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BlackRock

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BlackRock, Inc.
Branche Finanzen
Hauptsitz New York, In Deutschland:

1. Bockenheimer Landstrasse 2-4, OpernTurm Complex, 60306 Frankfurt/M

2. Max-Joseph-Strasse 6, 80333 München

Lobbybüro Deutschland
Lobbybüro EU 35 Square de Meeus, Brussels 1000
Webadresse blackrock.com

Die Firma BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verwaltet das Vermögen ihrer Kundinnen und Kunden mit einem Gesamtwert von 5,42 Billionen US-Dollar.[1] BlackRock gilt im Finanzsektor als eines der einflussreichsten Unternehmen und ist bei vielen großen Aktiengesellschaften als Großaktionär vertreten. Andere Börsenmanager halten BlackRock daher für extrem gefährlich, es wird in vielen Kreisen auch als sogenannte Schattenbank bezeichnet, da Vermögensverwalter nicht den Regeln traditioneller Banken unterliegen.

Geschichte

CEO Larry Fink gründete den Vermögensverwalter BlackRock 1988 mit acht Mitarbeitern als Tochter von Blackstone. 1992 wurde der Name BlackRock angenommen, das verwaltete Kapital lag zu diesem Zeitpunkt bereits bei 17 Milliarden, 1994 sogar bei 53 Milliarden Dollar.

  • 1995 übernahm PNC Financial die Firma, heute liegt ihr Aktienanteil bei 21,3%.
  • 1999 lag das verwaltete Kapital bei 165 Milliarden Dollar; 2004 waren es bereits 342 Milliarden Dollar.
  • 2006 übernahm/fusionierte BlackRock mit Merrill Lynch Investment Managers (MLIF)
  • 2009 übernahm BlackRock zudem Barclays Sparte „Barclays Global Investors“ (BGI) mit iShares, BlackRocks Version von ETFs, Investmentfonds, die ganze Aktienindexe nachbilden.[2]

Inzwischen ist BlackRock mit 78 Standorten in über 30 Ländern der größte Vermögensverwalter der Welt, 35 davon in Nordamerika und 23 in Europa, die deutschen Standorte sind Frankfurt und München, ein weiterer wichtiger Standort für Lobbyarbeit ist Brüssel.[3][4] BlackRock beriet laut eigener Angaben bereits AIG, die griechische und irische Zentralbank, die Federal Reserve Bank of New York, das britische Finanzministerium und UBS, ist jedoch in Kontakt mit weitaus mehr Finanzinstituten wie der EZB oder der Deutschen Bank, bei der BlackRock gleichzeitig Großaktionär ist.[5][6] Größte Konkurrenten in ihrer Sparte sind Vanguard und State Street. Zum Abschluss des Jahres 2016 betrug das verwaltete Vermögen 5,15 Billionen Dollar, die ETF Sparte iShares macht dabei 25% dieser Summe aus.[7]

Organisationsstruktur und Personal

Undurchsichtige Eigentümerstrukturen

Laut Angaben der NASDAQ besteht die börsennotierte BlackRock AG zu 86 Prozent aus institutionellen Beteiligungen, größter Anteilseigner ist PNC mit ca. 25% aller institutionell gehaltenen Aktien, dies entspricht 21,3 % aller Anteile.[8] Die PNC Financial Services Group selbst ist auch börsennotiert, von der wiederum BlackRock, Vanguard, Wellington und State Street zu den größten Aktionären gehören.[9] Während PNC also in Abstimmungen großen Einfluss auf BlackRock ausüben könnte, unterliegt sie in ihren Leitlinien ebenfalls dem Stimmverhalten der Aktionäre, sodass BlackRock sich wiederum bei PNC, für die aus ihrer Sicht relevanten Themen, einsetzen kann. Dies lässt darauf schließen, dass sich die Besitzstrukturen von BlackRock im Kreis drehen. So kontrollieren sich die Vermögensverwaltungen selbst bzw. unterliegen eigentlich keiner Kontrolle.

Wichtige Personen

Lobbystrategien und Einfluss

Lobbying gegen die Einstufung als „systemically important financial institutions“

In den USA gibt es zur Regulierung des Schatten-Banken-Sektors bereits das Vorhaben, große Vermögensverwalter wie BlackRock als "systemrelevant für das Finanzsystem" einzustufen. Die Konzerne wären dann mit einer Art Gefahrenaufkleber versehen und besonderer Aufsicht unterworfen. BlackRock hat intensiv Lobbyismus betrieben, um einen solchen Gesetzentwurf zu stoppen. Neben den eigenen Lobbyisten beauftragte BlackRock zu diesem Zwecke auch die Lobbyagentur „Rich Feuer Anderson“, die dafür im Jahr 2016 320.000 Dollar erhielt.[12] Mit Erfolg: Das Vorhaben wurde bislang nicht durchgesetzt. BlackRock rechtfertigte sich gegenüber der ZEIT, „um eine Systemkrise zu verhindern, sei ein Regulierungsansatz, der sich auf einzelne Anlageprodukte beziehe, besser geeignet als die Regulierung einzelner Unternehmen“.."[13]

EU-Lobbying

Laut EU-Lobbyregister ist BlackRock inzwischen eines der Unternehmen mit den meisten Treffen ihrer Lobbyisten und Lobbyistinnen mit EU-Vertretungen. Die Gespräche drehen sich dabei vor allem um Finanzfragen.

