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Axel Weber

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Axel Weber (* 8. März 1957 in Kusel, Rheinpfalz) Ex-Präsident der Deutschen Bundesbank. Weber wechselt in die Finanzbranche und ist nun seit Mai 2012 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS. 2013 wurde er Vorstandsmitglied der von UBS und Credit Suisse neu gegründeten Lobbyorganisation Swiss Finance Counci (SFC).[1] Inzwischen ist er in einer Vielzahl von Verbänden sowie Netzwerken und Denkfabriken der Finanzwirtschaft aktiv.

Axel Weber bewarb sich 2010 um den Posten als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und Nachfolger von Jean-Claude Trichet, stieß dort aber laut Wirtschaftspresse auf den Widerstand Frankreichs sowie mehrerer südeuropäischer EU-Länder. Webers Verhalten während des drohenden Staatsbankrotts Griechenlands im Frühjahr 2010 dürfte diese Aversionen weiter gefördert haben. Die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung dieser Bewerbung, mangelnde öffentliche Unterstützung von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, galten im Frühjahr 2011 als Grund für sein überraschend bekannt gegebenen vorzeitigen Rückzug aus dem Amt als Bundesbankpräsident.[2]

Spekulationen über Webers möglichen Wechsel in die Führungsposition der Deutschen Bank lösten im Februar 2011 z.T. heftige Reaktionen bei Politik und Presse aus. Es tauchten erneut Forderungen nach Karenzzeiten und einer gesetzlichen Regulierung des Phänomens Seitenwechsel auf, wie sie auch LobbyControl vertritt.[3][4]


Lebenslauf

  • seit 05/2012 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS[5]
  • seit 2011 Gastprofessor an der Universität Chicago[6]
  • 2004–April 2011 Präsident der Deutschen Bundesbank
  • 03/2002-04/2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
  • 2001 Mitglied der Forschungsabteilung der Europäischen Zentralbank
  • 2001 Uni Köln, Lehrstuhl für Internationale Ökonomie
  • 2000 Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Bundesbank
  • 1998 Universität Frankfurt/Main, Prof. für Monetäre Ökonomie, Leiter des Center for Financial Studies
  • 1994 Professor für Wirtschaftstheorie an der Uni Bonn
  • 1994 Habilitation an der Uni Siegen
  • 1992/93 Akademisches Jahr in den USA, Lehrstuhl in Washington D.C.
  • 1988 wissenschaftliche Auslandsaufenthalte an den Universitäten London und Tilburg
  • 1987 Promotion zum Dr. rer. pol.
  • 1982 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Siegen am Fachbereich Volkswirtschaftslehre
  • 1976–1982 Diplum Studium der Volkswirtschaftslehre und der Verwaltungswissenschaften an den Unis Siegen und Konstanz

Axel Weber fertigte 1989/90 und 1994 für EU-Organe finanz- und handelspolitische Studien an. 1996 bis 1998 führte er im Auftrag der Österreichischen Nationalbank eine währungspolitische Untersuchung durch.

Quelle: whoiswho.de[7]

Kritik

Angeklagter des Bankentribunals

Axel Weber war stellvertretend für die Europäische Zentralbank einer der Angeklagten des attac-Bankentribunals. Die Anklagschrift warf ihm vor, dass er: „angesichts der Finanzkrise und der drohenden Kreditklemme die Geldhähne öffnete, ohne diese Politik des >>billigen Geldes<< mit Schritten zu effizienten und zusätzlichen Regulierungsvorschriften zu begleiten – wozu die nationalen Zentralbanken, die Träger der EZB, durchaus Möglichkeiten und Kompetenzen haben. [...]Wegen dieser Untätigkeit landeten die vielen hundert Milliarden Euro nicht bei der kreditsuchenden Realwirtschaft, sondern sie wurden über die Banken in Rohstoff-, Devisen- und Anleihengeschäfte gesteckt, womit neue, noch gewaltigere Spekulationsblasen aufgepumpt wurden.“[8]

Beziehungen, Netzwerke

Aktivitäten in Verbänden sowie wirtschaftsnahen Netzwerken und Denkfabriken

Quelle: [10]

Ziehsöhne

Als einer von Axel Webers Ziehsöhnen galt der hohe Regierungsbeamte und Finanzexperte Jörg Asmussen. Er hatte bei Prof. Weber studiert, wie auch Webers Nachfolger als Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Schattenkabinett mit Weidmann, Otremba und Asmussen

