: Dreiste Lobbykampagne gegen das Verbrenner-Aus, lobbycontrol.de vom 11.02.2025
  14. Klimaschutzoptionen nicht voreilig ausbremsen, en2x.de vom 01.07.2025, abgerufen am 27.11.2025
  15. Fortschrittsbericht 2024, en2x.de, abgerufen am 25.11.2025
  16. Fortschrittsbericht 2024, en2x.de, abgerufen am 25.11.2025
  17. EUROFUEL: Bellingen als Präsident bestätigt, en2x.de vom 10.08.2023, abgerufen am 26.11.2025

Anhänge

Diskussionen