  • Dokumentierte Treffen: 28, davon 17 zu Finanzmarkt-Themen.
  • Die Ausgaben BlackRocks für EU-Lobbying lagen für das Jahr 2016 bei mindestens 1,25 Mio. Euro.
  • BlackRock hat für diese Zwecke fünf akkreditierte Lobbyisten mit EU-Parlamentszugang.[14]

BlackRock traf sich 2015 und 2016 zweimal mit dem damaligen Finanzkommissar Jonathan Hill, der nach dem Brexit von Valdis Dombrovskis abgelöst wurde, mit dem das Unternehmen sich ebenfalls bereits zweimal traf. 2016 fanden allein 5 von 9 Treffen mit einem Teammitglied des Finanzkommissars oder Dombrovskis selbst statt, ein weiterer wichtiger Ansprechpartner war hier Jan Ceyssens, der speziell für die Verhältnisse zur EZB und anderen Banken verantwortlich ist.[15] 2015 berichtete die Financial Times, BlackRock sei das Unternehmen mit den meisten Treffen (5) mit dem Team des Finanzkomissars gewesen.[16] Die Public-Affairs-Agentur Fleishman-Hillard gibt zudem an, Zahlungen von BlackRock zu erhalten. Die Summe liegt zwischen 200.000 € und 299.000 €.[17]

Deutscher Chef-Lobbyist ist Friedrich Merz, der Anfang 2016 zum Aufsichtsratsvorsitzenden für BlackRock Deutschland ernannt wurde. Mit Merz hat BlackRock einen extrem weit vernetzten früheren CDU-Spitzenpolitiker in seinen Reihen, der Vorsitzender der Atlantik-Brücke ist.[18] Ein wichtiger Berater von BlackRock ist der britische Ex-Finanz- und Wirtschaftsminister George Osborne, der für diesen Job jährlich 750.000 Euro erhält. Er war im Kabinett des Ex-Premierministers David Cameron und ist 2016 nach dem Brexit von seinem Posten zurückgetreten, seit März 2017 ist er Chefredakteur von der größten Londoner Tageszeitung, London Evening Standard.[19]

Fallbeispiele und Kritik

Beratung des EU-Finanzsektors

Die Beratungsfirma BlackRock Solutions, Tochter der BlackRock Vermögensverwaltung wurde 2011 von der irischen Zentralbank beauftragt, Verlustrisiken zu prognostizieren und einen Stress-Test durchzuführen, kurz zuvor wurde das Bankensystem Irlands mit 85 Milliarden Euro gerettet. Hierfür erhielt das Unternehmen 30 Millionen Euro, für einen ähnlichen Job für die Bank Griechenlands erhielt die Firma 12,3 Millionen Euro. Auch für die zypriotische Bank arbeitete BlackRock Solutions an einer Evaluierung zu den Rekapitalisierungsbedürfnissen des zypriotischen Bankensektors.[20] Bedeutsam für die Investment-Strategien BlackRocks war auch der Auftrag für die EZB, ihre Beratung für eins der größten anvisierten „quantitative Lockerung“-Programme zur Verfügung zu stellen, und das als größter Vermögensverwalter der Welt.[21] Neben den lukrativen Aufträgen schien für BlackRock vor allem die dadurch gewonnenen Informationen von großem Wert, die so in Kalkulationen und Planungen zu Anlagestrategien eingingen.