Als Bundesbankchef soll Weber laut Presseberichten mit dem Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt Jens Weidmann und den Staatssekretärn Jörg Asmussen und Walther Otremba im Zuge der Weltfinanzkrise eine Art Schattenkabinett gebildet haben. Weber soll in dieser Zeit regelmäßig an Kabinettssitzungen der Regierungen Merkel-Steinmeier und Merkel-Westerwelle teilgenommen haben.[11]

Wirken

Lobbyismus gegen die BaFin

Axel Weber setzte sich laut Presseberichten dafür ein, dass die deutsche Bankenaufsicht bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt zusammengefasst werden sollte - was die Rolle der Bonner Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) stark geschwächt hätte.[12]

Der Krisenstab zur Hypo Real Estate Rettung

Laut einem 2009 durch die Financial Times Deutschland publizierten internen Protokoll (pdf), das u.a. von nachdenkseiten.de weiter verbreitet wurde, nahm Bundesbank-Chef Axel Weber als Leiter eines Teams der Deutschen Bundesbank vom 26.-28. September 2008 an den dramatischen Krisengesprächen zur Rettung der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) in Frankfurt a.M. teil. Mit dabei waren auch Teams der Hypo Real Estate unter der Leitung von Georg Funke, der BaFin unter der Leitung von Jochen Sanio und des Prüfungsverbands deutscher Banken (PdB). Die Deutsche Bank hatte laut Protokoll eigene Experten bei der HRE. Geschwärzt im Protokoll war der volle Name der "Kanzlei S.", die offenbar drei Vertreter in den Krisenstab entsandte. WEiterhin wird eine "Kanzlei L." erwähnt. Zugeschaltet bzw. informiert waren zeitweilig (per email, Telefon, Fax) u.a. Josef Ackermann (Deutsche Bank), Jörg Asmussen (BMF), sowie die Herren Klaus-Peter Müller (BdB-Präsident, ehemals Commerzbank-Chef), Andreas Schmitz (HSBC Trinkhaus&Burkhardt), Wolfgang Sprißler (Hypovereinsbank), Martin Blessing (Commerzbank). [13]

Zitate

„Das Experiment kann als gescheitert betrachtet werden. Das Impulsive, Rechthaberische, Egozentrische, das einen guten Wissenschaftler ausmacht, ist einem öffentlichem Amt nicht dienlich. [...]Axel Weber hat die Regierung der Lächerlichkeit preisgegeben – eine Regierung, die ihm den Weg an die Spitze geebnet hatte.“ Mark Schieritz in Die Zeit über Webers vorzeitig beendetes Engagement als Bundesbank-Direktor[14]


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Webseite Swiss Finance Council, abgerufen am 30. 5. 2014
  2. Europa braucht einen neuen Axel Weber Zeit.de vom 10. Februar 2011, abgerufen am 10. Februar 2011
  3. Europa braucht einen neuen Axel Weber Zeit.de vom 10. Februar 2011, abgerufen am 10. Februar 2011
  4. Wirbel um Weber, taz.de vom 10. Februar 2011, abgerufen am 10. Februar 2011
  5. Aktionäre kritisieren Webers Millionen-Bonus Spiegel-Online vom 03.05.2012, abgerufen am 04.05.2012
  6. Londoner Top-Banker nehmen Börsig aufs Korn Handelsblatt vom 30.05.2011, abgerufen am 5.6.2011
  7. Axel Weber whoiswho.de, abgerufen am 11. Februar 2011
  8. Bankentribunal - Zivilgesellschaftliche Anklageschrift , attac, 18. März 2010 (pdf), abgerufen am 21. April 2010
  9. Weber, Rohner, Collardi, alle dabei im "Züri-WEF", Inside Paradeplatz vom 16. 1. 2013, Webseite insideparadeplatz, abgerufen am 18. 4. 2014
  10. Biographie bei UBS, Webseite abgerufen am 11. 03. 2015
  11. Jörg Asmussen und Jens Weidmann - Wer uns wirklich regiert, stern.de vom 7. August 2009, abgerufen am 10. Februar 2011
  12. Balsam für geschundene Bundesbanker-Seelen, tagesschau.de, 8. Oktober 2009, abgerufen am 21. April 2010.
  13. Zusammenfassung der Gespräche zur Stützung der Hypo Real Estate Gruppe (HRE) vom 26. 09. 2008 - 28.09.2008 im Frankfurter Dienstsitz der BaFin, nachdenkseiten.de vom 9. Juli 2009, abgerufen am 10. Februar 2011
  14. Europa braucht einen neuen Axel WeberZeit.de vom 10. Februar 2011, abgerufen am 10. Februar 2011