Vorlage:Seitenwechsel-Box Joseph Fischer (* 12. April 1948 in Gerabronn); seit 2007 Unternehmensberater und Lobbyist, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland in der Regierung Gerhard Schröder, populärer Politiker der Grünen in den 1980er und 90er Jahren.
Zu seiner Zeit als Außenminister sprach sich Fischer energisch für die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovokrieg (1999) aus, bei dem deutsche Truppen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Kriegseinsatz beteiligt waren. Aus dieser Zeit resultiert sein gutes Verhältnis zu Madeleine Albright, die damals US-Außenministerin unter Bill Clinton war.
Karriere
- 2009 Gründung der Lobbyorganisation Joschka Fischer & Company[1]
- 2008 Berater für "The Albright Group LLC".[4]
- ab 2007 Unternehmensberater
- ab Herbst 2006 Gastprofessor für internationale Wirtschaftspolitik an der Frederick H. Schultz Class der Woodrow Wilson School der Princeton University (USA)
- 1998-2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland
- 1. Januar 1999 - 30. Juni 1999 Präsident des Rats der Europäischen Union
- 1994-1998 Fraktionsvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen
- 1987-1991 Mitglied des Hessischen Landtags und Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag
- 1985-1987 und 1991-1994 hessischer Umweltminister
Verbindungen und Netzwerke
Fischer war 2007 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der europäischen Denkfabrik "European Council on Foreign Relations" (ECFR). Dort sind zahlreiche hochrangige (ehemalige) europäische Spitzenpolitiker versammelt. Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum sind bzw. waren Cem Özdemir (Politiker Die Grünen), Andre Wilkens (Open Society Institute / Soros Foundation), Gerald Knaus (European Stability Initiative), Hannes Androsch (AIC Androsch International Management Consulting), Caio Koch-Weser (Deutsche Bank), Roland Berger, Daniel Cohn-Bendit, Hans Eichel, Wolfgang Ischinger (Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz), Wolfgang Münchau (Eurointelligence ASBL), Michael Stürmer (Die Welt), [2]
Bei den Grünen war Fischer neben Otto Schily ein Aushängeschild des sog. Realo-Flügels.
Joschka Fischer entstammt der Frankfurter undogmatischen Linken, wo er Anfang der 1970er Jahre in der Gruppierung Revolutionärer Kampf aktiv war. Zu diesem Umfeld gehörten neben vielen anderen auch Daniel Cohn-Bendit (später Europa-Politiker), Thomas Schmid (später Chef-Redakteur der Tagesszeitung Die Welt) , Reinhard Mohr (später Redakteur und Autor des Magazins Der Spiegel) .[3] Seine guten Kontakte zu Tom Koenigs stammen ebenfalls aus dieser Frankfurter Zeit.
Wirken
Seitenwechsel: BMW, Siemens, RWE...
Im September 2010 wurde bekannt, dass auch die Supermarkt-Kette REWE sich die Dienste von Fischer sichern konnte.[4]
Im Oktober 2009 verkündete Siemens, die Hilfe von Joschka Fischer (und Madeline Albright) in Anspruch zu nehmen. Sie sollten den Konzern mit ihren "einzigartigen Erfahrungsprofilen und Netzwerken" zu "gesellschaftlichen und geopolitischen Fragestellungen sowie Gewichtsverlagerungen in der Weltwirtschaft" beraten. [5]
Anfang Juli 2009 hatte er einen zunächst bis Ende 2010 befristeten Beratervertrag mit den Energiekonzernen RWE Supply & Trading und OMV Gas & Power (Österreich) abgeschlossen, für die er in den beteiligten Ländern das private Pipeline-Projekt "Nabucco" vorantrieb. [6] Beide Unternehmen sind zusammen mit etwa 33 % an dem Projekt beteiligt und setzen dabei auf Fischers energie- und außenpolitische Erfahrungen, um politische Barrieren gegen das Projekt zu beseitigen bzw. im Vorfeld zu vermeiden. [7] Dass er seit den Anfangsjahren der Grünen, die mit Beginn der 80er Jahre aus einer Anti-Atomkraftbewegung hervorgingen, zu den Spitzenpolitikern der Partei gehörte, steht für ihn in keinem Widerspruch zu seiner jetzigen Tätigkeit für den Atomkraft-Betreiber RWE. [8]
Ebenfalls im Juli 2009 nahm Fischer eine Beratertätigkeit für den Automobilhersteller BMW auf; laut Konzern mit dem Auftrag zur Entwicklung nachhaltiger Strategien, die das Öko-Bewusstsein der Konzernmitarbeiter verbessern sollen. [9] Eine Vergrünung des "Corporate Image" ist für den Auto-Produzenten wahrscheinlich ein willkommener Nebeneffekt.
2007 gründete er das Beratungsunternehmen "Joschka Fischer Consulting". Bezüglich seiner Klienten hielt er sich bisher weitesgehend bedeckt. 2008 engagierte ihn Madeleine Albright als Berater für ihre Firma "The Albright Group LLC".[10] Seit 2009 firmiert er in Berlin gemeinsam mit seinem ehemaligen Parteifreund und langjährigem Mitarbeiter Dietmar Huber unter "Joschka Fischer & Co.". [11]
Kritik der Kritik
Man kann Fischer zu Gute halten, dass er die von LobbyControl geforderte Karenzzeit von 3 Jahren einhielt, bevor er nach seinem letzten politischen Mandat offiziell als Lobbyist tätig wurde. Anders herum zeigt der Fall Fischer: Phänomene wie Seitenwechsel und Lobbyismus sind durch Ethik-Regeln und Verhaltens-Kodices allein nicht in den Griff zu bekommen.
Weiterführende Informationen
- Joschka Fischer auf wikipedia
- European Council on Foreign Relations auf spinprofiles.org
Einzelnachweise
- ↑ "Dick im Geschäft", taz.de vom 08.September 2010, abgerufen am 08. September 2010.
- ↑ ECFR's Board and Council, Website von EFCR, abgerufen am 5. Juli 2010.
- ↑ "Christian Schmidt: Wie die Spontis die Grünen eroberten", Inhaltsangabe des Buches "Wir sind die Wahnsinnigen" auf www.single-generation.de, abgerufen am 23. März 2010.
- ↑ "Dick im Geschäft", taz.de vom 08. September 2010, abgerufen am 08. September 2010.
- ↑ Pressemitteilung Siemens, 23. Oktober 2009, abgerufen am 19. März 2010
- ↑ Pressemitteilung RWE, 06. Juli 2009, abgerufen am 19. März 2010
- ↑ "Energie-Lobbyist Fischer fordert Hilfe der EU", Welt.de vom 11. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
- ↑ "Lobbying für das Nabucco-Projekt", taz.de vom 08. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
- ↑ "Joschka Fischer berät BMW", Spiegel.de vom 20. September 2009, abgerufen am 19. März 2010
- ↑ Who we are, Website der Albright Group, abgerufen am 30. Juni 2010
- ↑ "Joschka Fischer jetzt Berater für BMW", Bild.de vom 19. September 2009, abgerufen am 19. März 2010