Benoit Coeure Skandal

Der Franzose Benoit Coeure, seit 2011 Mitglied des Direktoriums der EZB, sprach im Mai 2015 auf einer Versammlung von Bänkern, Hedge Fond Managern und Vermögensverwaltern und gab dabei Insiderinformationen zu möglichen Anleihekäufen der EZB preis. Da die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatten die anwesenden Manager erhebliche Vorteile und nutzten diese auch in ihren Investmentplanungen, wodurch der Wert des Euros sank und am Tag der medialen Publikation der Ereignisse noch einmal stark fiel.[22] Für Coeure selbst gab es keine Konsequenzen, er behielt seinen Job bei der EZB, die selbst behauptete, dass ein Verfahrensfehler zur Veröffentlichung dieser Informationen geführt habe. In diesem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass es bereits mehrere Treffen mit Vertretern großer Banken wie BNP Paribas, UBS, Goldman Sachs und auch BlackRock in Räumlichkeiten der EZB gab, kurz bevor wichtige Entscheidungen in der EZB gefällt wurden.[23]

Weltweit vertretener Großaktionär

Laut einer Studie der Universität von Amsterdam sind von den insgesamt 3900 in den USA börsennotierten Firmen BlackRock, Vanguard und State Street zusammengezählt bei 1662 Firmen größte Anteilseigner. Dies entspricht einem Marktkapital von über 17 Billionen Dollar, an diesen Firmen hängen mehr als 23,5 Millionen Arbeitsplätze. Die drei großen Firmen sind bei 438 von 500 Unternehmen des S&P 500 Index, der die größten 500 Firmen der USA umfasst, größte Anteilseigner. Diese Firmen machen etwa 82% des gesamten Marktkapitals dieses Indexes aus.[24]

BlackRock ist zudem an allen deutschen DAX-Unternehmen als Großaktionär beteiligt, bei acht der 30 topgesetzten Unternehmen ist es sogar größter Anteilseigner, dazu gehören zum Beispiel Bayer, BASF, Allianz und E.ON. Der Gesamtwert dieser Anteile entspricht 59 Milliarden Euro.[25]

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. BlackRock Reports First Quarter 2017 BlackRock.com vom 19.04.2017, abgerufen am 24.05.2017
  2. BlackRock: Our History, BlackRock.com vom 31.12.2015, abgerufen am 24.04.2017
  3. BlackRock: Global Impact, BlackRock.com vom 31.03.2015, abgerufen am 24.04.2017
  4. BlackRock: Contacts and Locations, BlackRock.com vom 31.12.2016, abgerufen am 24.04.2017
  5. BlackRock: Global Impact, BlackRock.com vom 31.03.2015, abgerufen am 24.04.2017
  6. BlackRock: Überall die Finger drin, Süddeutsche.de vom 02.03.2016, abgerufen am 24.04.2017
  7. BlackRock full year 2016 earnings report, BlackRock.com vom 13.01.2017, abgerufen am 24.04.2017
  8. NASDAQ: BlackRock-Aktionäre, Nasdaq.com vom 21.04.2017, abgerufen am 24.04.2017
  9. NASDAQ: PNC-Aktionäre, Nasdaq.com vom 21.04.2017, abgerufen am 24.04.2017
  10. BlackRock: Leadership, BlackRock.com vom 31.12.2016, abgerufen am 24.04.2017
  11. Ehemaliger CDU-Spitzenmann Merz geht zu Blackrock, FAZ.net vom 17.03.2016, abgerufen am 24.04.2017
  12. Specific Issue Reports by BlackRock,abgerufen auf Opensecrets.org am 24.04.2017
  13. Der 4-Billionen-Dollar-Mann, Zeit.de vom 27.08.2015, abgerufen am 24.04.2017
  14. BlackRock: Daten EU-Lobbying, Lobbyfacts.com vom 22.04.2017, abgerufen am 24.04.2017
  15. Dombrovskis Team, EU-Website vom 24.04.2017, abgerufen am 24.04.2017
  16. BlackRock steps up lobbying of the European Commission, Financial Times.com vom 22.11.2015, abgerufen am 24.04.2017
  17. Fleishman-Hillard: Daten EU-Lobbying, Lobbyfacts.com vom 20.07.2016, abgerufen am 24.04.2017
  18. Friedrich Merz wird Kontrollchef, N-tv.de vom 18.01.2016, abgerufen am 24.04.2017
  19. Journalisten als Polit-Cheerleader, Taz.de vom 30.03.2017, abgerufen am 24.04.2017
  20. Troika consultancies: A multi-million euro business beyond scrutiny, EUobserver.com vom 16.12.2013, abgerufen am 24.04.2017
  21. BlackRock spreads its Tentacles in Brussels, Wolfstreet.com vom 28.11.2015, abgerufen am 24.04.2017
  22. Benoît Cœuré speech highlights central bank links to financiers, Financial Times.com vom 21.05.2015, abgerufen am 24.04.217
  23. ECB officials met bankers before key decisions, Financial Times.com vom 02.11.2015, abgerufen am 24.04.2017
  24. Hidden power of the Big Three? Passive index funds, re-concentration of corporate ownership, and new financial risk, SSRN.com vom 23.06.2016, abgerufen am 24.04.2017
  25. So viele Anteile hält BlackRock an deutschen Firmen, welt.de, abgerufen am 24.05.2017