European Chemical Industry Council

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European Chemical Industry Council (Cefic)
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Rechtsform
Tätigkeitsbereich Lobbytätigkeit für die europäische Chemieindustrie
Gründungsdatum 1972
Hauptsitz Avenue E. van Nieuwenhuyse, 4 box 1, B-1160 Brüssel
Lobbybüro
Lobbybüro EU
Webadresse www.cefic.org

Der European Chemical Industry Council (Cefic) ist der Verband der europäischen Chemischen Industrie. Er ist einer der einflussreichsten europäischen Wirtschaftsverbände mit einer Vielzahl von Mitarbeitern und einem außergewöhnlich hohen Budget.

Lobbystrategien und Einfluss

Der Verband betreibt Lobbyarbeit auf europäischer Ebene über Kontakte zur Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament. Er vertritt nicht nur die unmittelbaren Interessen der Branche, sondern beschäftigt sich auch mit Fragen der Gesundheits-, Energie-, Wettbewerbs-, Klima- und Umweltpolitik sowie der Lebensmittelsicherheit. Cefic ist Mitglied des International Council of Chemical Associations (ICCA), des Weltverbands der Chemieindustrie.

EFIC hat mit weiteren Chemieverbänden (American Chemistry Council (ACC), Japan´s Chemical Industry Association) die Cefic Long-range Research Initiative (LRI) gegründet, um die Auswirkungen von Chemikalien auf die Gesundheit und die Umwelt zu untersuchen und den zuständigen EU-Instanzen zur Verfügung zu stellen.[1]. CEFIC und der American Chemistry Council fördern gemeinsam das Freihandelsabkommen TTIP.

Der Verband nimmt auch informell Einfluss auf EU-Organe. Ein Beispiel ist eine Rede, die der Generaldirektor Hubert Mandery am 12. Mai 2014 bei einem "Informellen Rat für Wettbewerbsfähigkeit" der EU zum Thema "Herausforderungen für energieintensive Industrien: Die europäische Chemieindustrie" gehalten hat.[2]

Laut dem EU-Transparenzregister (Stand: Juni 2014) sind bei Cefic 150 Personen beschäftigt. Davon sind 69 an Tätigkeiten im Rahmen des Transparenzregisters beteiligt. Die Zahl der Personen, die zu den Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments akkreditiert sind, liegt bei 15. Die geschätzten Kosten der direkten Lobbyarbeit bei den EU-Organen beliefen sich im Geschäftsjahr 2013 auf 5,9 Mio. Euro. 2012 betrug das Gesamtbudget des Verbands 40 Mio. Euro (zum Vergleich: Das Budget des Bundeskartellamtes liegt bei ca. 25 Mio. Euro).

Fallbeispiele

Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP)

Nach einem von ClientEarth und CIEL veröffentlichten Bericht macht ein geleaktes Dokument der TTIP-Verhandlungsrunde vom Dezember 2013 das Ausmaß des Einflusses der Chemischen Industrie auf die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlungen deutlich.[3] Danach würden die Vorschläge des European Chemical Industry Council und des American Chemistry Council den Schutz der Verbraucher und der Umwelt vor toxischen Chemikalien verschlechtern. Der Fortschritt bei der Regulierung toxischer Chemikalien käme zum Stillstand, wirtschaftlichen Interessen würde der Vorrang vor gesundheitlichen und Umweltaspekten eingeräumt, die Entwicklung sicherer Chemikalien behindert. Die Regulierung würde weniger transparent und weniger demokratisch ausgestaltet. So soll die Koordinierung und Harmonisierung von Regulierungen einem parlamentsfernen "Cooperation Committee" übertragen werden, das aus Vertretern von EU- und US-Regulierungsbehörden für die Chemische Industrie bestehen soll.

EU-Chemikalienverordung REACH

Der Geltungsbereich der im Juni 2007 in Kraft getretenen EU-Chemikalienverordung "REACH" (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist aufgrund der Lobbyarbeit der europäischen Chemieindustrie stark eingeschränkt und die Pflicht zum Ersatz gefährlicher Stoffe aufgehoben worden.

Ein Hebel in der Argumentation seitens der chemischen Industrie war die Folgenabschätzung, die oft nicht aus harten Daten beruht, die mit der amtlichen Statistik abgeglichen werden könnten, sondern aus Vorhersagen. Wer den möglichen Nutzen eines Gesetzes für den Schutz der Umwelt und der Gesundheit relativieren will, braucht nur die finanziellen Belastungen in astronomische Höhen hochzurechnen und den Verwaltungsaufwand ins Groteske zu steigern. Genau dies ist im Fall der EU-Chemikalienverordnung geschehen, die im Juni 2007 in Kraft getreten ist. Ursprünglich zielte REACH darauf ab, die rund 100.000 in Europa hergestellten und verwendeten Chemikalien auf ihre Gesundheits- und Umweltverträglichkeit hin zu testen und gefährliche Substanzen durch weniger gefährliche zu ersetzen. Die Gesetzesinitiative stieß bei der europäischen Chemieindustrie auf vehementen Widerstand. Als wirksamste Waffe im Kampf gegen die geplante Regulierung erwiesen sich mehrere Szenarien, die das Menetekel einer „Deindustrialisierung Europas“ an die Wand malten. Die verantwortlichen EU-Politiker ließen sich von der Vorhersage millionenfacher Arbeitsplatzverluste so sehr verunsichern, dass sie den Geltungsbereich der Chemikalienverordnung stark einschränkten und die Pflicht zur Substitution gefährlicher Stoffe aufhoben. Die Anti-REACH-Kampagne vermittelt eine konkrete Vorstellung davon, wie viel politischen Sprengstoff ein so harmlos klingender Begriff wie „Folgenabschätzung“ enthalten kann.[4][5]

Die EFIC spielte in dieser jahrelangen Lobbykampagne eine zentrale Rolle. Es lassen sich mehrere Phasen ihrer Tätigkeit unterscheiden: zunächst versuchte der Verband, die chemische Industrie als Partner bei Problemlösungen erscheinen zu lassen; dann wurde der Ton in der Auseinandersetzung verschärft und der Verband trat als strikter Gegner von REACH auf.[6]

Organisationsstruktur und Führungspersonal

Mitglieder

Der Verband hat insgesamt 640 Mitglieder. Diese werden in die folgenden Gruppen unterteilt:

  • Corporate Members (ACOM) sind Unternehmen mit einem Produktionsstandort in Europa und einem weltweiten Chemieumsatz von über 1 Mrd. Euro. Zu den Corporate Members gehören u. a. die deutschen Unternehmen BASF, Bayer, Lanxess und Merck.
  • Federation Members (AFEM) sind europäische Verbände der Chemieindustrie. Zu ihnen gehört u. a. der Verband der Chemischen Industrie (VCI)
  • Business Members (ABM) sind Unternehmen mit einem Produktionsstandort in Europa, die nicht nur chemische Erzeugnisse herstellen, mit einem weltweiten Chemieumsatz von unter 1 Mrd. Euro. Zu den Business Members gehört u. a. Stockmeier Chemie
  • Associated Companies sind außereuropäische Chemieunternehmen. Zu ihnen gehören z. B. Halliburton
  • Affiliated Associations sind europäische Verbände, die nur einen Sektor der chemischen Industrie vertreten. Zu ihnen zählt z. B. die European Crop Protection Association (ECPA)
  • Partner sind europäische Unternehmen, die eng mit der europäischen chemischen Industrie zusammenarbeiten. Zu ihnen gehört z. B. Südzucker[7]

Führungspersonal

Die Mitglieder des Cefic Board and Executive Committee sind hier abrufbar. Zu ihnen gehört als Präsident

Generaldirektor

Dauerhaft mit EU-Beziehungen beauftragte Person:

  • Alistair Steel, Executive Director Legislation & Institutional Affairs

Verbindungen

Knowledge4Innovation

Cefic ist Mitglied von Knowledge4Innovation, einer branchenübergreifenden europäischen Lobbyorganisation

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Cefic gehörte zu den Mitgliedern der EFSA STAKEHOLDER CONSULTATIVE PLATFORM 2009 - 2012[8], einer Konsultationsplattform für Interessengruppen der EFSA, und der EFSA Stakeholder Consultative Platform Discussion Group on Process Transparency and Information Access[9]

Alliance for a Competitive European Industry

Cefic gehört zu den führenden europäischen Wirtschaftsverbänden, die sich mit Businesseurope zur Alliance for a Competitive European Industry zusammengeschlossen haben.

Geschichte

Die Abkürzung Cefic ist auf die ursprünglich französische Bezeichnung Conseil Européan de l'Industrie Chimique zurückzuführen.

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

Anhänge

Diskussionen